Derbyfavorit Rubaiyat kommt am Wochenende nach Hoppegarten.
Foto: Galoppfoto/Imago Images

HoppegartenEtwas kurios mutete der Auftritt an. Wie das in diesen Tagen aber eben nun mal so ist, wenn sich diejenigen, die in dieser Stadt Publikumssport veranstalten, via Videoschalte oder wie in diesem Fall via Facebook-Live an die Öffentlichkeit wenden. Rechts im Bild war jedenfalls Michael Wrulich zu sehen, der Geschäftsführer der Rennbahn Hoppegarten, links, gut zwei Meter entfernt von Wrulich, wiederum Gerhard Schöningh, der als Besitzer der Rennbahn wegen der Corona-Pandemie eine existenzbedrohende Krise zu meistern hat. Hinter den beiden waren ein paar Galoppsportutensilien an der Wand platziert, dazwischen ein über Kreuz gezogenes, inzwischen ja fast schon obligatorisches Absperrband. 

„Corona“, so Schöningh zu Beginn, „ist ein Rieseneinschnitt. Uns fehlen Wett-, Zuschauer- und Gastronomieeinnahmen. Aber es ist total wichtig, dass wir die Branche am Leben halten.“ Immerhin: Am Sonntag werden  auf der Parkbahn erstmals in diesem Jahr Rennen gestartet. Geisterrennen natürlich, für die man auch in Hoppegarten ein aufwendiges Sicherheits- und Hygienekonzept entwickeln musste.

Wie schon in Hannover, wo am Donnerstag die ersten Leistungsprüfungen für Galopper abgehalten wurden, besteht für alle Anwesenden, sogar für die Jockeys Maskenpflicht. Und noch nicht einmal den Besitzern ist der Zutritt zur Rennbahn erlaubt.

Wie das bei diesen Rahmenbedingungen mit der Rettung der Branche gehen soll? Nun, Schöningh hat kein Patentrezept, aber einen Plan. Wie alle anderen Rennbahnbetreiber in Deutschland und Europa hat auch er erst mal  die Rennpreis deutlich reduziert. So gibt es in den ab zwölf Uhr gestarteten zwölf Rennen für die 139 Pferde insgesamt gerade mal 74250 Euro zu gewinnen. Darüberhinaus gibt es für den Renntag noch eine Finanzspritze in Höhe von 34000 Euro, die bei einer spontanen Sammelaktion unter Besitzern, Züchtern und Partnern der Rennbahn Hoppegarten zusammengekommen sind. Die Hälfte aus diesem Pott soll als eine Startprämie ausgezahlt werden, macht etwa 122 Euro pro Pferd.

Schöningh erhofft sich zudem Einnahmen aus den Totalisatorwetten außerhalb der Rennbahn, wobei die Online-Buchmacher in der Not auf eine Vermittlungsprovision verzichten werden. „Wir müssen jetzt mal den Neustart hinbekommen und hoffen dann auf eine dynamische Entwicklung“, sagte Schöningh. „Insofern ist es noch zu früh, um zu sagen, wie viele Renntage wir in diesem Jahr haben werden. Wir versuchen aufzuholen. Und das vielleicht schon ab September mit bis zu 5000 Zuschauern."

Das wichtigste Rennen am Sonntag ist fraglos das für gewöhnlich in Krefeld ausgetragene Dr.-Busch-Memorial, die erste wichtige Prüfung für dreijährige Pferde auf dem Weg zum Deutschen Derby. Und der Favorit ist kein geringerer als Rubaiyat, der Galopper des Jahres 2019. Wer das sehen will, wird  übrigens auf hoppegarten.com glücklich, zumindest einigermaßen.