GlasgowJürgen Klopp hat sich längst festgelegt. „Wenn man mich fragt, wer auf mich folgen soll, würde ich Stevie sagen. Ich helfe ihm, wann immer ich kann“, sagte der Trainer des FC Liverpool schon vor einiger Zeit über seinen möglichen Nachfolger. Jener Stevie ist übrigens der langjährige LFC-Kapitän Steven Gerrard. Und der ist gerade dabei, aus den lange darbenden Rangers aus Glasgow so etwas wie eine Kopie von Klopps Liverpool zu formen und sich damit fast schon zwangsläufig als Erbe des auf der Insel wohl beliebtesten Deutschen in Stellung zu bringen.

Nach 14 Spieltagen führen die Rangers die schottische Premiership an, haben bereits erstaunliche 37 Tore erzielt. Allein das jüngste 8:0 gegen Schlusslicht Hamilton war ein Fußballfest – inklusive pathetischer Ansage von Gerrard. „Unser Stadion wird wieder eine Festung. Wir wollen ein furchtbarer Gegner sein und unser Tor mit unserem Leben verteidigen. Die Gegner sind lange hierhergekommen und hatten eine gute Zeit. Das wird nicht mehr passieren“, sagte der 40 Jahre alte Coach der Rangers. Ganz nebenbei soll Erzfeind Celtic noch der Rekord von zehn Meisterschaften in Serie vermasselt werden.

Als Gerrard vor zwei Jahren seinen ersten Chefposten bei den Rangers antrat, war beim ruhmreichen Club aus Ibrox der Lack gewaltig ab. Zwar hatte man sich nach der Insolvenz zügig von der vierten Liga zurück in die Beletage gekämpft, doch gegen Celtic war man machtlos. Gerrard war gekommen, um das zu ändern – mit einem Ansatz auf und neben dem Platz, der dem von Klopp nicht unähnlich ist.

„Der Fußball hat sich nicht verändert“

Vom ersten Tag an hat Gerrard die Rangers zu einer „bullshitfreien Zone“ gemacht, wie es die „Daily Mail“ formulierte. Die Liverpool-Legende sagt geradeheraus, was ihr nicht passt, lässt dabei aber nie den nötigen Respekt vermissen. Jeder soll wissen, wo Gerrard steht, selbst wenn man es nicht gern hört. Das Trainingsgelände wurde verbessert, damit die Spieler dort mehr Zeit verbringen. Auch die Geldstrafen wurden angezogen. So gelang es Gerrard, aus dem heterogenen Kader eine disziplinierte Einheit zu formen, die seit mittlerweile 20 Spielen ungeschlagen ist.

„Der Fußball hat sich nicht verändert. Er ist genauso wie vor 100 Jahren. Ich sage meinen Spielern das, was ich 1999 von Gerard Houllier oder Rafa Benitez gesagt bekommen habe“, erklärte Gerrard. „Einige Trainer verkomplizieren die Dinge. Ich sage meiner Mannschaft ganz klar, wie die Dinge sind und was ich von ihr erwarte.“

Dass aus den Rangers so etwas wie ein Mini-LFC geworden ist, hat sich herumgesprochen. „Das System ist ähnlich zu dem von Liverpool, nur die Spieler sind andere. Sie spielen auswärts und zu Hause denselben Stil“, sagte Jorge Jesus, Trainer von Benfica Lissabon, kürzlich. Der portugiesische Rekordmeister sicherte sich Anfang November gerade so noch ein 3:3 gegen Gerrards Team, das, einst als Mannschaft der Namenlosen verspottet, nun mehr und mehr ein Gesicht bekommt.

Hinter Routiniers wie dem langjährigen schottischen Nationaltorhüter Allan McGregor, 38, der nordirischen Passmaschine Steven Davis, 35, und dem früheren englischen Nationalstürmer Jermaine Defoe, 38, wachsen Spieler wie der Kolumbianer Alfredo Morelos und der Rumäne Ianis Hagi, Sohn des legendären Gheorghe Hagi, heran. Gerrards wichtigster Spieler ist aber Kapitän James Tavernier, der bereits 2015 nach Glasgow wechselte, als die Rangers noch in der zweitklassigen Championship spielten. Als rechter Verteidiger kommt der 29-Jährige auf 58 Tore und 83 Vorlagen in mittlerweile 263 Spielen für den Traditionsklub.

Dass der große Star dennoch der Trainer ist, zeigte sich vor zwei Jahren in Russland. Die Rangers mussten in den Playoffs zur Europa League beim FC Ufa antreten. Kurz nach der Landung wurde Gerrard von einem angeblich grimmig dreinblickenden Beamten in einen Verhörraum dirigiert. Dort lagen dann eine Reihe von Liverpool-Trikots auf dem Tisch – und Gerrard wurde freundlich gebeten, diese doch zu signieren.