Die Zeiten des Kniefalls und der Sprüche auf Shirts sind für LeBron James (Mitte) und die anderen Spieler der NBA vorbei.
Foto: AP Photo/Ashley Landis

BerlinAuf die Knie waren sie schon gegangen, T-Shirts mit kräftigen Schlagworten hatten sie bereits getragen, den gewünschten Effekt haben die verschiedenen Arten des Protestes gegen Polizeigewalt und Rassismus allerdings nicht gehabt. Um Gehör für ihr Anliegen zu finden und tatsächliche Veränderungen im eigenen Land herbeizuführen, haben die Spieler der nordamerikanische Profibasketball-Liga NBA mit ihrem Boykott jetzt ein noch viel größeres, ein gewichtiges Zeichen gesetzt. „Wir fordern Veränderungen. Wir haben es satt“, schrieb Superstar LeBron James auf Twitter und erwägt mit seinen Los Angeles Lakers sogar einen kompletten Boykott der verbleibenden Saison.

Worte des Protests und T-Shirts sind sicherlich eine gute, eine richtige Reaktion auf die Ereignisse. Um aber tatsächlich noch mehr Leute wachzurütteln und auf die Missstände nicht nur hinzuweisen, sondern auch eine Veränderung herbeizuführen, reichen sie nicht mehr aus. Und LeBron James hat genug Strahlkraft, um in die Köpfe der Leute zu kommen. Knapp 71 Millionen folgen ihm weltweit auf Instagram, sein Wort hat Gewicht und wiegt so schwer, dass er nicht auf stumm geschaltet werden kann.

Während sich die meisten Profisportler in Deutschland zu politischen Themen lieber nicht äußern wollen und im hinteren Wagen des „Black Lives Matter“-Zugs sitzen, ist James der Lokführer. Gerade im so wichtigen Präsidentschaftswahljahr können er und die anderen NBA-Spieler entscheidenden Einfluss nehmen und eine Wiederwahl Donald Trumps verhindern. Ein möglicher Boykott der weiteren Spiele in den Playoffs wäre auch ein Verzicht auf den Gewinn der NBA-Meisterschaft. Aber einfach so weiterzumachen oder sich noch einen weiteren Slogan zu überlegen, bringt keine Veränderungen in der Gesellschaft. Um eine Hauptrolle auf der politischen Bühne zu bekommen, braucht es mehr. Einen wie LeBron James.