Auch die Füchse um Kreisläufer Johan Koch hoffen darauf, dass sie im Oktober wieder in der Bundesliga antreten dürfen.
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BerlinEs war schon ein leichtes Scharren zu hören. Nach der langen Ungewissheit inmitten der Corona-Krise wurde die Handball-Bundesliga (HBL) von einer zunehmend bemerkbaren Unruhe erfasst. Konzepte für einen späteren Saisonstart wurden ebenso in die Waagschale geworfen wie neue Ideen für den Spielbetrieb. Was allerdings fehlte, waren feste Termine und eine damit verbundene Planungssicherheit. Die Mitteilung der HBL-Leitung am Mittwoch, in welcher der Auftakt in die neue Spielzeit für die ersten Oktobertage anberaumt wurde, verschaffte allen Beteiligten dahingehend ein wichtiges Stück Klarheit.

Man wolle verantwortungsvoll in eine neue Normalität starten, hieß es von den Verantwortlichen als Begründung für die Verschiebung um einen Monat. Anders als in der Schweiz und in Dänemark wird in Deutschland auf einen Wiederbeginn im September verzichtet, nicht zuletzt um die Chance auf ein Hallenpublikum zu erhöhen. Obwohl Großveranstaltungen bis Ende Oktober von der Regierung untersagt wurden, hofft man auf die vor wenigen Tagen in Aussicht gestellten Ausnahmeregelungen. „Wir entwickeln gerade ein Konzept, um, wenn überhaupt, nur ganz kurz mit wenigen Zuschauern spielen zu müssen“, erklärt Füchse-Geschäftsführer und DHB-Vizepräsident Bob Hanning die aktuellen Bestrebungen.

Das Hygienekonzept sei dabei von den bereits wieder spielenden Fußballern und Basketballern inspiriert und beispielsweise um Kontaktverfolgung erweitert worden. In den kommenden Wochen sollen entsprechende Entwürfe, die eine Hallenauslastung von etwa 50 Prozent beinhalten, fertig- und vorgestellt werden, um anschließend den Vereinen als Grundlage für den Austausch mit den regionalen Behörden zu dienen.

Während dadurch eine wichtige Ausgangsebene für die essenziell wichtigen Ticketeinnahmen geschaffen wurde, ergibt sich gleichzeitig ein weiteres Problemfeld: Das ohnehin schon kompakte Programm der Handballer wird noch enger gestrickt. Weil nach dem coronabedingten Abbruch keine Absteiger bestimmt wurden, treten in der 55. Saison der HBL 20 Klubs gegeneinander an, wodurch die Anzahl der Spieltage bis zum gleichbleibenden Abschluss am 30. Juni von 34 auf 38 ansteigt.

Darüber hinaus soll das Champions League Final Four im Dezember nachgeholt werden, das DHB Pokal-Finalturnier im Februar. Zusammen mit der Weltmeisterschaft in Ägypten 2021, der Olympia-Qualifikation im Frühling, den angestrebten Spielen im Sommer und den vereinsspezifischen internationalen Wettbewerben würde, wenn die Veranstaltungen wie geplant stattfinden können, das Pensum – gerade für die Spitzensportler – neue Höchstwerte annehmen.

Deshalb wurden zuletzt Diskussionen darüber eröffnet, wie mehr Partien in kürzerer Zeit ausgetragen werden könnten. Turnierähnliche Situationen erschienen ebenso auf dem imaginären Tableau wie die vom Flensburger Trainer Maik Machulla ins Gespräch gebrachten Doppelspieltage. Wie HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann mitteilte, wolle man allerdings trotz der gestiegenen Herausforderungen weiter am klassischen Modell festhalten „Alle anderen Varianten wären nicht ausreichend praktikabel, wirtschaftlich und fair“, begründet Bohmann die Entscheidung, „in jedem Fall erwartet uns eine komplexe Saison, die uns aufgrund der hohen Termindichte viel Flexibilität und Solidarität abverlangen wird.“

„Aus sportlicher Sicht ist der Idealzustand im nächsten Jahr nicht herzustellen“, findet der Berliner Trainer Jaron Siewert unterdessen, „da gibt es jedoch keinen Weg drumherum. Da müssen wir uns drauf einstellen und das Beste daraus machen.“ Unabhängig von den finalen Aussagen seitens der Bundesliga hatte man sich in der Hauptstadt bereits auf eine Vorbereitungszeit ab dem 17. Juli festgelegt. Trotz dreier Neuzugänge und sechs Abgängen sollten dem neuen Coach damit ausreichend Möglichkeiten gegeben sein, seine Mannschaft auf die bevorstehenden Aufgaben einzustellen – wenngleich die Spieler nach der langen Pause sicherlich Zeit benötigen werden, um wieder ihr ursprüngliches Niveau am Ball zu erreichen.