Weiß um die Bedeutung der Weltmeisterschaft in seinem Sport: Handball-Macher Bob Hanning.
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Berlin/MannheimDie Handball-Weltmeisterschaft im Januar 2021 in Ägypten findet statt – sofern die Corona-Pandemie nicht für deutlich höhere Fallzahlen in Nordafrika sorgt. Das Turnier ist wichtig für den Weltverband (IHF) und die teilnehmenden Nationen. Zudem hat die WM für den IHF-Präsidenten Hassan Moustafa eine besondere Bedeutung.

„Es gibt aktuell keine coronabedingte Reisewarnung für Ägypten, aber für Luxemburg und Teile Spaniens“, sagt Patric Strub. Der „Competitions Director“ der IHF ist bemüht, der in Deutschland geführten Diskussion um die Austragung der Weltmeisterschaft im kommenden Januar die Schärfe zu nehmen. Strub ist Deutscher und hat in Basel, dem Sitz der Internationalen Handball-Föderation, mitbekommen, dass in seiner Heimat laut darüber nachgedacht wird, ob die WM im nächsten Jahr stattfinden soll. „Nach derzeitigem Stand gibt es keinen Grund, die Weltmeisterschaft abzusagen“, macht Strub klar.

Derzeit ist nicht klar, unter welchen Bedingungen das Turnier ausgetragen werden kann, aber die Ausrichtung der globalen Titelkämpfe wird nicht infrage gestellt. Die IHF hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die im Moment verschiedene Szenarien durchspielt. Es ist denkbar, dass die WM ohne Zuschauer stattfindet oder nur mit einer begrenzten Anzahl von Fans in den Arenen. Möglicherweise wird ein „Bubble-Konzept“ angewendet, ähnlich dem im Basketball, um die Gefahren entgegenzuwirken, die durch das Corona-Virus bestehen. „Es gibt verschiedene Szenarien, die derzeit erarbeitet werden“, sagt Strub – eine Absage der Weltmeisterschaft ist deshalb kein Thema. Allein durch die TV-Vermarktung ist dem Weltverband eine Millionen-Einnahme sicher. Die Fallzahlen in Ägypten bewegen sich auf einem niedrigen Niveau, berichtet der IHF-Vertreter.

Sinkende Zahl an Neuinfektionen

„Alle Indikationen, Anweisungen und Informationen sagen Ja“, gibt sich ein Sprecher des Organisationskomitees der WM in Kairo zuversichtlich. In Ägypten sind die WM-Planer zuversichtlich, Zuschauer in den Arenen zulassen zu können, nachdem das Land zuletzt eine deutlich sinkende Anzahl von Corona-Neuinfektionen vermelden konnte. Am 5. September ist die Gruppen-Auslosung geplant, weiterhin soll an vier Standorten gespielt werden – der Optimismus der Ägypter ist ungebrochen. Schließlich soll die Weltmeisterschaft im Januar nicht nur die besten Mannschaften der Handball-Welt ins Land holen, sondern gleichzeitig eine Huldigung für Hassan Moustafa sein. Der Ägypter ist seit fast 20 Jahren Präsident der IHF und die WM in seiner Heimat ist eine Art Geschenk an sich selbst.

Die Bedeutung der Weltmeisterschaft für die IHF geht aber über die Befindlichkeiten des Präsidenten hinaus. Wie viele Sportverbände hat auch die IHF mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu kämpfen, und die WM der Männer ist die Veranstaltung, mit der der Verband Geld verdient. Eine Absage hätte schwerwiegende Folgen, das Weiterbestehen der IHF stünde auf dem Spiel. Schon aus diesem Grund ist der Weltverband verdammt, alle Möglichkeiten zu nutzen, damit im Januar in Ägypten gespielt werden kann.

Die WM ist aber nicht nur für den Weltverband von großer wirtschaftlicher Relevanz, auch die teilnehmenden Nationen sind auf die Einnahmen angewiesen. „Die großen Turniere sind eine wichtige Möglichkeit, um unsere Sponsoren zu repräsentieren“, sagt Bob Hanning. Für den Vize-Präsidenten des Deutschen Handballbundes (DHB), parallel auch Manager der Berliner Füchse, ist die WM von großer Bedeutung, nicht nur wegen der Finanzen. „Eine WM ist das größte Schaufenster, das unser Sport haben kann“, sagt Hanning. Aus seiner Sicht hätte eine Absage des Turniers bittere Konsequenzen für den Sport in Deutschland, denn nur im Januar erreichen die Handballer mit einer Europa- oder Weltmeisterschaft ein Millionenpublikum. Er sagt: „Wenn es zu einem zweiten Lockdown oder so was in der Art kommt, dann wird man sicherlich noch mal darüber nachdenken. Aber unter den jetzt gegebenen Umständen wird die WM stattfinden.“

Auch die deutsche Handball-Liga (HBL) befürwortet aus diesem Grund die Austragung des Turniers, obwohl die Liga in den kommenden Monaten vor großen Termin-Schwierigkeiten steht. Nach dem Abbruch der vergangenen Saison wurde die Bundesliga auf 20 Teams aufgestockt, zwischen Oktober 2020 und Juni 2021 stehen Klubs und Spieler vor einem Spiele-Marathon. „Wir sollten da unbedingt hinfahren“, sagt Frank Bohmann – trotz aller Terminprobleme. Der HBL-Boss weiß um die Sogwirkung einer Weltmeisterschaft für die Liga. Hinzu kommt, dass eine Absage jetzt kaum positive Effekte auf die Spiele-Hatz hätte. „Der Rahmen-Terminplan ist erstellt“, sagt Bohmann. Nur wenige Partien könnten verlegt werden, eine Entzerrung des Spielplans wäre nur in Ansätzen möglich.

Letztlich profitieren alle Parteien von einer Weltmeisterschaft im Januar und sind deshalb daran interessiert, eine Durchführung zu ermöglichen. Fraglich ist – neben der Entwicklung der Pandemie – nur noch, unter welchen Bedingungen in Ägypten gespielt werden kann.