Fans des FC Schalke fordern den Abschied von Klubboss Clemens Tönnies.
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Berlin/GelsenkirchenSeinen Abschlussbericht will David Wagner erst am Montag vorlegen, den Offenbarungseid hat der Trainer von Schalke 04 aber schon vor seiner Saisonanalyse geleistet. „Wir stehen da zusammen und haben das Gefühl, dass wir in der Fußball-Bundesliga schon seit Wochen kaum konkurrenzfähig sind“, sagte der niedergeschlagene Coach nach dem 0:4 (0:2) am letzten Spieltag beim SC Freiburg: „Das tut unheimlich weh, das ist wahnsinnig schwer mitanzusehen.“

Die Niederlage im Breisgau nach einem erneut desolaten Auftritt sorgte dafür, dass der Krisenklub seine Horrorserie mit in die Sommerpause nimmt. Die Schalker, die nach der Hinrunde nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz im Vergleich zum Erzrivalen Borussia Dortmund nicht auf einem Champions-League-Platz standen, haben keines der letzten 16 Saisonspiele (7:37 Tore) gewonnen. Luca Waldschmidt (20./57.), Jonathan Schmid (38.) sowie Lucas Höler (46.) trafen für den knapp am Europacup-Einzug gescheiterten SC. Der fahrlässige Umgang der Freiburger mit ihren Chancen ersparte der Mannschaft Wagners eine noch deutlichere Pleite.

Schon vor der Begegnung war klar, dass S04 als Folge dieses Negativrekords die schwächste Rückrunde seiner Klubgeschichte absolviert hat. Trotz der erschreckenden Bilanz und dem enttäuschenden zwölften Platz in der Abschlusstabelle darf Wagner wohl in seine zweite Saison gehen. Sportvorstand Jochen Schneider steht weiter zu seinem Wunschtrainer – und der zuletzt ratlos wirkende Coach will trotz der wachsenden Kritik nicht das Handtuch werfen.

„Einen Rücktritt wird es nicht geben. Das ist außerhalb jeglicher Vorstellungskraft. Ich bin ein Schalker - und Schalker kämpfen“, gab Wagner zu Protokoll. Immerhin weiß der 48-Jährige, vor welcher Herkulesaufgabe er im Fall seines Verbleibs steht: „Es ist gar keine Frage, dass die Hypothek sehr, sehr groß ist.“

Im Grunde hat der Coach Glück, dass die Trainerfrage in Gelsenkirchen mittlerweile in den Hintergrund gerückt ist. Der Ruf nach dem Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies wird immer lauter. Während der Partie am Sonnabend demonstrierten mehrere Hundert Fans gegen die Klubführung. Sie bildeten eine Menschenkette rund um die heimische Arena und das Trainingsgelände. Die Kritiker sind der Ansicht, dass Tönnies als Folge seines Rassismus-Eklats zu Saisonbeginn und des ihm zur Last gelegten Corona-Ausbruchs in seinem Schlachtbetrieb längst nicht mehr zu halten ist.

Weitere Gründe für den Unmut der Anhänger ist der Ärger um den Härtefallantrag für Ticketerstattungen und die Kündigung langjähriger Fahrer der Nachwuchsabteilung. Zudem ist die finanzielle Lage aufgrund der Mindereinnahmen wegen der Geisterspiele und Schulden von knapp 200 Millionen Euro extrem angespannt.

„Dass wir viele Schwierigkeiten haben, ist hinlänglich bekannt“, gab Wagner zu: „Urlaub ist deshalb das, was wir alle brauchen.“ Gerüchte über die Verpflichtung des Freiburger Torwarts Alexander Schwolow und einen Umbau des Betreuerteams wollte der Trainer allerdings nicht bestätigen. Dafür brachte Kapitän Daniel Caligiuri bei Sky die Stimmungslage auf den Punkt: „Wir sind froh, dass die Scheiß-Rückrunde endlich vorbei ist.“

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