Hat allerlei tolle Ideen für Hertha: Jürgen Klinsmann.
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Berlin-WestendAuch zur Beginn der neuen Trainingswoche war bei Hertha BSC das Spiel in Frankfurt am vergangenen Freitag noch immer ein Thema. Besonders ein Punkt ärgerte Jürgen Klinsmann, 55, nach dem 2:2 am Main. „Wir müssen abstellen, dass der Gegner kurz vor Schluss noch so ein Geschenk bekommt. Das ist nicht nötig“, sagte der Cheftrainer, dessen Elf sich unter seiner bisher zweiwöchigen Regie  im Vergleich zu Vorgänger Ante Covic in puncto Laufbereitschaft und Zweikampfführung deutlich verbessert zeigt.  Ein Problem, das sich wie ein roter Faden durch Herthas Saison zieht, bleibt dagegen: Standardgegentore.

Hertha kassierte gegen die Eintracht die Gegentreffer zwölf und dreizehn nach ruhenden Bällen – Ligahöchstwert. „Frankfurt hatte 16 Ecken. Das heißt, wir haben zumindest bei 14 gut gestanden“, kommentierte  Klinsmann direkt nach Spielschluss noch mit einem Schuss Humor. Doch um am Sonnabend gegen den forsch aufspielenden SC Freiburg endlich den ersten Sieg seit dem 4. Oktober zu feiern, will er genau dort den nächsten Hebel ansetzen. „Wir werden da jetzt Hand anlegen“, kündigte er an.

Klinsmann streicht Urlaub 

Weil besonders das Defensivverhalten bei Standardsituationen übungs- und damit auch zeitintensiv ist, ist Klinsmann gezwungen, die von Covic einstudierte Mann-Raum-Deckung zunächst beizubehalten. „Ich habe das erst mal so übernommen, wie es die Jungs gewohnt waren“, sagte Klinsmann. Er könne es zwar an die Tafel malen und erklären, wie er sich das zukünftig vorstellt, „aber es muss in der Praxis geübt werden.“ Ein Schwerpunkt für die Wintervorbereitung, die auf Wunsch von Klinsmann nicht erst am 2. Januar 2020, sondern „vier oder fünf Tage früher“ beginnen soll und womöglich eher in Spanien als wie geplant im US-Bundeststaat Florida statffindet, steht damit bereits fest.

Dass Freiburg in der Tabelle mit bereits 25 Punkten sogar vor dem FC Bayern rangiert, liegt auch daran, dass sie im Breisgau, ähnlich wie beim 1. FC Union in Köpenick, Standardsituationen schon lange als ein Schlüsselelement ausgemacht haben - offensiv wie defensiv. Freiburgs Trainer Christian Streich, 54, wagte in Bezug auf sein Team bereits die These: „Ohne Standards gewinnen wir kein Spiel.“ Seine  Co-Trainer Florian Bruns und Lars Voßler bekommen daher seit Jahren unter der Woche viel Zeit für das Einüben von Standardsituationen. Mit Erfolg. Der Sportclub kassierte in dieser Kategorie bisher nur vier Gegentore und erzielte bereits acht Treffer nach eigenen Standards. Auf Voßlers Expertise griff bereits Bundestrainer Joachim Löw vor der Weltmeisterschaft 2014 zurück.  Das Ergebnis ist bekannt.