BerlinWenn Sven Weinel am Sonnabend gegen 13.30 Uhr seinen 430 PS starken Dreiachser vom Hotel in die Alten Försterei zum Freiburg-Spiel steuert, ist das eine der kurzen Dienstfahrten für den 57-Jährigen. Und doch wird ihm jede Sekunde doppelt lang vorkommen. Es ist seine letzte Fahrt für Union. Nach 22 Jahren als Busfahrer, Zeugwart und Mannschaftsleiter tritt die gute Seele der Eisernen ab. 

Viele Trainer kamen und gingen. „Ich bin mit allen ausgekommen. Bis auf Mirko Votava. Da stimmte die Chemie nicht“, so der Ost-Berliner, der zu Vorwendezeiten schon Linie gefahren ist, nach der Wende dann im Taxibetrieb seines Vaters malochte, ehe er wieder die großen Kisten durchs Land kutschierte. Die kurze Union-Pause war kaum der Rede wert, Votava schnell Geschichte und Weinel kam zurück und half überall rund ums Team. „Ein bisschen war man Mädchen für alles“, gibt Weinel zu. 

Künftig ist fährt er für den Sparkassenverband. „Da arbeitet man selten an Wochenenden“, so Weinel. An Versuchen ihm mehr Raum für private Belange einzuräumen, mangelte es nicht. Nur oft kam was dazwischen. Der in Biesdorf lebende Weinel ist keiner, der Vokabeln wie „Work-Life-Balance“ lebt. Wenn der Klub rief, war er da. 

In den 70ern hatte er als Fan zu Union gefunden. „In Pankow gab es nicht so viele davon. Wir sind trotzdem immer hin“, meint Weinel. Als er 1998 seine „Fußballgötter“ im Bus erstmals hinter sich wusste, war er stolz wie Bolle. „Man lernt sie als Menschen kennen“, sagt Weinel. Und mit denen hat er viel erlebt. 

Seine aufregendste Fahrt? Mai 2019, Relegationsrückspiel gegen Stuttgart. Beim Einbiegen zum Stadion empfing ihn ein flammendes Inferno aus Bengalos. „Zum Glück kenne ich das Gelände. Da wusste ich ungefähr, wann ich abbiegen muss“, so Weinel. Klare Sicht gab es nicht.

Die hat Weinel künftig von der Tribüne aus. Nach 22 Jahren wird er vom 1.FC Union nicht lassen. An Spieltagen hat er ja jetzt frei.