Als wäre nichts gewesen: Eine Szene der MLB-Partie der Miami Marlins gegen Philadelphia.
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WashingtonUnter Spielern, Managern und in US-Medien mehr sich die Kritik an der Major League Baseball (MLB). Grund ist ein massiver Coronavirus-Ausbruch bei den Miami Marlins. „Ich will ehrlich zu Ihnen sein, ich habe Angst. Ich habe wirklich Angst“, sagte Manager Dave Martinez von den Washington Nationals. „Man sieht, wie sich ein halbes Team infiziert und von Stadt zu Stadt reist. Ich habe Freunde in dem Miami-Team, das stinkt wirklich.“

Mindestens zwölf Spieler und zwei Trainer der Marlins sind mit dem Virus infiziert. Die ersten vier Fälle sollen im Team demnach bereits am Samstag bekannt gewesen sein. Dennoch traten die Marlins bei den Philadelphia Phillies an (11:6). Weitere geplante Partien wurden dann abgesagt. Sollten die nächsten Testergebnisse akzeptabel sein, soll das Team an diesem Mittwoch gegen die Orioles spielen.

„Baseball steckt in großen Schwierigkeiten“, sagte Andrew Morris, Professor für Infektionskrankheiten an der Universität von Toronto. Er gehört zu den profiliertesten Kritikern der MLB und meinte: „Ich frage mich, ob sie auf den Rat von Experten hören oder ob ihre Experten ihnen gute Ratschläge geben. Dies war kein Plan, den sich jemand, der weiß, wovon er spricht, ausgedacht hätte.“

Pitcher David Price von den Los Angeles Dodgers hatte wegen der Unsicherheiten entschieden, auf die Saison zu verzichten und nicht zu spielen: „Jetzt werden wir wirklich sehen, ob die MLB die Gesundheit der Spieler an erste Stelle setzt.“ Die MLB hat erst am Freitag als erste der vier großen US-Sportligen neben Basketball (NBA), Eishockey (NHL) und Football (NFL) trotz der in den USA weiter rasant steigenden Infektionszahlen den Spielbetrieb wieder aufgenommen. Die 60 Spiele je Mannschaft finden ähnlich wie in der Bundesliga in Stadien ohne Zuschauer statt. Allerdings liegt das Problem auf dem Spielfeld, nicht auf den Tribünen.

MLB-Boss Rob Manfred für die Major League Baseball noch kein größeres Problem. „Ich sehe das nicht als Albtraum an. Ich bin weiterhin optimistisch, dass unsere Protokolle und Maßnahmen gut genug sind, damit wir auch bei einem solchen Ausbruch weiter spielen können – und unsere Saison beenden können“, sagte Manfred in einem Interview des MLB Network.

Laut MLB-Chef Manfred sei nun in einer Telefonkonferenz mit den 30 Klubbesitzern ein Saisonabbruch kein Thema gewesen. Man sei beim Erstellen des Hygienekonzepts ohnehin davon ausgegangen, im Laufe der Saison positive Tests zu haben. „Wir haben die Protokolle so gestaltet, dass wir weiter spielen können. Deshalb haben wir die erweiterten Spielerlisten, deshalb haben wir den Pool an zusätzlichen Spielern“, sagte Rob Manfred. (dpa)