BerlinAm Sonntag wurde in Abu Dhabi ein letztes Mal die karierte Flagge geschwenkt, und wenn man so will, war es das Ende einer Erfolgsgeschichte. Auf den Tag genau neun Monate zuvor hatte ein positiver Coronatest im Fahrerlager von Melbourne die Saison der Formel 1 kollabieren lassen – und irgendwie hat die Königsklasse es dann geschafft, noch 17 Rennen in dieses Krisenjahr zu quetschen.

Vettel hat Mitleid mit Mitarbeitern

„Wenn man die Situation bedenkt, kann man froh sein, dass wir überhaupt Rennen fahren konnten“, sagt Sebastian Vettel, ansonsten fällt sein Fazit wenig euphorisch aus: „Es war eine sehr, sehr harte Saison für alle Beteiligten, so viele Rennen in so kurzer Zeit, am Ende noch mal drei in Folge, um uns den Rest zu geben“, sagt er grinsend.

Und meint dabei nicht die 20 Fahrer. „Wir sitzen ja am glücklichen Ende dieser Skala, es gibt sehr viele, die so viele Stunden mehr arbeiten als wir.“ Die Crews etwa, auch jene, die die gewaltige Logistik rund um die Rennen möglich machen, die in Nachtschichten die Fahrerlager auf- und abbauen und das Ganze wenige Tage später anderswo auf der Welt wiederholen.

Erst Anfang Juli konnte der Rennbetrieb unter strengen Hygienerichtlinien wiederaufgenommen werden, was folgte, war eine Hatz von Rennstrecke zu Rennstrecke. Aus Sicht der Formel 1 war das alternativlos. „Wir haben überlebt“, fasst etwa Günther Steiner die Situation vieler Teams in diesem Jahr zusammen, es habe schließlich „eine große Chance“ gegeben, „dass wir nicht mehr hier wären“.

Denn die Rennställe hinter den großen Drei, hinter Mercedes, Ferrari und Red Bull, leben am „Existenzminimum“. Sie erhalten Geld von der Formel 1, und die nimmt dieses Geld im Normalfall von den Rennstrecken. In diesem Jahr aber funktionierte das Modell nicht, weil die Strecken kaum Tickets verkaufen konnten. Einzige Einnahmequelle der Königsklasse waren damit die TV-Gelder, und dafür mussten es möglichst viele Rennen in kurzer Zeit sein.

Neues Rennen in Saudi-Arabien

„Wir als Formel-1-Gruppe haben alles in unserer Macht stehende getan, um sicherzustellen, dass die Teams überleben konnten“, sagt Ross Brawn, Sportdirektor der Königsklasse. Man müsse aber „so schnell wie möglich zum normalen finanziellen Niveau zurückkehren“.

Der Weg dahin ist diskutabel. Für ihre zweite Corona-Saison plant die Formel 1 einen Rekordkalender. 23 Rennen gab es noch nie. Die Macher orientierten sich nicht an den Erkenntnissen des vergangenen Sommers, als die Zahlen mancherorts ja deutlich sanken. Sie schauten nicht, in welchen Ländern zu welchem Zeitpunkt sichere Events mit zumindest ein paar Tausend Zuschauern möglich waren. Stattdessen soll es die übliche Welttournee werden, aufgestockt durch ein neues Rennen in Saudi-Arabien.

„Ich bin noch nicht sicher, wie wir diesen Kalender angehen wollen“, sagt Vettel.