Legendäre Sportstätte: die Trabrennbahn in Mariendorf.
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BerlinDie Freunde schnell trabender Rennpferde blicken derzeit voller Neid von Berlin aus nach Schweden. Dort, auf den Rennbahnen zwischen Malmö, Göteborg und Stockholm, finden seit Wochen, wie geplant, alle Trabrennen statt, Coronakrise hin oder her – ohne Publikum versteht sich. Wenn die Pferde Kopf an Kopf um Sieg und Platz sowie stattliche Preisgelder ringen, stellt das für die professionellen Sportler hinter den Pferden kein Problem dar. Auf dem zweirädrigen Sportgerät namens Sulky können die gebotenen Abstandsregeln mühelos eingehalten werden. In Schweden jedenfalls haben die staatlich kontrollierten Organisatoren des Trabrennsports einen Weg gefunden, einen geregelten Rennbetrieb aufrechtzuerhalten. Die Zuschauer müssen zu Hause bleiben, aber sie können auf den Rennausgang wie gewohnt wetten.

So oder ähnlich hatte man es sich auf den beiden Berliner Rennplätzen in Mariendorf und Karlshorst erhofft, wo nach längerer Pause am 1. und 8. Mai wieder Pferde angespannt werden sollten. Daraus wird nun nichts: Die Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport hat die Anträge auf die Genehmigung zur Durchführung von Rennen am Montag abgelehnt. „Die Entscheidung fußt auf der Verordnung über die vorläufigen Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus, die noch bis zum 10. Mai gilt“, teilte die Mariendorfer Trabrenn GmbH am Montagabend auf ihrer Homepage mit. Nicht von der Absage betroffen sei ein für den 17. Mai angesetzter Renntag. „Wir hoffen, ihn durchführen zu können.“

Für die Berliner Rennvereine und die privaten Rennställe stellt die Entscheidung gegen sogenannte Geisterrennen nicht zuletzt auch die Existenzfrage. Je länger die Pause dauert, desto weniger können sich die Pferdebesitzer die laufenden Kosten für ihr teures Hobby noch leisten. Ein Rennbetrieb ohne Publikum hätte auf niedrigem Niveau Umsätze generieren können, die für viele der Beteiligten so etwas wie eine Soforthilfe gewesen wären.

Dimitri Vergos, der Geschäftsführer der Rennbahn in Karlshorst, hatte zuvor noch auf die Weitläufigkeit des Geländes in der Nähe des Tierparks hingewiesen. Die Rennen in Karlshorst, wo am 1. Juni 1945 die ersten Pferderennen nach dem 2. Weltkrieg stattgefunden hatten, wären mehr als ein Durchhaltesignal gewesen. In finanzieller Hinsicht wäre ein Start am 1. Mai in Karlshorst besonders attraktiv gewesen, weil eine Kooperation mit dem französischen Wettanbieter PMU vereinbart war. Da in Frankreich wegen der Corona-Beschränkungen derzeit keine Rennen stattfinden, setzt PMU auf die Vermittlung von Online-Wetten auf ausländische Rennbahnen. Das Geld aus Paris wäre für die Karlshorster, die sonst kaum im Fokus der Aufmerksamkeit internationaler Übertragungen stehen, ein Trost in der Not gewesen.

Von den Sorgen der Berliner Randsportart scheint man beim Berliner Senat aber wenig wissen zu wollen. Dabei hätte die Zulassung von Rennen ein risikoarmer Testlauf für die Rückkehr zu etwas mehr öffentlichem Leben in Berlin sein können. Das Deutsche Traber-Derby, das regelmäßig am ersten Augustwochenende in Mariendorf stattfindet, ist vorerst auf September verschoben. Ob es überhaupt stattfinden kann, ist derzeit ungewiss.