Berlin - Am Ende einer Bilderbuchwoche blieb Lukas Nmecha cool. Keine ausgelassene Freude, keine frechen Sprüche – bevor er an diesem Montag erstmals zum Kreis der Nationalmannschaft stoßen wird, gab sich der Stürmer des VfL Wolfsburg ganz entspannt. „Ich war ein bisschen überrascht, versuche aber auch da mein Ding zu machen“, sagte Nmecha vor seiner Premiere bei Deutschlands besten Fußballern. „Ich habe schon früher gelernt, dass ich meine Emotionen nicht zu hoch und nicht zu niedrig hänge. Ich versuche, auf dem Boden zu bleiben.“ Sein Interview-Marathon in der Wolfsburger Arena wollte dennoch kein Ende nehmen. Und so erzählte der U21-Europameister wieder und wieder von seinen drei Siegen und drei Toren binnen einer Woche und von seiner Vorfreude auf ein greifbar nahes „Debüt dahoam“ bei Hansi Flick in der deutsche A-Nationalmannschaft.

„Und ich muss dafür nicht einmal reisen, nur einfach am Montag ins Hotel gehen“, sagte der Torjäger fast ungläubig, nachdem er seine Nominierung durch den neuen Bundestrainer beim 1:0 (1:0)-Sieg des VfL Wolfsburg gegen den FC Augsburg eindrucksvoll bestätigt hatte. Mit einem so sehenswerten wie technisch anspruchsvollen Kopfballtor in der 14. Minute.

Nmecha blüht mit Trainer Kohfeldt auf

Es wäre eine Überraschung, wenn der 22-Jährige am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein in Wolfsburg ohne Einsatzminuten bleiben sollte. Denn unter dem neuen Trainer Florian Kohfeldt ist Nmecha erst so richtig aufgeblüht am Mittellandkanal.

„Man kann sagen, es war die schönste Woche meines Fußballerlebens“, verkündete der abseits des Spielfeldes eher schüchtern wirkende Stürmer mit bei ihm selten erlebter Euphorie. Denn zwischen all seinen Toren gab es in dieser verrückten Woche zwischendurch eben noch jenen Anruf, mit dem er gar nicht gerechnet hatte. Bundestrainer Flick war am anderen Ende der Leitung und informierte Nmecha über seine erstmalige Nominierung für das Nationalteam. „Ich habe das nicht wirklich erwartet. Das war ein bisschen ein Schock“, sagte Nmecha, „aber die Freude kam, als ich es meinen Eltern erzählt habe, die sich auch sehr gefreut haben“.

Nmecha ist ein spielstarker Stürmer

Und so ist nicht nur Kohfeldt ein Gesicht des sportlichen Aufschwungs bei den Niedersachsen, sondern auch der spielstarke Stürmer. So unbeschwert freuen wie sein aktueller Torgarant konnte sich der Coach indes nicht, denn nach einer starken ersten Halbzeit fehlte es den Wölfen nach dem Seitenwechsel an Bissigkeit, die Gäste waren dem Ausgleich mehrfach nahe.

„Die Mentalität war zwar da, aber fußballerisch war das nicht gut“, musste der 39-Jährige einräumen. Daher kommt dem langjährigen Werder-Trainer die Länderpause nicht ungelegen, denn zu gezielter Trainingsarbeit blieb zwischen dem Bundesligaspiel in Leverkusen (2:0), dem Auftritt in der Champions League gegen RB Salzburg (2:1) und der Partie gegen Augsburg kaum Zeit.

Mehr Zeit zum Üben, aber anscheinend immer noch nicht genug, hatte Kohfeldts Gegenüber Markus Weinzierl. Denn zum achten Mal binnen elf Spielen gerieten die Gäste in Rückstand und setzten sich damit zum wiederholten Male unter Zugzwang. Und gingen letztlich auch in Wolfsburg leer aus.

„Gerade auswärts sind wir häufig zu passiv. Irgendwie brauchen wir immer einen Nackenschlag, das müssen wir schnellstens abstellen“, sagte der 46-Jährige mit leicht verärgertem Unterton. Wieder sei zu wenig Effektivität dagewesen, fuhr Weinzierl fort, „das müssen wir dringend aufarbeiten.“

FC Augsburg reist ohne Punkt aus Wolfsburg ab

Wohl wahr, denn während der FCA ohne Zählbares aus Wolfsburg abreiste, punkteten die Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt fleißig. Tabellennachbar Arminia Bielefeld gewann 1:0 beim VfB Stuttgart und Aufsteiger VfL Bochum feierte einen 2:0-Heimsieg gegen die TSG Hoffenheim. Vom direkten Abstiegsplatz 17 sind die Augsburger nur noch einen Punkt entfernt.

„Deshalb war es auch so brutal, dass wir aus Wolfsburg nichts mitnehmen konnten“, sagte Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter. Und die Aufgaben für die Augsburger werden wahrlich nicht leichter. Nach der Länderspielpause gastiert Bayern München in der Augsburger Arena.