Linker Hammer: Ronny spielt jetzt in der sechsten Liga für den 1. FC Novi Pazar.
Foto: City-Press/Burmann

BerlinOb Heberson Furtado de Araujo, genannt Ronny, am Sonntagnachmittag für Liga-Neuling 1. FC Novi Pazar auflaufen wird, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Auf der Gustav-Böß-Sportanlage an der Koloniestraße in Wedding trifft Novi Pazar zum Auftakt der Berlin-Liga auf Fortuna Biesdorf. Anstoß: 14.30 Uhr.

Der 34-jährige Brasilianer soll die junge Mannschaft des Aufsteigers nach oben schießen. „Wir werden viel Freude mit Ronny haben“, prophezeit jedenfalls Präsident Resad Halilovic. Schafft es Ronny, körperlich fit zu werden – er trainiert mit einem Personal Coach – kann er mit seiner enormen Schusskraft und seiner Technik zu einer Attraktion der Liga werden. Schafft er es nicht – so wie oft in der Vergangenheit als Profi bei Hertha BSC –, kann der Traum von Novi Pazar auch platzen. Sein letztes Pflichtspiel für Fortaleza in seiner Heimatstadt liegt drei Jahre zurück.

Außer Ronny aber hat der Verein aus Neukölln über ein Dutzend neue Spieler verpflichtet und in Denis Drnda einen neuen Coach. Im Sommer 2017, als sich der 1. FC Neukölln in Novi Pazar umbenannte, weil man eine Kooperation mit dem serbischen Profiverein FK Novi Pazar einging, hieß es, man wolle irgendwann im bezahlten Fußball landen. Das erinnert an andere ähnlich hochfliegende Projekte aus dem Berliner Amateurfußball, die aber meist gescheitert sind.

Die neue Spielzeit der Berlin-Liga beginnt mit einer englischen Woche, der sich in der Hinrunde noch fünf weitere solche Kraftakte anschließen werden. Der Grund: 21 Mannschaften gehören zur Liga mit 42 Spieltagen.

An der Spitze wird allgemein ein Duell zwischen Sparta Lichtenberg und Eintracht Mahlsdorf erwartet. Sparta, zuletzt mit 0,03 Punkten Abstand wegen der Quotientenregel an Stern 1900 im Kampf um den Aufstieg in die Oberliga gescheitert, gibt sich entschlossen und kämpferisch. „Wir wollen hoch“, sagt Trainer Dragan Kostic, „unser Plus muss die mannschaftliche Geschlossenheit sein.“ Mit dem starken Torhüter Mateusz Mika und Torjäger Sanid Sejdic haben zwei wichtige Akteure Lichtenberg verlassen. Mika wechselte zu Novi Pazar und Sejdic ging gar hinunter in die Bezirksliga zum FC Liria. Das finanzielle Angebot muss zu verlockend gewesen sein. Neun Zugänge hat Sparta verpflichtet.

Konkurrent Eintracht Mahlsdorf war in den zurückliegenden Jahren immer unter den Top 5 der Liga platziert und hat sich sehr gut verstärkt (siehe Interview mit Trainer Volbert). Der 1. Vorsitzende Thomas Loest, seit 22 Jahren im Amt, sagt: „Das Niveau der Liga steigt ständig. Der Unterschied zur Oberliga ist geringer geworden. Der Aufstieg ist für uns kein Muss, aber unser Anspruch ist es schon, einmal Berliner Meister zu werden.“

Völlig andere Sorgen drücken Berlin United, einen Verein, der noch vor einem Jahr den Durchmarsch durch die Ligen geplant hatte. Der neue Trainer Jörg Goslar, 56, steht vor einer Herkulesaufgabe. Der erfahrene Fußballlehrer trainierte in der Vergangenheit auch Wacker Nordhausen, den Berliner AK und Viktoria 89. Goslar, erst seit 11. August im Amt, sagte dieser Zeitung: „Eigentlich waren nur noch ein paar Bälle und Spielerleibchen da, als ich ankam!“ Was war passiert?

Als der Projektmanager und Architekt Stefan Teichmann den Verein vor drei Jahren gründete und mit dem Club Italia fusionierte, verkündete er extrem ambitionierte Pläne. Man wolle zu einem Verein mit großer Strahlkraft aufsteigen und irgendwann im Profibereich ankommen. Einiges wurde auch umgesetzt. 2018/19 gelang unter Trainer Thomas Häßler, dem Weltmeister von 1990, der Aufstieg von der Landesliga in die Berlin-Liga. Häßler musste dennoch gehen und wurde durch den jungen Coach Fabian Gerdts ersetzt. Der sollte mit zahlreichen ehemaligen Regionalliga-Kickern den Aufstieg in die Oberliga bewerkstelligen.

Das misslang mit Rang vier, Gerdts ging – und Anfang Juli völlig überraschend auch Teichmann, der Präsident, Ideengeber und Visionär. Er zog sich „ausgepowert“ zurück. Die teils hochkarätigen Kicker verließen alle den Verein. Viele Beobachter glaubten an das Ende von United.

Doch der zweite Vorsitzende Giovanni Bruno übernahm das Kommando, holte in Alexander Klitzpera, 42, einen ehemaligen Bundesligaprofi (Arminia Bielefeld), der das Blitz-Scouting übernahm. Nach einem Internetaufruf meldeten sich zahlreiche Spieler, die nach den Kriterien „Schnelligkeit, fußballerische Fähigkeiten, körperliche Robustheit“, so Klitzpera, begutachtet und verpflichtet wurden. Trainer Goslar sagt zu diesem Casting: „Wir wollen nicht in der Versenkung verschwinden und United am Leben erhalten.“ Giovanni Bruno arbeitet derweil an einer neuen Strategie, will die Strukturen im Verein verändern und hat „gute Leute an seiner Seite“, wie er sagt. Trainer Goslar: „Wir haben nur ein Ziel, den Klassenerhalt!“ So schnell können sich Pläne ändern.