Zum Leidwesen des 1. FFC Turbine Potsdam hat sich der VfL Wolfsburg auch am Sonnabend keine Blöße gegeben. Nein, Turbines Trainer Sofian Chahed, der ehemalige Bundesligaprofi (Hertha BSC, Hannover 96), musste mit ansehen, wie seine Spielerinnen beim DFB-Pokalfinale nach einer ziemlich guten Anfangsphase vom deutschen Vorzeigeklub teilweise dann doch vorgeführt wurde.

Schon zur Halbzeit stand es 3:0 für den Favoriten, der in Ewa Pajor die herausragende Figur des Nachmittags in ihren Reihe hatte. Am Ende stand ein 4:0, weil die einen nicht mehr so recht gefordert waren und deshalb auch nicht mehr so recht stürmen wollten, die anderen zwar wollten, aber zu keinem Torerfolg mehr kamen. Für die Wolfsburgerinnen war es der achte Pokal-Triumph in Serie, für Turbine hingegen war es eine weitere Enttäuschung, nachdem man im Saisonausgang noch die Qualifikation für die Champions League verspielt hatte.

Das Spiel hätte mehr Zuschauer verdient gehabt

Seit Jahren gibt sich der Deutsche Fußball-Bund alle Mühe, um das Pokalfinale der Frauen in einen möglichst feierlichen Rahmen zu packen. Deshalb im Jahr 2010 der Umzug von Berlin nach Köln, deshalb auch die Entkopplung vom Männerfinale, deshalb auch moderate Eintrittspreise. Ja, für gerade mal acht Euro hätte man am Sonnabend die Partie live vor Ort erleben können. Doch bleibt es dabei: Während in anderen Ländern beim Frauen-Fußball Jahr für Jahr Zuschauer-Rekorde vermeldet werden, erweist sich die Arena des Bundesligisten 1. FC Köln für diesen Höhepunkt im deutschen Frauen-Fußball als zu groß.

Nur 17.531 Zuschauer waren am Sonnabend jedenfalls zugegen, als die Nationalhymne angestimmt wurde. Als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kurz vor Anpfiff an der Seite von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg beide Teams noch mal mit einem aufmunternden Applaus bedachte.

imago/Nordphoto
Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war in Köln zugegen. Zu seiner Rechten: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

33.500 mehr hätten reinpasst in das Rheinenergie-Stadion. Und viele, viele Zuschauer mehr hätte dieses Spiel auch allemal verdient gehabt. Denn beide Teams brachten das ein, was man von ihnen erwartet hatte. Die Wolfsburger lieferten im Besonderen in Hälfte eins einen Anschauungsunterricht in Sachen Technik und Taktik, die Potsdamerinnen brachten hingegen Herz und Leidenschaft ein.

Sara Agrez ist einfach zu aufgeregt

In der 8. und 16. Minute kam Turbine auch zu zwei sehr guten Chancen. Die eine hatte Karen Holmgaard nach einer tollen Vorarbeit von Maria Plattner. Doch Holmgaard verlor bei ihrem Lauf aufs VfL-Tor einfach zu viel Geschwindigkeit, sodass Wolfsburgs Kathrin Hendrich ihren Schuss noch blocken konnte. Die andere Chance wurde von Sophie Weidauer eingeleitet, konnte aber von Sara Agrez nicht verwertet werden. Auch hier fuhr Hendrich mit einer lehrbuchhaften Grätsche dazwischen.

Turbines Problem: Zwischenzeitlich hatte Pajor für den VfL die Führung erzielt und ihren Kolleginnen damit auch schon mal ein Stück weit die Angst vor dem Scheitern genommen. In der 11. Minute war dies geschehen, als die Polin sich nach einem Eckball von Felicitas Rauch von ihrer Gegenspielerin löste und auf beeindruckende Art und Weise mit einem Kopfball Keeperin Anna Wellmann noch nicht einmal die Chance zur Reaktion einräumte.

Auch weiterhin gab es für Chaheds Elf ein paar ziemlich gute Möglichkeiten zum Torerfolg, auch weil Keeperin Almuth Schult bei ihrem letzten Auftritt für den VfL (sie wechselt zu Angel City FC in die NWSL) doch mitunter Nerven zeigte. Aber dann flog in der 33. Minute einmal mehr Pajor heran, traf nach einer Flanke von Lynn Wilms erneut per Kopf zum 2:0.

Einfach nicht klar genug im Angriff

Und spätestens nach dem 3:0 für die Wolfsburgerinnen, das Jill Roord in der 42. Minute mit einem Rechtsschuss aus zwölf Metern erzielte, war klar, dass Turbines Traum von einer Pokalsensation zerstört war. Dass es für ein Comeback ein Wunder bräuchte, wie es der deutsche Frauen-Fußball noch nicht erlebt hat.

Dieser Hoffnungslosigkeit zum Trotz versuchten sich die Potsdamerinnen nach dem Seitenwechsel zumindest daran, die Wolfsburgerinnen ein klein wenig zu ärgern, vielleicht sogar einen Anschlusstreffer zu erzielen. Der wollte ihnen aber nicht glücken, weil die Aktionen im gegnerischen Strafraum einfach nicht klar zu Ende gespielt wurden. Auf der Gegenseite traf schließlich Dominique Janssen mit einem abgefälschten Freistoß aus 18 Metern zum 4:0. Aber das tat nichts mehr zur Sache.