Gustav Scholz, genannt Bubi, 1961, zu seinen Glanzzeiten. 
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BerlinEs war schnell von „Promibonus“ die Rede, vom „Berliner Filz“ – die Empörung über das Urteil gegen Gustav Scholz, den die meisten als Bubi Scholz kannten, war in Deutschland groß. Der bekannte Boxer hatte seine Frau mit einem Gewehr durch die Toilettentür erschossen. Für die entsetzliche Tat musste Scholz nur drei Jahre hinter Gitter. Vielen ging an diesem 1. Februar 1985 die Strafe nicht weit genug.

Das Drama im Berliner Westend hatte die Republik aufgewühlt. Mit Spannung verfolgten viele den Prozess um den Mann, dessen Tod sich am kommenden Freitag zum 20. Mal jährt. Das Gericht in Moabit konnte dem Angeklagten damals keinen Tötungsvorsatz nachweisen, viele Fragen blieben offen. Scholz hatte am 22. Juli 1984 seine Frau Helga in der gemeinsamen Villa am Grunewald erschossen – im Suff. Die beiden hatten über Stunden gestritten, dem Alkohol zugesagt, ehe Scholz das Gewehr aus dem Keller holte und abdrückte.

Zuvor lebte das Paar viele Jahre auf der Sonnenseite. Die Scholzens gehörten in der Nachkriegszeit im Westen Berlins zu den glamourösen Partygästen. Fernsehmoderator Hans Rosendahl war ihr Trauzeuge, der spätere Kanzler Willy Brandt, Schauspieler Günter Pfitzmann und Box-Ikone Max Schmeling saßen bei Kämpfen am Ring.

Scholz war auch deshalb beliebt, weil er sich aus kleinen Verhältnissen im Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg hochgeboxt hatte. Zwei Jahre gewann er alle Kämpfe durch K. o., wurde Europameister und zum Symbol des Wiederaufstiegs Deutschlands. Daran änderte sich nichts, als der Rechtsausleger 1962 seinen wichtigsten Kampf um die WM gegen den US-Amerikaner Harold Johnson verlor.

Tabletten, Alkohol, Depressionen

In der Unterhaltungsindustrie gab Scholz eine gute Figur ab. Er spielte in einer TV-Produktion, war im Kölner Millowitsch-Theater zu sehen und brachte drei Singles auf den Markt. Beruflich ging es dem Paar nach der Boxkarriere gut. Helga kümmerte sich um die Parfümerien, Scholz führte eine Werbeagentur.

Doch im Laufe der Jahre verlor die Ehe an Schwung, die Einladungen wurden weniger, Scholz litt unter Depressionen. Er trank. Auch Helga griff zur Flasche. Die Streits wurden heftiger. Im Juli 1984 kam es in der Villa zur Tragödie. Das Gericht attestierte Scholz eine erhebliche Bewusstseinsstörung und verminderte Schuldfähigkeit – durch Tabletten, Alkohol und Depressionen.

1987 wurde Scholz aus dem Gefängnis entlassen. Ein Jahr später trat er noch mal im Fernsehen auf, bei dem jungen Moderator Günther Jauch. Auf die Frage, ob das schreckliche Kapitel abgeschlossen sei, sagte Scholz: „Das wird es nie sein“, weil es ein Unglück gewesen sei und Helga und er „29 Jahre sehr glücklich waren und ich mir einfach nicht vorstellen konnte, ohne meine Frau weiterleben zu können“.