Berlin/Paris - Barbora Krejcíková hat sensationell die French Open gewonnen. Die 25-Jährige setzte sich am Samstag in einem umkämpften Finale mit 6:1, 2:6, 6:4 gegen die Russin Anastasia Pawljutschenkowa durch und triumphierte damit als erste Tschechin seit Hana Mandliková 1981 – damals noch unter Flagge der Tschechoslowakei.

Krejcíková besitzt sogar die Chance aufs seltene „Double“. Die Athletin aus Brünn, die so viel von der verstorbenen tschechischen Ikone Jana Novotná lernte, steht auch im Doppel im Endspiel und könnte erstmals seit Mary Pierce im Jahr 2000 beide Wettbewerbe gewinnen.

Mit Krejcíková krönte sich im sechsten Jahr in Folge in Paris eine neue Spielerin zur Major-Siegerin. Sie ist erst die dritte ungesetzte Spielerin, die zum Turniersieg stürmte und streicht ein Preisgeld von 1,4 Millionen Euro ein, Pawljutschenkowa erhält 750.000 Euro.

Titelverteidigerin Iga Swiatek aus Polen war bereits im Viertelfinale gescheitert. Im Männerfinale am Sonntag (15 Uhr, Eurosport und ServusTV) stehen sich der Weltranglistenerste Novak Djokovic und Stefanos Tsitsipas, der Bezwinger der deutschen Nummer eins Alexander Zverev, gegenüber.

Pawljutschenkowa gegen Krejcíková – auf das überraschende Finale wäre vor dem Wettbewerb wohl kein Experte gekommen. Sie kämpften sich durch einen Frauen-Wettkampf in Paris, in dem es von Beginn an turbulent zuging. Der Presse-Boykott und der folgende Rückzug der viermaligen Grand-Slam-Siegerin Naomi Osaka sorgten direkt am Anfang für ein echtes Beben.

Alle Favoritinnen stürzten

Es folgten kleinere Nachbeben, als immer mehr Favoritinnen wie Ashleigh Barty (Australien) oder Aryna Sabalenka (Belarus) stürzten. Die drei deutschen Frauen um Angelique Kerber hatten bereits nach der erste Runde ihre Sachen gepackt – erstmals seit 1958 schaffte es keine Starterin des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) in die zweite Runde. In den Fokus spielten sich andere Spielerinnen.

Eine klare Favoritin für das Endspiel zwischen der Weltranglisten 32. aus dem russischen Samara und ihrer einen Platz schlechter notierten Gegnerin zu benennen, war schwierig. „Heute geht es um Tagesform. Pawljutschenkowa hat sicher mehr Erfahrung gesammelt in den letzten 13, 14 Jahren“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner bei Eurosport vor dem ersten Aufschlag des Finals. Die Russin hatte große Lockerheit ausgestrahlt, doch damit war es auf dem Platz schnell vorbei.

Krejcíková nahm schnell in den Ballwechseln die Rolle der Chefin ein, verteilte gut und Pawljutschenkowa hatte zunächst keine Lösung parat – nach 32 Minuten ging der Durchgang an die Tschechin. Doch das Bild veränderte sich anschließend. Pawljutschenkowa wurde jetzt mutiger, ging schnell auf den Gewinnschlag und glich nach Sätzen aus.

Im dritten Durchgang spielten dann die Nerven eine immer stärkere Rolle – und Krejcíková blieb cool und jubelte über den größten Sieg ihrer Karriere.