Auf seine Fans kann sich der 1. FC Union verlassen.
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BerlinDer Ball rollt seit Montag wieder in Köpenick. Zumindest im Kleingruppentraining. Ein Stück weit Normalität kehrt damit wieder ein beim 1.FC Union ein. Denn ein Übungsbetrieb im Verbund – und sei dieser auch noch so klein – kommt dem Gedanken des Mannschaftssports doch viel näher als  Individualtraining zu Hause.

Es bleibt aber die Ungewissheit, wann es wieder losgeht mit dem Ligabetrieb. Der Tag X, der in verschiedenen Szenarien für Anfang oder Mitte Mai durchgespielt wird, würde den darbenden Vereinen zumindest in Hinsicht auf die Fernsehgelder Chancen eröffnen, die Coronakrise finanziell mit einem blauen Augen zu überstehen.

1,4 Millionen Euro entgehen Union

Klar ist, dass die Spiele ohne Stadionpublikum über die Bühne gehen müssen. Eine große finanzielle Belastung, die für die Köpenicker bezifferbar ist. In Unions Etatansatz stehen Einnahmen aus dem Ticketing für die gesamte Spielzeit von 4,688 Millionen Euro. Das sind etwas mehr als 275.000 Euro pro Spiel. Bei fünf noch ausstehenden Heimpartien entgehen dem Klub fast 1,4 Millionen Euro.

Die Sorge um den Verein bewegt natürlich auch die Anhängerschaft und ließ einen Plan entstehen, wie man neben dem kickenden Personal – verzichtet, so lange nicht gespielt wird, monatlich auf eine Summer zwischen 300.000 bis 500.000 Euro –  dem Klub unter die Arme greifen könnte.  In einem Akt der Solidarität wurde von über 60 Fanclubs dazu aufgerufen, die bereits gezahlten Gelder aus Dauerkartenverkäufen nicht zurückzufordern. 11.500 Unioner sind Inhaber eines Saisontickets. Wenn all die aus Liebe zum Klub auf die ihnen zustehende Erstattung verzichten, erspart das den Köpenickern rund 700.000 Euro. Fürwahr kein Pappenstiel. Eine formidable Idee und mal wieder typisch für Union – geboren aus den Rängen, also von unten und nicht per Order Mufti verhängt. Natürlich wird nicht jeder jetzt verzichten. Aber das Gros. Denn durch den öffentlichen Aufruf wird natürlich eine Gruppendynamik entfacht, der sich der einzelne Anhänger schwer entziehen kann.

Doch mit dieser Neuauflage von „Bluten für Union “, der 2004 ins Leben gerufenen Spendenkampagne um den damals drohenden finanziellen Exitus abzuwenden, ist es den Fans nicht genug.   Planspiele für virtuelle Geistertickets sind schon in der Mache. Es sollte bei den verrückten Fans keinen wundern, wenn Union bei den letzten fünf Heimspielen der Saison ein „Heimbereich ausverkauft“ melden könnte. Auch ohne einen einzigen Besucher im Stadion empfangen zu haben.