Kampfgeist in Köln: Linus Meyer von der VSG Altglienicke sieht sich dem Kölner Jorge Mere gegenüber.
Foto: Matthias Koch

BerlinManchmal täuscht ein Ergebnis im Sport. Im Fußball ist das nicht selten der Fall und im DFB-Pokal sowieso. Dort, wo David auf Goliath trifft, wo ein vermeintlich hoher Sieg des Favoriten ein Erfolg für den Außenseiter sein kann. Wie bei der VSG Altglienicke. Der Regionalligist trat beim Bundesligisten 1. FC Köln an – und unterlag 0:6 (0:3). War das eine einseitige Partie? Nicht immer.

Es wurde gekämpft – und zwar auf beiden Seiten. Markus Gisdol, der Cheftrainer des 1. FC Köln, hatte ja vor dem Pokal-Duell gegen den Viertligisten aus Altglienicke, den forschen Landespokalsieger Berlins, betont: „Wir nehmen den Gegner total ernst. Wir haben ihn intensiv beobachtet. Altglienicke ist schon gut im Wettkampfmodus.“

Eigentlich, so jedenfalls Kölns Sportchef Horst Heldt, hatte man vor dem Berliner Pokalfinale, das Altglienicke mit 6:0 gegen Viktoria 89 gewonnen hatte, mit der Viktoria als Gegner gerechnet. Nun also die bis dato in Köln unbekannte VSG, die das Heimrecht abgegeben hatte und im Müngersdorfer Stadion vor 300 zugelassenen Zuschauern spielte. „Das ist schon ziemlich aufregend für unsere Spieler“, hatte VSG-Trainer Karsten Heine gesagt, „für viele wird der Auftritt in dieser großen und modernen Arena vielleicht der Höhepunkt ihrer Karriere sein“.

Köln spielte ohne Mittelstürmer Jhon Cordoba, der den Verein wechseln will und ein Angebot von Hertha BSC besitzt. Auch ohne den Kolumbianer siegte der Bundesligist sicher 6:0 (3:0). Dabei hatten die Gäste gut angefangen, wie Heine der Berliner Zeitung sagte: „Wir sind die Kölner früh angelaufen und hatten durch Patrick Breitkreuz auch die erste Chance.“ Allerdings: „Dann gab es einen Elfmeter gegen uns, der sicherlich umstritten war.“ Tim Häusler hatte Kölns Benno Schmitz attackiert, der zu Fall kam. Jonas Hector verwandelte den Strafstoß, VSG-Keeper Leon Bätge war noch mit den Fingern dran (17.).

Auch nach dem unglücklichen Gegentreffer wich Altglienicke nicht von seinem Kurs ab, immer wieder fiel der Regionalligist auch durch robuste Zweikampfführung auf und versteckte sich nicht.

„Danach gab es aber das 0:2 nach einem kapitalen individuellen Fehler von uns und die Kölner bekamen Oberwasser“, so Heine. Wieder war es Häusler, der einst beim FC Bayern II spielte, der dieses Mal einen Ball falsch berechnete, und der starke Elvis Rexhbecaj traf zum zweiten Kölner Tor (36.). Der Bundesligist dominierte danach das Geschehen. Am Ende war Köln zwei Nummern zu groß für die Berliner, die den Aufstieg in die Dritte Liga anstreben. Regelmäßig trafen die Kölner. „Die meisten Tore sind zu naiv gefallen“, kritisierte Heine, fand aber auch lobende Worte: „0:6, das klingt brutal, aber wir haben uns dennoch gut verkauft.“

Altglienickes Linus Meyer und Tolcay Cigerci prüften Köln Keeper Timo Horn mit zwei gefährlichen Schüssen, Paul-Vincent Manske traf noch die Latte (80.). Mehr war nicht drin. Meyer haderte am Ende mit dem Ergebnis: „Dass wir sechs Dinger kriegen, damit hatten wir nicht gerechnet. Aber uns fehlte in vielen Situationen die Entschlossenheit.“

Altglienickes Mannschaft traf sich nach dem Spiel vor Ort noch mit den mitgereisten Sponsoren zu einem gemeinsamen Abendessen, ehe es am Sonntag mit dem ICE zurück nach Berlin ging. „Es war für alle von uns eine spannende Geschichte, ein Abenteuer“, fasste Trainer Heine den aufregenden Tag zusammen. Im Regionalliga-Alltag wartet am kommenden Sonnabend das Auswärtsspiel bei Germania Halberstadt. Dann ist die VSG wieder der Favorit.