BerlinZiemlich große Augen machten am 5. Juni 1986 einige Journalisten, die sich nach dem Weltmeisterschaftsspiel Argentinien - Italien im Olympiastadion von Mexiko-Stadt vor den Umkleidekabinen der Mannschaften versammelt hatten. Eigentlich waren sie da, um später ein paar Stimmen von den frisch geduschten  Spielern einzufangen, doch plötzlich schoss ein kleiner aufgeregter Mann aus dem Gebäude, der eine Sporthose und ein Trikot mit der Nummer 10 trug. Diego Maradona hatte bei der Partie auf dem ein paar Schritte entfernten Platz seinen Diamantohrring verloren. Unverzüglich begann die gesamte Schar, den Rasen abzusuchen, von dem der Argentinier während des Spiels so ziemlich jeden Quadratmeter betreten hatte. Ein  aussichtsloses Unterfangen, wie es schien, doch es dauerte nicht lange, da war das gute Stück gefunden – natürlich von Maradona selbst.

Wie hätte es anders sein können, schließlich war diese WM das Turnier, bei dem ihm einfach alles gelang. Das berühmte Handspieltor gegen die Engländer, das atemberaubende Solo zum zweiten Treffer kurz danach, Pässe, Dribblings, Tore, Siege, zuletzt, nach ein paar Schrecksunden, der Triumph im Finale gegen Deutschland. Nie zuvor oder danach hatte ein Spieler eine Fußball-WM derart dominiert und dann am Ende auch noch den Titel feiern dürfen. Einziger Ausrutscher war das 1:1 in diesem Gruppenspiel gegen Italien, aber da hatte er immerhin sein erstes Turniertor geschossen und eine erfolgreiche Diamantenexpedition absolviert.

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