Dienstältester Union-Berlin-Profi Michael Parensen: Der ewige Micha

Es gibt so Gesetzmäßigkeiten im Fußball, die auch in unserer schnelllebigen Zeit dauerhaft Anwendung finden. Sozusagen universelle Gültigkeit haben. Gültig in den millionenschweren Spielklassen von Europa bis hinab in die tiefsten Tiefen der untersten Ligen. Der Ball ist rund, und das Runde muss nun mal ins Eckige. Ein Spiel dauert immer 90 Minuten (es sei denn der FC Bayern braucht noch händeringend den Ausgleich bei Hertha BSC). Und wenn es Frühjahr wird bei den Eisernen und die ersten Sonnenstrahlen die Herzen wohlig erwärmen, spielt Michael Parensen, die defensive Allzweckwaffe der Köpenicker, beim 1. FC Union immer.

So wie heute, wenn er beim Spitzenspiel in Hannover (13 Uhr) seinen Platz als linker Verteidiger eigentlich an den wieder genesenen Kristian Pedersen abtreten müsste. Durch die Verletzung von Stephan Fürstner tut sich gegen 96 erneut im Team von Jens Keller eine Lücke auf, die für Unions Rekordzweitligaspieler (185 Partien) maßgeschneidert zu sein scheint.

Eine Partie, auf die er sich einfach nur freut. „Wir fahren da zwar als Herausforderer hin. Die müssen ja liefern. Aber wir haben uns das in der Saison erarbeitet, dass wir da jetzt als Spitzenreiter hinfahren. Das war nicht nur Glück oder ist uns in den Schoß gefallen, sondern das hat sich entwickelt so wie wir als Team“, sagt Parensen. Die Partie des Tabellenersten beim -vierten, das ist „ein bisschen auch der Lohn für das, was wir geleistet haben“, lautet sein selbstbewusstes Fazit. In Hannover soll sich der Lauf der Köpenicker nun möglichst fortsetzen. „Wir sind noch nicht am Ende, wir wollen da noch ein bisschen weitermachen“, sagt er.

Als Back-up für jeden Trainer unverzichtbar

Parensen, 30, ist der letzte verbliebene Aufstiegsheld von 2009, als Union unter Uwe Neuhaus nach fünfjähriger Zweitligaabstinenz die Rückkehr ins Fußballunterhaus bewerkstelligte. Viele sind seither gekommen. Und wieder gegangen. Auch beim „ewigen Micha“ standen die Zeichen nicht wirklich auf dauerhaften Verbleib an der Wuhle. Der gebürtige Bad Driburger, der eher durch die Sekundärtugenden des Fußballs wie Einsatzbereitschaft und Leidenschaft besticht und kaum in den Verdacht gerät, ein Zauberfüßchen zu besitzen, galt schon als Auslaufmodell bei den Köpenickern. 2015 bekam er unter Trainer Norbert Düwel nur einen stark leistungsbezogenen Einjahreskontrakt. Drei Übungsleiter später avancierte der ehemalige Dortmunder zum Dauerrenner, war als Back-up für jeden Trainer bei den Rot-Weißen mehr oder weniger unverzichtbar. Selbst wenn er zunächst nicht spielte und über einige Minuteneinsätze nicht hinauskam.

Eine Lückenbüßerrolle, die Parensen voll ausfüllte. Vorbildlich ausfüllte. Auch wenn er sich lachend gegen die Bezeichnung Stand-by-Profi wehrt. „So weit ist es ja noch nicht. Ich bin 30, nicht 38. Ich will schon noch spielen“, sagt er, auch wenn er zugibt, dass er diese etwas undankbare Rolle im Kader erst annehmen musste. „Ich hätte natürlich gerne mehr gespielt. Aber vom ganzen Teamgefüge hat es gut so gepasst. Meine Rolle war es, der Truppe zu helfen und knappe Spiele über die Zeit zu bringen“, sagt der Teamplayer mit Blick auf die Hinrunde, in der er ausgerechnet gegen 96 sein Startelfdebüt geben konnte. Und er verkündet das eiserne Glaubensbekenntnis: „Zu einer Mannschaft gehören mehr als nur elf Spieler. Wir predigen das immer. Also muss jeder seine Rolle auch so annehmen. Ich kann nicht von anderen was fordern, wenn ich das nicht selber vorlebe.“

Name fehlte auf „Aufwärtsaufsteiger“-T-Shirt

Vergangenheit. So wie immer. Denn wenn die Krokusse und Schneeglöckchen sich mühsam ihren Weg durch die Erdoberfläche bahnen, läuft der Mann mit der Nummer 29 auf dem Rücken auf dem immergrünen Rasen der Alten Försterei zur Freude der Fans auf. Und spielt, auch wenn er vorher gar nicht spielen sollte.

Es gibt nicht wenige, die davon überzeugt sind, dass Parensen nur deshalb zum dienstältesten Profi bei Union wurde, weil er etwas nachzuholen hat. Als 2009 die Drittligameisterschaft im ungeliebten Jahnsportpark unter Dach und Fach gebracht worden war, fehlte ausgerechnet sein Name auf der Rückseite des „Aufwärtsaufsteiger“-T-Shirts. Da sollte er wohl mal im eisernen Zeughaus vorstellig werden. So als Prophylaxe. „Wäre komisch, wenn das noch mal passieren sollte. Damals war ich ja noch nicht so lange hier. Aber inzwischen dürfte ich eingeplant sein, wenn es denn ein T-Shirt geben sollte“, sagt Parensen – mit einem Augenzwinkern.