Berlin/Hoppegarten - Für all diejenigen, denen dabei sogleich ein Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe in den Sinn kommen sollte: Torquator Tasso ist der korrekte Name des vier Jahre alten Rennpferdes, das am Sonntag auf der Galopprennbahn in Hoppegarten beim 131. Großen Preis von Berlin als Favorit an den Start gehen wird. Klingt für einen Hengst auch irgendwie besser und gefährlicher als Torquato Tasso, wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass sich vor drei Jahren im Zuge eines Besitzerwechsels bei der Umbenennung des Galoppers tatsächlich ein „r“ und damit ein Fehler eingeschlichen hatte.

Torquator Tasso (alias Tijuana Hilleshagen), Vorjahressieger beim Großen Preis von Berlin und Galopper des Jahres 2020, ist nach den schmerzlichen Absagen einiger Spitzenpferde (u. a. In Swoop) jedenfalls der Star des Renntags, der aus vielerlei Hinsicht ein ganz besonderer ist. Ja, in gewisser Weise ist dieser Sonntag so etwas wie der Tag X, der Tag also, an dem der Galoppsport in Hoppegarten nach einer von der Corona-Pandemie bestimmten Zeit der großen Sorgen ein Stück weit in die Normalität zurückkehrt.

Das wichtigste Rennen der Welt als Ziel

Mit einem Programm, das im diesjährigen Kalender zumindest in Deutschland seinesgleichen sucht. Mit einer Gesamtdotierung für die insgesamt zwölf Rennen, die nach einem mageren Jahr wieder an das Niveau des Jahres 2019 heranreicht. Und mit einem Publikum, das es in dieser Größenordnung auf einer deutschen Rennbahn seit eineinhalb Jahren nicht gegeben hat. 10.000 Zuschauer, geimpft, genesen oder eben getestet, sind erlaubt. Kein Wunder, dass Rennbahnbesitzer Gerhard Schöningh und Geschäftsführer Michael Wrulich voller Vorfreude sind. „Das Telefon steht bei uns nicht still. Es wird ein großes Galoppfest. Wir freuen uns auf ein volles Haus“, sagte Wrulich am Donnerstag und betonte noch einmal, dass am Sonntag auch die Tageskassen geöffnet sein werden.

Die schärfsten Konkurrenten von Torquator Tasso, der erst zum dritten Mal in diesem Jahr an den Start gehen wird, aber vor fünf Wochen bei seinem Sieg beim Hansa-Preis auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn eine sehr gute Form nachweisen konnte, kommen mit Walton Street und Alpinista übrigens aus England. Auch aus der Sicht seines Trainers, des in Hoppegarten groß gewordenen Marcel Weiß, der mit seinem Pferd in diesem Jahr noch ganz Großes vor hat, nämlich einen Start beim wichtigsten Galopprennen der Welt, dem Prix de l’Arc de Triomphe am ersten Sonntag im Oktober in Paris. „Da müssen wir dann sicherlich noch eine Schippe drauflegen“, sagt Weiß, der seit März vergangenen Jahres als Cheftrainer für das Gestüt Auenquelle arbeitet.