Berlin - Dass Alba Berlin unter Coach Aito Garcia Reneses nicht nur herzerfrischenden Basketball spielen, sondern auch Titel gewinnen kann, hatte die Mannschaft bereits in der vergangenen Saison bewiesen. Wie groß war die Erleichterung, als im vergangenen Jahr das Double aus Pokalsieg und Meisterschaft gefeiert werden konnte. Manch einer diskutierte die Begleitumstände vor dem Pokalfinale, andere sprachen dem Gewinn der Meisterschaft beim Bubble-Turnier in München den Wert ab. Darüber hinaus musste man bis zu diesem 13. Juni 2021 annehmen, dass diese Trophäen auch nur geholt wurden, weil in beiden Endspielen der Gegner nicht FC Bayern München hieß. Denn: Dieser Club mit seiner Mia-San-Mia-Mentalität ist seit seiner Zugehörigkeit zur Beletage des deutschen Basketballs so etwas wie das Kryptonit für Superman. Diese meist grünliche Substanz, die den Superhelden aus den Comics verwunden und schwächen kann.

Zuvor alle sechs Play-off-Runden verloren

Genau vier Wochen zuvor wurde die Theorie vom FC Bayern und seiner Kryptonit-Wirkung auf Alba Berlin wieder einmal bestätigt. Beim Pokalfinale in München zauberte Alba ein sensationelles erstes Viertel auf das Parkett, um dann völlig einzubrechen und wieder einmal ein wichtiges Duell mit dem Rivalen zu verlieren. Siege in der Hauptrunde der Bundesliga hatte es in den vergangenen Jahren für Alba Berlin immer mal wieder gegeben. Dann, wenn es darauf ankam, konnte frühere Serienmeister nur einmal triumphieren: beim Pokalsieg 2016. In den Play-offs um die deutsche Meisterschaft war Alba Berlin bis in diese Saison in sechs Anläufen jedes Mal als Verlierer aus einer Serie gegangen.

Dass die Berliner dieser Bilanz am Sonntag, mit diesem 86:79-Sieg in München, diesem 3:1 innerhalb von fünf Tagen endlich auch mal ein Pluszeichen verpassen konnten, ist unter den Voraussetzungen und den Begleitumständen dieser Saison nicht hoch genug zu bewerten. Mehrere Corona-Erkrankungen im Team, immer wieder Verletzte, die besonderen Umstände einer seit mehr als einem Jahr andauernden Pandemie und der Umgang mit einem Spielplan, der allen Beteiligten nahezu Unmenschliches abverlangte, nötigt höchsten Respekt ab.

Meistertitel im 83. Saisonspiel gewonnen

Im 83. Saisonspiel seit dem 1. Oktober des vergangenen Jahres noch einmal die Energie und die Konzentration zu finden, diesen scheinbar nicht schlagbaren FC Bayern in die Knie zu zwingen, hätte nach dem verlorenen Pokalfinale vor vier Wochen kaum jemand für möglich gehalten. Im Nachhinein aber haben alle Hindernisse dieser Saison den Weg zum Sieg in dieser Finalserie geebnet. Jeder personelle Engpass war die Chance für Spieler, die vorher wenig Aussicht auf Einsatzzeiten hatten. Spieler wie Malte Delow etwa, die vielleicht nicht Superman sind, aber ihren Teil dazu beigetragen haben, sich diesmal nicht vom Kryptonit FC Bayern München schwächen zu lassen.