Die NBA spricht Deutsch. In diesem Moment jedenfalls, weil Dirk Nowitzki es so will. Der Power Forward der Dallas Mavericks setzt sich hinweg über die Regie der nordamerikanischen Basketball-Liga, die für ihr hauseigenes Fernsehen um Englisch in der Pressekonferenz bittet. Daher bekommt die Dolmetscherin in der Arena am Berliner Ostbahnhof mehr zu tun als vermutlich gedacht. Sie sagt zum Beispiel, Nowitzki habe gesagt, er müsse noch viel arbeiten. Seine Beine seien schwer gewesen, was normal sei nach einer Woche Trainingscamp. Die Dolmetscherin übersetzt, Nowitzki habe sein letztes Spiel Ende April bestritten, das war das verlorene Erstrundenduell in den Playoffs gegen Oklahoma. Die Dolmetscherin dolmetscht: Alba, also der Gegner vorhin im Testspiel, habe den Rhythmus der Mavericks gestört, habe sich – mit anderen Worten – gut verkauft im Kampf Favorit gegen Außenseiter. Dirk Nowitzki dankt: „Ich hätte es selbst nicht besser sagen können.“

Vor allem ging es um Spaß

Gut gelaunt hat sich der 34 Jahre alte Würzburger in der Nacht zu gestern nach dem 89:84 (45:39) seiner Mannschaft im ersten Duell eines NBA-Teams mit einer deutschen Mannschaft präsentiert. Und wenn etwas schon perfekt funktionierte an diesem Abend, dann die Komplimente. Nach der Dolmetscherin nahm sich Nowitzki den Gegner vor. Deon Thompson zunächst, der mit 20 Punkten Albas bester Werfer war: „Sehr aktiv, spielt mit sehr viel Energie.“ Dann fand Nowitzki „den Fünfer gut“, den Berliner Spielmacher Vule Avdalovic. „Der Vierzehner ist ganz gut“, Nihat Djedovic. „Und der mit der Glatze.“ Zack Morley. „Die haben ein paar ganz gute Leute. Die werden in der Bundesliga schon vorn mitspielen.“

Ordentlich mitgespielt haben die Berliner auch gegen die Dallas Mavericks. Durch eine Pressverteidigung erschwerten sie die ohnehin noch holprige Abstimmung der Texaner und provozierten 26 Ballverluste. Nowitzki hatte drei Fehlpässe zu verantworten. Bescheidene acht Punkte und fünf Rebounds kamen hinzu. „Ich glaube, das war heute unsere Schwäche, dass wir nicht gut gereboundet haben.“

Sie haben ja noch Zeit. Erst am 30. Oktober starten die Mavericks bei den Lakers in die Saison. „Ich werde mich von Spiel zu Spiel verbessern und in L.A. hoffentlich eine Topleistung bringen“, sagte Nowitzki, der für sich reklamierte, „schon ein paar ganz gute Würfe“ gehabt zu haben, „aus der Halbdistanz, aus der Ecke“. Andererseits passierte so etwas wie im zweiten Viertel, als er nach einem Schnellangriff den Ball auf den Ring des Korbs drückte.

Nowitzki lächelte danach. Bei aller Ernsthaftigkeit in der Vorbereitung auf die Saison ging es ja vor allem darum: Spaß. Den hatten die 14.500 in der Berliner Mehrzweckhalle allemal. Ein schlichtes Hallo, von Nowitzki vor der Partie ins Hallenmikro gesprochen, löste bereits einen Sturm der Begeisterung aus. „Die letzten drei Tage“, sagte der Power Forward bei der Gelegenheit, „waren unvergesslich für mich.“ Der rote Teppich bei der Ankunft vor dem Hotel, Fans auf Schritt und Tritt: „Der Hype. Es war schön zu sehen: dass sich die Leute gefreut haben, dass die Mavericks hergekommen sind.“ Leider sei das Programm stressig gewesen. Bereits gestern ging es weiter nach Spanien zu einem Freundschaftsspiel beim FC Barcelona.

Cuban verfolgt andere Pläne

Eine ganze Woche Berlin hätte Nowitzki gut gefunden. Doch Klubeigner Mark Cuban verfolgte andere Pläne. Lange hat sich der Milliardär überhaupt gegen einen Besuch seiner Mavericks in Deutschland gesträubt. „Aber ich bin froh, dass es in meinem 15. NBA-Jahr mal geklappt hat“, sagte Nowitzki, der seit 1998 auf Cubans Gehaltsliste steht.

Die Freigabe fürs Nationalteam und die EM 2013 wird er aber eher nicht erhalten. Geschäft ist Geschäft, findet Cuban. Den Wunsch, 2008 an Olympia teilzunehmen, hat er Nowitzki erfüllt, zuletzt gab er ihn für die EM 2011 frei. Zu mehr ist er nicht bereit. Nowitzki möglicherweise schon, aber erstmal steht die Saison an mit dem Ziel, Dallas in die NBA-Playoffs zu führen. Dann: „Mal sehen.“

Für die Berliner hat die Saison in der Bundesliga bereits vorige Woche mit dem 94:62 gegen Quakenbrück angefangen. Am Freitag starten sie bei Montepaschi Siena in die Europaliga. Die Vorbereitung darauf begann noch in der Nacht zu gestern, wie Coach Sasa Obradovic sagte, schelmisch lächelnd auf der Pressekonferenz. Dort hatte sich Spielmacher Schaffartzik danach erkundigt. Auf Englisch.