Und plötzlich war er da. Unbemerkt schlich sich Dirk Nowitzki zunächst durch einen Hinterausgang in die große Industriehalle am Ostbahnhof. Dann schleppte sich der 2,13 Meter große Superstar die Treppe hinauf zu den Medienvertretern und zu den anderen beiden Basketballern: Dennis Schröder und Moritz Wagner. Etwas später dann lief Nowitzki in die Halle ein, wo 100 der größten Talente aus Berlin und ganz Deutschland auf ihn warteten. Nowitzki lächelte freundlich, die linke Hand in der Hosentasche in der rechten das Mikrofon. Der ganze Trubel um seine Person war ihm (mal wieder) zu viel. Dann forderte ihn Moderatorin Hadnet Tesfai auf, sich doch hinzusetzen. Auf den harten Hallenboden. „Machen wir", sagte Nowitzki schmunzelnd, „dauert nur etwas länger.“

Die 21 Jahre Leistungssport auf allerhöchstem Niveau sind dann doch nicht ganz so spurlos am 41-Jährigen vorbeigegangen. Drei Monate nach seinem Rücktritt aus der nordamerikanischen Profiliga NBA schaute Nowitzki beim einem Basketball-Event seines Sponsors Nike in der Hauptstadt vorbei.

Unter dem Veranstaltungsmotto „Alle Träume sind verrückt, bis du sie wahr machst“ blickte der dreifache Familienvater im Wriezener Karree 15, einem zu DDR-Zeiten einstigen Papierlager, auf seine große Karriere zurück - und sprach auch über Selbstzweifel: „Ich wollte mir diesen Traum damals unbedingt erfüllen", sagte er. „Ich habe davor aber oft gedacht, ich bin nicht gut genug. Es gab zudem viele Leute, darunter auch Trainer aus der Bundesliga, deren Namen ich jetzt nicht nennen will, die gesagt haben: das ist verrückt, das ist lachhaft, das schafft der nie! Das war Motivation für mich und hat mich immer dazu getrieben, hart zu arbeiten.“

Die Frage eines elfjährigen Basketball-Talents brachte den ehemaligen Nationalspieler dann so richtig zum Lachen. Wieso er immer bei den Dallas Mavericks gespielt hat, wo die doch so schlecht sind, wollte der kleine, aufgeweckte Junge wissen. Nowitzki grinste und sagte: „Zurzeit macht das vielleicht so den Anschein, aber wir waren auch mal richtig gut. Das war allerdings noch vor deiner Zeit als Basketball-Fan. Da war es richtig cool.“

1999 machte „Dirkules“ sein erstes NBA-Spiel für die Dallas Mavericks, Der Rest ist Geschichte. 2011 holte er mit den Mavs den Titel, wurde im gleichen Jahr zum MVP gewählt.  

Zurzeit genießt Nowitzki noch die basketballfreie Zeit, ganz ohne Trainings- und Spieltermine. „Ich genieße die Zeit mit der Familie, wir reisen viel. Es macht Spaß, disziplinlos zu sein, das ist auch mal schön.“ Er ahnt aber auch: „Richtig heftig wird es, wenn in ein paar Monaten die Saison losgeht und dann kommt nix.“

Auch Moritz Wagner und Dennis Schröder waren dabei

„Dirk ist ein Vorbild, er hat den Weg für viele deutsche Spieler in die NBA geebnet“, sagte Moritz Wagner. Der 22-Jährige, der im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg aufwuchs und kürzlich erst nach einem schwierigen ersten NBA-Jahr bei den Los Angeles Lakers zu den Washington Wizards transferiert wurde, erzählte: „Vor acht, neun Jahren hatte ich ein großes Poster von Dirk in meinem Zimmer. Er ist eine Inspiration für uns alle.“

Wagner sprach zu den Kids im Alter von 10 bis 18, gab ihnen ebenfalls wertvolle Tipps. „Egal, ob beim Basketball oder bei sonst irgendetwas im Leben, du musst das, was du macht, mit Liebe tun“, sagte der einstige Spieler von Alba Berlin, der von Vater Axel begleitet wurde.

Wagner blickt auf ein „ziemlich turbulentes Jahr“, dass aber trotzdem Spaß gemacht habe. Jetzt wolle er sich bei seinem neuen Klub „neu beweisen“ und wünscht sich „mehr Spielzeit“. Auch hofft der talentierte Power Forward auf eine Nominierung durch Bundestrainer Henrik Rödl für die WM in China (31. August bis 15. September), die er als nicht selbstverständlich empfindet. „Für mich ist noch nicht klar, dass es mit der Nationalmannschaft klappt, denn es ist eine sehr hohe Konkurrenz im Kader. Ich freue mich aber, wenn es klappt.“

Eine tragende Rolle in China soll Dennis Schröder ausüben. Der 25-jährige Profi von den Oklahoma City Thunder soll im Team der deutschen Nationalmannschaft nach sechs Jahren in der NBA eine Führungsrolle einnehmen. Er heiratete kürzlich seine langjährige Freundin Ellen, die in Berlin mit Söhnchen Dennis Malick dabei war. In jeder freien Minute knuddelte Papa Schröder seinen Kleinen. 

Schröder gab den Nachwuchstalenten abschließend mit auf den Weg, hart zu arbeiten und „jeden Tag zu ackern. Ich war in der gleichen Situation wie ihr. Glaubt an euch. Eure Träume sind nicht unmöglich.“