Dirk Zingler in der Eisern Lounge im Stadion An der Alten Försterei.
Foto: Matthias Koch

BerlinErleichterung? Auf jeden Fall! Dankbarkeit? Auch das! Vorfreude? Klares Jein! Unions Präsident Dirk Zingler war anzumerken, dass die letzten Wochen und Tage nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind. Erstmals stellte sich der Präsident des Bundesligisten in den Corona-Tagen der Öffentlichkeit, nachdem er sich zuvor immer über die vereinseigenen Medien vor allem an die Mitglieder gewandt hatte.

Auf Geisterspiele ohne Zuschauer an sich hätte Zingler nur zu gerne verzichtet. Es geht aber kaum anders, wenn der Profifußball nicht von einer Pleitewelle erfasst werden soll. "Spiele ohne Menschen werden uns nicht so viel Spaß machen", sagt Zingler und kennt sowohl  die Befindlichkeiten der Fans wie die wirtschaftlichen Notwendigkeiten.

Die Entscheidung, dass die Liga wieder den Spielbetrieb aufnehmen wird, wurde vom Klub-Boss daher begrüßt. Die Köpenicker hatten  finanziellen Engpässe wegen der Pandemie zwar schultern können, wären sogar bis zum Sommer - darauf legte der 55-Jährige wert - irgendwie klargekommen. Aber danach hätte die Problematik, respektive der Umgang, damit neu angedacht werden müssen.

Union bereitet sich in Barsinghausen vor

Muss man jetzt aber nicht. Nun geht es darum, wie die Restsaison angegangen wird, die für Union am 17. Mai mit dem Spiel gegen die Bayern (18 Uhr) wieder ihre Pforten öffnet. Die Eisernen werden sich dafür in ein Trainingslager ins niedersächsische Barsinghausen begeben. In der Klausur der Sportschule, die 1988 der Sowjet-Auswahl als EM-Quartier diente, will Trainer Urs Fischer sein Team auf die verbleibenden neun Spiele einschwören und dort dann auch endlich ins komplette Mannschaftstraining einsteigen.

Das Team übte gestern nach einem Besuch des Ordnungsamtes am Vormittag weiterhin in Kleingruppen zu acht oder neunt, wenn auch zeitgleich auf den beiden Hälften des Rasens im Stadion An der Alten Försterei, während Zingler oben in den VIP-Räumen der Eisernen Lounge den mit deutlichem Abstand voneinander platzierten Medienvertretern Rede und Antwort stand.

Dirk Zingler ließ sich auf Corona testen

Noch am Morgen hatte er sich erstmals in dieser Krisenzeit direkt an die Mannschaft gewandt, sich dafür eigens in den letzten Tagen auf Corona testen lassen „Ich wollte ja keinen unserer Spieler gefährden“, so Zingler, der der Mannschaft eine spürbare Erleichterung anmerkte, dass endlich eine Entscheidung gefallen ist. Er schwor sie auf den Schlussspurt im Abstiegskampf ein und verwies noch einmal auf ihre generelle Eigenverantwortung.

„Die kommenden Wochen werden neben den wirtschaftlichen, rechtlichen und organisatorischen Themen auch eine mentale Herausforderung beinhalten. Der Fußball ist über die Menschen in der Gesellschaft tief verankert, deshalb ist es für uns auch wichtig, die Zeit ohne Zuschauer im Stadion so klein wie möglich zu halten“, so Zingler.

Was die Restsaison nun bringt? Vor allem erst einmal eine gewisse Verunsicherung. „Es ist eine Wunderkiste, eine Wundertüte. Niemand weiß, wie einzelne Spieler und Mannschaften mit der veränderten Atmosphäre umgehen. Für uns haben Heimspiele einen herausragenden Wert“, sagte der 55-Jährige. „Vielleicht werden wir das eine oder andere kuriose Ergebnis sehen.“

Grundsätzlich fand er auch ein paar klare Worte zu den Bemühungen der DFL, den Spielbetrieb mit ihrem Konzept ermöglicht zu haben. „Die Entscheidung der Regierung ist mit Spannung erwartet worden, alle in der DFL haben in den letzten Wochen hart daran gearbeitet, einen Weg zu finden, den Spielbetrieb wiederaufzunehmen. Die 36 Vereine der DFL hatten die Möglichkeit, ein Konzept zu entwickeln, um den Spielbetrieb weiterzuführen. Jetzt ist es die große Herausforderung für jeden Einzelnen, dieses Konzept vorbildlich umzusetzen. Wir haben einen großen Vertrauensvorschuss erhalten, diesen müssen wir jetzt rechtfertigen“, so Zinglers mahnender Appell.

Eine klare Absagte erteilte er der auch in Fankreisen erörterten Idee, virtuelle Geistertickets für die letzten Heimspiele der Saison anzubieten. Zwar herrsche Dankbarkeit über die gezeigte Solidarität, dass bislang keiner seine Dauerkarten oder im Vorfeld erstandene Eintrittskarten zurückerstattet haben wollte. Aber Zingler will den Bogen nicht überspannen. „Das sollte man nur in einer wirklichen Notlage machen und nicht aus irgendwelchen PR-Gründen heraus. Man kann den Leute nicht einfach immer nur in die Tasche fassen“, so seine klare Haltung.