Berlin - Am Ende sah Jon Gruden selbst ein, dass er nicht mehr tragbar war. Über Jahre hinweg hatte der populäre Headcoach der Las Vegas Raiders aus der Football-Profiliga NFL rassistische, frauen- sowie schwulenfeindliche E-Mails verschickt, am Montagabend kam der 58-Jährige dann mit seinem Rücktritt nur noch seinem unvermeidbaren Rauswurf zuvor.

„Ich liebe die Raiders und möchte keine Ablenkung sein“, erklärte Gruden in einer jener Stellungnahmen, die schon Standard geworden sind für Skandale wie diesen. Zudem behauptete er: „Es tut mir leid, ich wollte nie jemanden verletzen.“ Letzteres dürfte dem wortgewaltigen Gruden, der in Anlehnung an die gleichnamige Film-Mörderpuppe den Spitznamen „Chucky“ trägt, kaum jemand glauben.

Grudens diskriminierende Mails 

Die diskriminierenden Mails stammen aus der Zeit, als Gruden für den TV-Sender ESPN unter anderem das „Monday Night Football“-Spiel kommentierte (2009 bis 2018). Zuvor war er Headcoach der damals noch in Oakland beheimateten Raiders (1998 bis 2001) sowie der Tampa Bay Buccaneers (2002 bis 2008) gewesen. Letztere führte er 2003 zum Sieg im Super Bowl - gegen die Raiders.

Am Freitag hatte das Wall Street Journal enthüllt, dass Gruden den Chef der Spielergewerkschaft NFLPA rassistisch beleidigt hatte. In einer der Mails schrieb er 2011 über DeMaurice Smith, einen Schwarzen, dieser habe „Lippen von der Größe von Michelin-Reifen“. Die NFL verurteilte diese und andere Äußerungen als „entsetzlich, abscheulich und komplett im Widerspruch zu den eigenen Werten“.

New York Times legt nach

Gruden redete sich zunächst noch raus, betonte, dass er sich schäme und selbstverständlich keinerlei „Züge von Rassismus“ in sich trage. Am Montag aber legte die New York Times nach: Sie veröffentliche Mails aus den Jahren von 2011 bis 2018, in denen der ESPN-Experte Gruden unter anderem den mächtigen NFL-Commissioner Roger Goodell als „Schwuchtel“ und „Pussy“ bezeichnete.

In seinen Mails, die im Zuge der Untersuchungen der Missstände beim Football-Team aus Washington von der NFL entdeckt wurden, beleidigte Gruden auch Klub-Besitzer, Coaches und Journalisten.