Bremen - Was macht Marco Bode? Während ganz Bremen noch immer den Schock des zweiten Werder-Abstiegs nach 1980 verdaut und den Niedergang nicht wahrhaben will, richten sich die Blicke immer stärker auf den Aufsichtsratsboss. Bode muss unter Zeitdruck entscheiden, wer künftig die Weichen Richtung Wiederaufstieg stellt. Ob der vielkritisierte Sportchef Frank Baumann weitermachen darf.

Die Opposition der Klub-Führung keilt schon jetzt mit beißenden Worten gegen eine Politik des „Weiter so“. „Das war kein Betriebsunfall, sondern ein Abstieg mit fünf Jahren Anlauf“, sagte Moderator Jörg Wontorra der Bild: „Darum bin ich über die Pattex-Politik der Verantwortlichen doch sehr erstaunt.“

Baumann zieht den Zorn einiger Anhänger auf sich

Für den prominenten Kritiker des familiären Werder-Kurses, der künftig gern ein zweites Mal im Aufsichtsrat mitsprechen möchte, kleben die Verantwortlichen viel zu sehr an ihren Posten. Auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende Jürgen Born forderte einen Wandel. „Es muss mehr Neutralität in den Verein gebracht werden, um das Schiff wieder ins Fahrwasser zu bringen“, sagte der 80-Jährige bei Spox und Goal.

Baumann, gegen den sich auch der Zorn einiger Hundert Fans vor dem Weserstadion nach der entscheidenden 2:4-Niederlage am Sonnabend gegen Borussia Mönchengladbach richtete, will weitermachen und gab bereits das Ziel direkter Wiederaufstieg aus. „Ich weiß, dass es nun schwierig wird und die Kritik sehr groß ist“, sagte der 45-Jährige im Sport1-Doppelpass: „Aber ich bin davon überzeugt, dass wir diese Situation meistern können. Ich glaube weiterhin, dass ich der Richtige für Werder Bremen bin.“

Fast zeitgleich zeigte sich Bode im Sky-Gespräch weiter von Baumann überzeugt, legte sich aber auch noch nicht deutlich auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit fest. Er halte es für nötig, „mit der nötigen Besonnenheit und nicht aus der Emotion heraus eine Entscheidung zu treffen“, sagte der Europameister von 1996: „Wir im Aufsichtsrat werden das aber schnellstmöglich tun.“

Bremen und HSV konkurrieren womöglich bei der Trainersuche

Die Tendenz scheint trotz der unzureichenden Kaderplanung und eines umstrittenen Kurses in der Trainerfrage pro Baumann zu sein, dies belegen auch Aussagen seines Geschäftsführer-Kollegen Klaus Filbry. Es sei „der klare Wunsch des Aufsichtsrats, dass wir die Themen jetzt in der Konstellation angehen, in der wir aktuell sind“, sagte Filbry im NDR-Sportclub: „Bei uns klebt keiner an seinem Stuhl.“

So oder so – eine Entscheidung über die sportliche Führung muss rasch her, denn künftige Kontrahenten um die Rückkehr in die Bundesliga wie Schalke 04 und der Hamburger SV haben schon länger Planungssicherheit und verkünden bereits erste Transfers. Der HSV konkurriert mit Werder womöglich auch noch bei der Trainersuche.

Nach der Trennung von Florian Kohfeldt und dem gescheiterten Rettungsversuch der schwer deprimierten Werder-Ikone Thomas Schaaf fahnden die Bremer nach einem Coach, der aus überschaubaren Möglichkeiten das Maximum machen kann. Der vermeidbare Aufstieg hat das ohnehin schon klaffende Loch in der Werder-Kasse noch einmal deutlich vergrößert.

Der direkte Wiederaufstieg wird für den einst so ruhmreichen Klub zu einer enorm schwierigen Herausforderung.