Berlin - Jan-Lennard Struff hat sich bei den French Open auch vom spanischen Top-Talent Carlos Alcaraz nicht stoppen lassen, Dominik Koepfer eine Riesenüberraschung in Paris dagegen knapp verpasst. Auch Routinier Philipp Kohlschreiber scheiterte in der dritten Runde. Während Alexander Zverev im Achtelfinale am späten Sonntagabend gegen den Japaner Kei Nishikori klar mit 6:4, 6:1, 6:1 siegte, bekommt es Struff am Montag mit Kohlschreiber-Bezwinger Diego Schwartzman aus Argentinien zu tun.

Koepfer hatte Rekord-Grand-Slam-Turniersieger Roger Federer beim 6:7 (5:7), 7:6 (7:3), 6:7 (4:7), 5:7 lange Zeit am Rande einer Niederlage. Der Schwarzwälder spielte gegen sein Idol unbekümmert und lange Zeit hoch konzentriert auf und verlangte der langjährigen Nummer eins alles ab. In den entscheidenden Momenten konnte Koepfer, dessen Spitzname „Pitbull“ lautet, seine Chancen aber nicht nutzen. Nachdem er den dritten Satz trotz langer Führung doch noch abgegeben hatte und zu Beginn des vierten Satzes ein frühes Break kassierte, verlor er kurz die Nerven und kassierte nach einer Verwarnung sogar einen Punktabzug.

Federer überlegt, ob er in Paris weiterspielt

Zwar fing sich Koepfer danach wieder und brachte Federer noch einmal in Gefahr, nach 3:35 Stunden nutzte der Schweizer aber seinen zweiten Matchball. Wegen der in Paris ab 21 Uhr geltenden Ausgangssperre bejubelte Federer sein Weiterkommen vor leeren Rängen. Zuschauer sind aktuell bei den Abendspielen noch nicht zugelassen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das Spiel noch drehe. Ich bin absolut zufrieden“, sagte Federer bei Eurosport. „In den entscheidenden Momenten gewinnt er das Match wahrscheinlich einfach, weil er Roger Federer ist“, sagte Koepfer nach der für ihn bitteren Niederlage.

Seine weitere Teilnahme an den French Open ließ Federer nach der überaus anstrengenden Nachtschicht erst mal offen. Die Partie war erst gegen 0.45 Uhr zu Ende. „Ich muss entscheiden, ob ich weiterspiele oder nicht oder ob es nicht ein zu großes Risiko in diesem Moment ist.“

Für Federer ist es das erste Grand-Slam-Turnier seit den Australian Open 2020. Danach hatte er wegen zweier Knie-Operationen eine lange Pause einlegen müssen und vor den French Open in diesem Jahr erst drei Matches bestritten. Am Sonntag entschied Federer sich dann zum Rückzug. Dadurch steht der an Position neun gesetzte Italiener Matteo Berrettini kampflos im Viertelfinale. 

Anders als der unermüdlich kämpfende Koepfer kam Struff beim Sandplatz-Klassiker weiter und steht zum zweiten Mal nach 2019 in Paris im Achtelfinale. Der 31 Jahre alte Warsteiner gewann am Sonnabend gegen den 18 Jahre alten Alcaraz mit 6:4, 7:6 (7:3), 6:2. 

Struff zeigt erneut eine starke Leistung in Paris

Struff trifft jetzt auf den an Nummer zehn gesetzten Schwartzman, der gegen Kohlschreiber klar mit 6:4, 6:2, 6:1 gewann. „Schade, dass Kohli heute verloren hat. Ich hätte sehr gerne ein deutsches Duell im Achtelfinale gehabt“, sagte Struff nach der Partie. „Man hat heute die Qualität von Diego Schwartzman gesehen, das wird eine schwere Aufgabe.“

Struff knüpfte gegen Alcaraz, in dem viele Experten bereits den neuen Rafael Nadal sehen, nahtlos an seine bislang starken Leistungen in Paris an. Die deutsche Nummer zwei bestimmte das Geschehen lange Zeit nach Belieben und holte sich den ersten Satz mit 6:4. Auch im zweiten Satz lag Struff schnell ein Break vorne. Danach steigerte sich Alcaraz aber, während Struff ein bisschen den Rhythmus verlor. Beim Stand von 5:6 musste er sogar einen Satzball des Spaniers abwehren, holte sich den zweiten Durchgang dann aber im Tiebreak. Damit war der Widerstand von Alcaraz gebrochen.

Kohlschreiber nach Adduktorenproblemen ohne Energie

Kohlschreiber verpasste das Achtelfinale dagegen klar. Der 37 Jahre alte Augsburger konnte zu keiner Zeit an seine bislang so guten Leistungen im Stade Roland Garros anknüpfen. „Es war eigentlich ein guter erster Satz. Aber dann habe ich beidseitig Probleme mit den Adduktoren bekommen und konnte nicht mehr mit der nötigen Energie und Power spielen“, sagte Kohlschreiber enttäuscht. Dennoch konnte er die Heimreise zufrieden antreten, hatte er nach langer Zeit doch endlich einmal wieder zwei Spiele in Serie gewonnen.