Berlin - Ab Montag sitzt Donata Hopfen im Büro im vierten Stock. Doch wenn die neue Chefin der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Bundesliga-Machtzentrale in Frankfurt/Main bezieht, kommt sie als große Unbekannte. Mehr als die fünf Sätze bei ihrer schriftlichen Präsentation Mitte August ließ die Nachfolgerin von Christian Seifert noch nicht verlauten. Vielleicht sah sich der frühere Liga-Boss auch deshalb dazu genötigt, als letzte Amtshandlung eine Lanze für seine Erbin zu brechen.

„Skepsis ist völlig unangebracht. Gebt der Frau eine Chance – so wie mir auch. Sie ist eine sehr gute Wahl“, sagte Seifert kurz vor Weihnachten bei seinem Abschied nach knapp 17 Jahren über die frühere Medien-Chefin: „Sie ist sehr gut vernetzt, in digitalen und strategischen Fragen total versiert und eine erfahrene Managerin.“

Hopfen war 2014 Medienfrau des Jahres

Von den fast komplett männlich dominierten Chefetagen der Profivereine forderte Seifert Vertrauen in seine Nachfolgerin. „Ich wünsche mir, dass die Klubs den Weg mit Donata Hopfen mitgehen. Auch wenn es sich am Anfang holprig anfühlen sollte – es war auch in der Vergangenheit nicht alles golden“, sagte der 52-Jährige: „Ich habe eine Genese hingelegt – das wird bei Donata Hopfen auch so sein.“

Seifert sollte es wissen. Schließlich hat er die Neue monatelang eingearbeitet. Die knapp 400 DFL-Mitarbeiter kennen Hopfen, deren Vertrag bis Ende 2024 läuft, also schon besser als die Öffentlichkeit. Die weiß im Grunde nur, dass die 44-Jährige als Unternehmensberaterin begann, danach 14 Jahre beim Axel-Springer-Verlag gearbeitet hat, dort unter anderem Chefin der Bild-Gruppe war und 2014 zur „Medienfrau des Jahres“ gekürt wurde.

Watzke hatte sehr positives Gespräch mit Hopfen

Nur Interviews, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, gewähren tiefere Einblicke. Sie habe ein unterschätztes Talent als Sängerin, ihr Schwäche sei „laute und kitschige Musik“, und sie wollte eigentlich Sportjournalistin oder Sportmedizinerin werden, gab Hopfen 2011 zu Protokoll. Damals nannte sie den umstrittenen Medienmogul Rupert Murdoch als Vorbild. 2017 lag die gebürtige Hamburgerin mit der Einschätzung falsch, wonach aus Bild kein Fernsehsender werde.

Dass der Springer-Verlag in weiten Teilen der Gesellschaft nicht eben unkritisch gesehen wird, hat vor allem zu der von Seifert beschriebenen Skepsis geführt. Da hilft es auch nicht, dass die DFL im Gegensatz zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) der Diskussion über fehlende weibliche Führungskräfte aus dem Weg gegangen ist.

Um sich selbst ein Bild von der neuen Chefin zu machen, hat sich der künftige DFL-Aufsichtsratsboss Hans-Joachim Watzke mit Hopfen getroffen. „Es war ein sehr positives Gespräch“, sagte Watzke, der im DFL-Präsidium als erster Stellvertreter der Sprecherin Hopfen fungieren wird: „Ich werde ihr den Rücken stärken und mich nicht ins operative Geschäft einmischen, sondern die Strategie der Liga mitbestimmen.“

Viele Baustellen, bei denen es ums Geld geht

Strategisches Denken wird nötig sein bei all den Problemfeldern, die auf Hopfen warten. Die Folgen der Corona-Pandemie, der Streit um die 50+1-Regel, die Neuverhandlung des Grundlagenvertrags mit dem DFB, der Kampf um den Stellenwert der Bundesliga, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Eliteklasse und der Konflikt mit den Fans sind nur einige der Baustellen – bei denen es am Ende fast immer nur ums Geld geht.

Alleine wird Hopfen die Schwierigkeiten eher nicht bewältigen, denn im Gegensatz zu den vergangenen Jahren unter Seifert wird die DFL wohl einen Geschäftsführer unter ihr installieren. Der kann sich dann davon überzeugen, ob die Selbsteinschätzung seiner neuen Chefin tatsächlich zutrifft: „Es wird niemals langweilig.“