Im Doping-Skandal um den Erfurter Mediziner Andreas Franke hat das Bundesministerium des Innern eingeräumt, dass die Blutmanipulationen bei rund 30 Top-Athleten aus Steuermitteln finanziert worden sind. BMI-Sprecher Hendrik Lörges sagte dieser Zeitung: „Der Arzt arbeitete auf Honorarbasis für den Olympiastützpunkt Thüringen. Nach Auskunft des OSP wurden die Behandlungen im Rahmen des bestehenden Honorarvertrages über den OSP abgerechnet.“

Die Olympiastützpunkte werden vom Bund finanziert. In diesem Jahr erhält der in Thüringen beispielsweise 2,1 Millionen Euro. Fördergelder können allerdings zurückgefordert werden, wenn gegen Antidoping-Regeln verstoßen wird. Aufgrund der brisanten neuen Erkenntnisse hat das Ministerium nun doch eine Untersuchung eingeleitet. Lörges: „Wir lassen die in Rede stehenden Vorgänge bereits durch das Bundesverwaltungsamt Köln als zuständiger Bewilligungsbehörde zuwendungsrechtlich prüfen.“

Noch vor wenigen Tagen nannte das BMI entsprechende Fragen von Mitgliedern des Sportausschusses „definitiv unzulässig, ja ungehörig“. Beispielsweise die Grüne Abgeordnete Viola von Cramon hatte wissen wollen, ob der Bund Steuermittel für Doping einsetze.

Auch Ringer und Handballer unter den Kunden

Das BMI als Hauptsponsor des Spitzensports wird nun auch dem Sportausschuss weitere Fragen beantworten müssen. Aufschlussreiches dürfte aus der Rechnungslegung des OSP hervorgehen: Wie viele Athleten präzise haben ihr Blut seit wann von dem Arzt mit UV-Licht bestrahlen lassen? Wie oft sind sie dieser Prozedur unterzogen worden?

Gegen Frankes Behauptung, er habe mit einmaligem Blutservice seit 20 Jahren Infekte behandelt, spricht viel. Nicht allein der Umstand, dass selbst Alternativmediziner die UV-Bestrahlung in Kuren anwenden und das im DDR-Sport nicht anders war − der sich von der Prozedur allerdings mehr Sauerstoff im Athletenblut, mehr Leistung versprach.

Dagegen stehen neue Fakten: Radprofi Patrick Gretsch (Team 1t4j) etwa ist auf der Kundenliste zwischen 2007 und 2010 mit 27 „UVB“ aufgeführt. Anders als bisher bekannt, waren nicht nur Eisschnellläufer wie Claudia Pechstein, Leichtathleten wie Nils Schumann oder Radsportler Kunden für die Blutmanipulation. Auch Ringer und Handballer nahmen sie in Anspruch.

Die beiden Athleten, gegen die Verfahren laufen, die Eisschnellläuferin Judith Hesse und der Radler Johannes Steigmiller, verbindet etwas: Sie ließen ihr Blut erst 2011 bestrahlen, als das klar untersagt war. Sind das die von der Nada angekündigten „Präzedenzfälle“? Immerhin in diesem Punkt ist die Agentur klar: „Wir sind der Überzeugung“, sagt Sprecher Berthold Mertes, „dass diese Methode auch vor dem Jahr 2011 Doping war.“