Es war ein heißer Herbst 2011 für Deutschlands Sportärzte. Seit September traf man sich in kleinen Gruppen, stritt und feilte an Formulierungen, fast 400 Mails gingen hin und her – bis im Dezember ein Editorial in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin erscheinen konnte. Die Erklärung trug den Titel „Doping im Leistungssport in Westdeutschland“, aber sie beinhaltete eine Sensation: 42 Professoren formulierten ethische Grundsätze für ihre Branche, vor allem jedoch gingen sie auf Abstand zu den Gurus ihrer Bruderschaft. Dass Sportmediziner auch über Verbote hinaus am Einsatz anaboler Steroide festgehalten hätten, das sei „nicht zu rechtfertigen“. Gleiches gelte für Studien mit Anabolika an Kaderathleten. „Es gab eine Unfähigkeit, darüber zu diskutieren“, beschrieb einer der Unterzeichner den bis dahin herrschenden Korpsgeist in der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. „Letztendlich aus Angst haben Kollegen teilweise sogar die Diskussion abgewürgt.“

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