Rotieren in Berlin: Weltcup der Wasserspringer beginnt mit Problemen

Zum ersten Mal starten die weltbesten Wasserspringer in der SSE. Der kurzfristige Termin sorgt für Unmut, die Kündigung von Lutz Buschkow auch.  

Lou Massenberg tritt in Berlin bei der Weltcup-Premiere der Wasserspringer an.
Lou Massenberg tritt in Berlin bei der Weltcup-Premiere der Wasserspringer an.imago/Giorgio Scala

In der Berliner Schwimm- und Sprunghalle am Europasportpark (SSE) in der Landsberger Allee ist derzeit außerordentlich viel Betrieb: Fahnen werden aufgehängt, Stühle gerückt, Lichter getestet, Zonen abgeklebt. Berlins Wassersprung-Bundesstützpunkttrainer Christoph Bohm ist schon wieder auf dem Weg ins nächste Meeting. Er freut sich sehr darüber, dass die Wasserspringer zum ersten Mal am Weltcup der Schwimmer teilnehmen. „Das ist für uns eine tolle Chance, gerade in der Kombination mit dem Schwimmen“, sagt Bohm. 

Dass Veranstaltungen mit mehreren Sportarten mehr öffentliches Interesse erzeugen als Wettkämpfe jeder Sportart für sich, ist ein Phänomen, das die Wintersportler schon seit einiger Zeit für sich nutzen und das sich zuletzt bei den European Championships auch in den Sommersportarten deutlich in den Einschaltquoten der Fernsehanstalten niedergeschlagen hat. Deshalb ist die Idee, meist nicht allzu zahlreich besuchte Wassersprung-Wettbewerbe mit meist deutlich besser besuchten Schwimm-Wettbewerben zusammenzulegen, grundsätzlich gut.

Für Chinas Springer ist die Halle nicht hell genug

Allerdings traf der Weltschwimmverband (Fina) die Entscheidung, den seit Jahren etablierten Schwimm-Weltcup in Berlin mit den Wasserspringern zu bereichern, erst vor eineinhalb Monaten. „Das war für alle superkurzfristig“, sagt Bohm. Manche Sportler hatten ihren Fokus gerade aufs Studium gelegt, andere mussten zu Bundeswehr-Lehrgängen. „Leider sind viele Sportler deshalb nicht so vorbereitet, wie man das kennt.“

Auch die SSE, die im Zuge der Berliner Olympiabewerbung für die Spiele im Jahr 2000 entstand, ist nicht ganz so vorbereitet, wie es die ausführlichen Vorschriften der Fina fordern. So gibt es etwa mit den Duschen ein paar Probleme, weil Ersatzteile fehlen – und auf die Schnelle nicht organisiert werden konnten. Und auch mit den Lichtern ist es so eine Sache. Nach den Statuten der Fina müssten Lichter in der Halle angeschaltet werden, die in Berlin schon jahrelang nicht angeschaltet wurden. Andere wurden im Zuge der Energiekrise nicht mehr genutzt. Offenbar können gar nicht mehr alle Lichter angesteuert werden. Und wie zu hören ist, drohten Chinas Wasserspringer sogar damit, wegen angeblich fehlender Lichter beim Weltcup weder vom Brett noch vom Turm zu springen. 

Wobei gerade die chinesischen Springer die Attraktion des Wassersprung-Weltcups in Berlin sind. Zwar haben auch sie ihre Saisonvorbereitung anders periodisiert. „Aber die Chinesen kann man auch mitten in der Nacht wecken – und sie sind gut“, meint Bohm. Das Reich der Mitte ist die seit Jahrzehnten führende Nation in dieser Sportart. Bei der diesjährigen WM in Budapest gewannen chinesische Springer und Springerinnen sämtliche 13 Goldmedaillen, bei Olympia sieht es meist ähnlich aus. So ist in Berlin etwa Yang Jian am Start, der amtierende Weltmeister im Turmspringen und der Silbermedaillengewinner von Tokio. Der Chinese war weltweit auch der Erste, der einen Sprung mit dem Schwierigkeitsgrad von 4,1 wagte.

Die Wasserspringer beginnen bereits am Donnerstag mit den Vorkämpfen, von Freitag bis Sonntag finden die Finals parallel zu denen im Schwimmen statt. Allerdings fehlen im deutschen Team etliche Topathleten: Olympia-Bronzemedaillengewinner Lars Rüdiger etwa sowie die frisch gekürten EM-Dritten Christina und Elena Wassen vom Berliner TSC. Dafür sind Lou Massenberg, Timo Barthel oder Pauline Pfeif dabei. „Wir gucken, dass wir das Beste draus machen, ein gutes Niveau zeigen“, sagt Trainer Bohm. 

Lutz Buschkow geht juristisch gegen seine Kündigung vor

Dass nun der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) dem bislang freigestellten früheren Wassersprung-Bundestrainer Lutz Buschkow, der bei Athleten und Trainern hochgeschätzt ist, am 14. Oktober außerordentlich und fristlos gekündigt hat, hebt die Stimmung nicht. Manch einer in der Halle spricht von einem „Oberhammer“. In der ARD-Dokumentation, in der Ex-Wasserspringer Jan Hempel vom Missbrauch durch seinen früheren, inzwischen verstorbenen Trainer Werner Langer berichtete, hielt der Olympia-Silbermedaillengewinner von 1996 Buschkow vor, von den Vorwürfen gewusst, aber nicht gehandelt zu haben. Buschkow bestreitet dies. Er geht juristisch gegen seine Kündigung vor. Nach einer unbeschwerten Berliner Weltcup-Premiere der Wasserspringer hört sich das alles nicht an.