Berlin - Große Chance für Borussia Dortmund, letzte Chance für RB Leipzig: Während der BVB am Dienstag gegen Ajax Amsterdam das Tor zur K.o.-Runde der Champions League schon weit aufstoßen kann, greift RB parallel nach dem letzten Strohhalm. In Paris hilft gegen die Startruppe um Lionel Messi und Kylian Mbappe nach dem Fehlstart in die Königsklasse eigentlich nur ein Sieg.

Dortmund hingegen kann nach zwei Siegen in Folge schon gegen den punktgleichen Tabellenführer Amsterdam einen „Big Point“ holen. Trainer Marco Rose warnte dennoch vor Übermut. „Wir wissen, was da auf uns zurollt. Wir dürfen den Schlagabtausch auf keinen Fall ausarten lassen“, forderte der Coach vor dem Spiel um Platz eins (21 Uhr/Amazon Prime).

Mit einem Sieg könnte Dortmund die Belastung besser steuern

Emre Can betonte, das Ziel sei „zu gewinnen“. Denn: Der Sieger ist mit neun Punkten aus drei Spielen so gut wie durch – und er kann in der Knochenmühle der englischen Wochen die Belastung besser steuern. „Ajax, Bundesliga, Pokal, Bundesliga, wieder Ajax, Bundesliga“, zählte Rose auf, „das wird richtig anspruchsvoll. Wenn ich es mir malen könnte, gewinnen wir in Amsterdam – aber leider ist das nicht ‚Wünsch dir was‘.“ Einen brauchen sie dafür ganz besonders: Ausnahmestürmer Erling Haaland, der gegen den FSV Mainz 05 (3:1) am Sonnabend 90 Minuten lang auf dem Feld stehen musste.

Dass dies nicht der Plan gewesen war, hat auch der niederländische Rekordmeister bemerkt. „Wenn ich die Wahl hätte, wäre es mir lieber, dass er nicht dabei ist“, sagte der frühere Bremer Davy Klaassen. Da muss Rose ihn wohl enttäuschen: Es ist nicht an der Zeit, seinen herausragenden Spieler zu schonen. Haaland wolle sowieso „immer unbedingt“, sagte der Trainer. Der 21-Jährige selbst beteuerte bei Twitter vor dem abendlichen Steak mit Pommes frites, es gehe ihm „sehr gut“.

Beim Tabellenführer der Eredivisie kann der Norweger sich seine Pause einfach selbst herausschießen. Mit dem Achtelfinale vor Augen böten sich im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten FC Ingolstadt (26.10.) oder im Ajax-Rückspiel (3.11.) und den weiteren Königsklasse-Duellen durchaus Gelegenheiten zur Regeneration. Ohnehin: „Meine Spieler freuen sich darauf, gegen Haaland anzutreten“, sagt Ajax-Trainer Erik ten Hag. Davy Klaassen hat er wohl nicht gefragt.

Einige Personalsorgen wird der BVB definitiv durch die englischen Wochen schleppen müssen. „Irgendwann ist das Rad überdreht, und du kommst in eine Spirale rein, wo es schwierig ist, auf bestimmten Positionen noch nachzulegen“, sagte Rose. „Da müssen wir aber jetzt durch, ohne zu jammern.“ Linksverteidiger Raphael Guerreiro und U21-Nationalstürmer Youssoufa Moukoko werden zumindest noch in Amsterdam fehlen, Gio Reyna und Mahmoud Dahoud wahrscheinlich auch, Abwehrchef Mats Hummels kratzt seit Wochen haarscharf an der Belastungsgrenze. 

Auf eine Schonung der PSG-Stars darf auch RB Leipzig nicht hoffen, aber immerhin: Neymar fällt mit Adduktorenproblemen aus. Trainer Jesse Marsch hat für die Partie im Prinzenpark (21 Uhr/DAZN) ohnehin einen Plan: „Wir müssen in Eins-gegen-Eins-Situationen gegen Messi und Mbappe sehr gut sein und hart verteidigen“, sagte er am Montag. Gelingt dies nicht, wäre die dritte Pleite im dritten Königsklassen-Spiel kaum zu verhindern und das Achtelfinale reine Utopie.

Und dafür spricht in der Tat einiges. „Wir müssen als Mannschaft schon eine sehr gute Leistung bringen, um eine Chance zu haben“, sagte RB-Kapitän Peter Gulacsi. Richtig gut war Leipzig zuletzt aber nur vereinzelt. Erst am Samstag holte RB in der Liga beim SC Freiburg nur ein glückliches 1:1.

Leipzig leistet sich zu viele Fehler

Der Grund: Ein bedenklicher Einbruch – diesmal in der zweiten Halbzeit. Immer wieder leisten sich die Leipziger hanebüchene Abwehrfehler, die sie gegen PSG Kopf und Kragen kosten könnten. Symbolträchtig für die Probleme stand das wilde 3:6 bei Manchester City zum Champions-League-Auftakt, ehe auch das zweite Spiel gegen den Underdog FC Brügge wegen schlimmer Patzer 1:2 verloren ging.

Auf ähnliche Einladungen warten Messi und Mbappe nur. „Das wird eine schwierige Aufgabe. Paris war schon ohne Messi so eine gute Mannschaft“, sagte Marsch.