Giovanni Reina erzielt das 1:0 für den BVB.
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Berlin/DortmundBorussia Dortmunds Starensemble genoss vor der Südtribüne den lange vermissten Jubel der Fans, im weiten Stadionrund feierte der Rest der immerhin wieder 9300 Zuschauer mit La Ola, und Vereinsboss Hans-Joachim Watzke lächelte beseelt: Der Vizemeister gewann sein Bundesliga-Auftaktspiel gegen Borussia Mönchengladbach verdient 3:0 (1:0) und bestätigte damit sein Selbstverständnis als erster Herausforderer von Serienmeister Bayern München.

Durch die Bundesliga-Torpremiere des erst 17-jährigen Giovanni Reyna (35.) und einen Doppelpack von Torjäger Erling Haaland (54., Foulelfmeter nach Videobeweis und 77.) festigte der BVB außerdem bei den Gästen seinen Ruf als Angstgegner: Es war der zwölfte Pflichtspielerfolg der Westfalen gegen die Gladbacher Namenscousine in Folge.

„Das ist ein schöner Start“, sagte Dortmunds Abwehrchef Mats Hummels bei Sky: „Wir haben wenige Fehler gemacht und in der zweiten Halbzeit nichts mehr zugelassen.“ Auf Fragen nach den BVB-Ambitionen reagierte Hummels zurückhaltend: „Wir sind am ersten Spieltag, mehr ist es nicht. Wir sind auch noch weit weg vom Maximum, aber wenn wir alles in eine Struktur und Form bringen, sind wir eine Topmannschaft.“

Gladbachs Trainer Marco Rose analysierte den Fehlstart seines Teams zerknirscht. „Das war eine sehr unglückliche Niederlage, aber bei einem 0:3 hat man wenig Argumente.“ Für den Coach war die Durchschlagskraft der Platzherren ausschlaggebend: „Dortmund war da, wo es zur Sache geht, in der Box, klarer und effektiver.“

Sein BVB-Kollege Lucien Favre nahm gegenüber dem lockeren Pokalerfolg bei Drittligist MSV Duisburg (5:0) nur eine Änderung vor. Roman Bürki kehrte nach seinen Hüftproblemen für Marwin Hitz ins Tor zurück. Rose überraschte mit einer defensiveren Variante zunächst ohne den zuletzt formstarken Patrick Herrmann. Insgesamt standen nur drei nominelle Offensivkräfte in Gladbachs Startelf.

Diese Maßnahme fruchtete allerdings zunächst. Die Gäste ließen die Hochbegabten des BVB nicht zu ihrem gefürchteten Tempospiel kommen und hatten aus einer stabilen Abwehr heraus viel Kontrolle. Die Dortmunder suchten vergeblich die Lücke und mussten wegen einer Verletzung des Ex-Gladbachers Thorgan Hazard schon früh umstellen.

Das Offensivspiel der Gastgeber nahm dennoch langsam Schwung auf. Haaland boten sich die ersten Gelegenheiten (21., 22.). Gladbach war zwar weiterhin gut im Spiel, gefährlich wurde die Elf vom Niederrhein im ersten Durchgang aber nur selten. Kapitän Lars Stindl tat sich in der Sturmspitze gegen die von Hummels gut organisierte Dortmunder Dreierkette schwer. Bei der Chance von Jonas Hofmann reagierte Bürki zudem stark (31.).

Danach drehten die BVB-Youngster auf. Jude Bellingham (17) bediente in seinem ersten Bundesligaspiel Reyna, und der US-Amerikaner ließ Torhüter Yann Sommer keine Chance. Jungstar Jadon Sancho hätte vor der Pause fast noch erhöht (40.).

Der BVB nahm den Schwung mit in den zweiten Durchgang. Nach einem Zweikampf zwischen Reyna und Rami Bensebaini entschied Schiedsrichter Felix Brych nach Ansicht der TV-Bilder auf Elfmeter. Nach kurzer Besprechung überließ Sancho Sturmpartner Haaland den Ball, der Norweger verwandelte sicher.

Rose reagierte und brachte die in der Vorbereitung länger fehlenden Marcus Thuram und Alassane Plea. Als später noch Herrmann kam, wurden die Gladbacher mutiger. Es mangelte oft aber an der Präzision. Haalands zweiter Treffer nach einem Konter beseitigte die letzten Zweifel am BVB-Erfolg.