Dortmund - Jürgen Klopp hatte ein hübsches Bild gewählt, um den Charakter seines Teams im Gegensatz zum FC Arsenal zu illustrieren. Die Engländer ähnelten „einem Orchester“, er selbst bevorzuge dagegen „Heavy Metal“, hatte der Trainer von Borussia Dortmund vor dem erstaunlich unspektakulären 0:1 (0:0) gegen den FC Arsenal erläutert, und natürlich wollte er mit diesem Bild nicht nur die Spielstile dieser beiden Fußballmannschaften illustrieren. Auch die Unterschiede seines eigenen extrovertierten Arbeitsstils zum vornehmen Verhalten von Arsenal-Trainer Arsène Wenger an der Außenlinie beschreibt dieser Vergleich ganz gut, aber an diesem Abend stahl der Franzose Klopp die Show sogar an der Außenlinie.

Gut 15 Minuten waren gespielt, da sprang Wenger von der Bank auf, sprintete mit seinen edlen Schuhen auf den Rasen hinaus in den Regen und schoss einen Ball in die Dortmunder Hälfte, wo das Spiel fortgesetzt werden sollte. Die Fans der Londoner jubelten begeistert über diese kleine Einlage, die zu den sehenswertesten Aktionen einer ersten Hälfte gehörte, die rückblickend wie der lange Anlauf zu einer am Ende spannenden zweiten Hälfte wirkte.

Vor der Pause musste Roman Weidenfeller keinen einzigen Torschuss abwehren, aber der BVB war nicht in der Lage, aus der leichten spielerischen Überlegenheit eigene Torgefahr zu erzeugen. Nur eine wirklich gute Chance hatte der Bundesligist, als Henrikh Mkhitaryan nach einem schönen Pass von Jakub Blaszczykowski zentral vor dem Strafraum an den Ball kam, mit seinem Linksschuss das Tor aber knapp verfehlte (37.).

Darüber hinaus gab es zwei, drei halbe Chancen. Neven Subotic stocherte den Ball nach einem Freistoß knapp am Tor vorbei (17.), und ein Mal sprintete Reus mit hohem Tempo auf die Londoner Innenverteidigung zu, blieb aber hängen, bevor es richtig gefährlich wurde (30.).

Mesut Özil hatte ja erklärt, die Dortmunder gehörten selbstverständlich „zu den Titelfavoriten“, nachdem er im Vorjahr bekanntlich vier Mal erleben musste, welch ein unangenehmer Champions-League-Gegner die Dortmunder sind. Erst war er in der Gruppenphase mit Real Madrid auf dem zweiten Platz hinter dem Revierklub gelandet, um im Halbfinale endgültig vom BVB aus dem Wettbewerb eliminiert zu werden.

Stellungsfehler von Sokratis

Nun war das Spiel des FC Arsenal also von Vorsicht und Sicherheitsbestreben dominiert, was durchaus nachvollziehbar war ja angesichts der komplizierten Gruppenkonstellation. Und dass die Dortmunder gewinnen wollten, wurde erst zu Beginn der zweiten Hälfte erkennbar, als sie mit einer ganz anderen Haltung aus der Kabine kamen.

In der 50. Minute hatte Reus eine gute Kopfballchance, doch seinen Versuch aus 14 Metern konnte Keeper Wojciech Szczesny abwehren. So wie auch einen Schuss aus guter Position von Blaszczykowski zwei Minuten später. Der BVB drückte nun, doch das Tor schoss Arsenal. Inmitten der Dortmunder Druckphase gewann Olivier Giroud einen Luftkampf gegen Kevin Großkreutz und legte in die Mitte ab, wo Aaron Ramsey den Ball aus acht Metern ins Tor köpfte. Sokratis, der den verletzten Mats Hummels vertrat, war zuvor ein Fehlpass unterlaufen.

Dieses Tor versah das Spiel nun zumindest mit Spannung, und erstaunlicherweise wurden die Londoner nun offensiver. Ramsey hatte eine weitere tolle Chance, traf aus bester Position aber nur Weidenfellers Fuß (65.), Per Metersacker köpfte einen Freistoß nur knapp über das Tor des BVB (70.), während den Angriffsversuchen des BVB die Präzision fehlte. Und je näher der Schlusspfiff rückte, desto ratloser wirkte der Bundesligist.

Zuletzt hatte der BVB in der Königsklasse sieben Heimspiele am Stück gewonnen, diese schöne Serie ist nun zu Ende. Schlimmer ist aber, dass das Team mit dieser Niederlage den kostbaren Auswärtssieg aus der Partie in London wieder verspielt hat. Der Vorjahresfinalist steht nur noch auf dem dritten Platz in der Tabelle und muss die beiden verbleibenden Spiele gegen Neapel und in Marseille wohl gewinnen, um noch das Achtelfinale zu erreichen.