Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kritisiert seine Mannschaft.
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DortmundZumindest Hans-Joachim Watzke ist sein strategisches Geschick nicht abhandengekommen dieser Tage, in denen Borussia Dortmund   orientierungslos durch die Bundesliga taumelt. Statt die Spieler oder den Trainer an den Pranger zu stellen, richtete der Geschäftsführer des BVB die klarsten Worte der Kritik an sich selbst und seine engsten Mitarbeiter in der Klubführung. Die Analyse der sportlichen Schieflage, die am Freitagabend in einer desaströsen ersten Halbzeit gegen den SC Paderborn gipfelte, habe ergeben, „dass wir einen Fehler gemacht haben“, verkündete Watzke auf der Mitgliederversammlung am Sonntagnachmittag. „Wir hätten eine zweite Nummer neun verpflichten müssen“, einen Stürmer, der in der Lage ist, den verletzungsanfälligen Paco Alcácer zu ersetzen. So nahm er einen Teil der bleiernen Last von der gebeutelten Mannschaft und von Lucien Favre, über dessen Nachfolger bereits spekuliert wird.

Zuvor waren die Profis mit zornigen „Pfui“- Rufen und Pfiffen empfangen worden. Einige Leute in den Westfalenhallen applaudierten   aufmunternd, aber in den Augen der meisten Mitglieder tragen die Spieler die Verantwortung für die enttäuschenden Ergebnisse. Irgendwann fand auch Watzke klare Worte gegenüber den Spielern, die wie Schuljungen beim Rapport wirkten. Die Entschuldigung von Marco Reus für die schlimme erste Halbzeit beim 3:3 sei zwar richtig gewesen, merkte der Geschäftsführer kritisch an. „Aber ihr als Mannschaft müsst auch wissen, dass es mit Worten nicht getan ist, dass ihr jetzt gefordert seid, Taten folgen zu lassen.“ Am Trainer will die Klubführung vorerst festhalten, „Lucien, du hast weiter unser Vertrauen“, rief Watzke hinüber zu Favre, ergänzte aber sogleich eine Einschränkung: „Du bist schon so lange im Fußball dabei, und am Ende ist Fußball immer über Ergebnisse definiert.“ Sollte in den Partien beim FC Barcelona am Mittwoch und bei Hertha BSC am kommenden Sonnabend nicht die erhoffte Leistungssteigerung sichtbar werden, droht wohl   die Entlassung.

Diffuse Vorwürfe gegen Favre

Bis zum Freitag sah Favre sich eher diffusen Vorwürfen ausgesetzt. Er verbreite zu wenig mitreißende Leidenschaft   hieß es, am Freitag waren nun substanzielle fußballerische Fehleinschätzungen zu beobachten. Paderborns Sportdirektor Martin Prdzondziono ahnte schon vor dem Anpfiff, dass der BVB-Trainer einen folgenschweren Fehler gemacht haben könnte, als er eine Innenverteidigung mit den spielerisch starken, aber nicht besonders schnellen Profis Julian Weigl und Mats Hummels nominiert hatte. „Das war ja schon fast provokativ. Ich weiß nicht, ob sie nicht wussten, wie schnell Streli Mamba ist“, sagte er nach dem Spiel. Mamba war den Dortmundern mehrfach davongelaufen und hatte zwei Tore geschossen. Kapitän   Reus bemerkte über die „absolute Scheiße“, die das Team in der ersten Hälfte gespielt habe, dass er und seine Kollegen gar nicht gewusst hätten, „wie wir richtig pressen sollen“. Und Mats Hummels erklärte nach einer viel zu spät erfolgten taktischen Abkehr vom 4-2-3-1-System, das der Schweizer Fußballtüftler für die meisten Spiele wählt: „Sagen wir so: Wir tun uns im 4-1-4-1 leichter. Ich belasse es dabei.“

Im Stadion war am Freitag gegen Ende der ersten Halbzeit eine   gespenstische Atmosphäre entstanden, nicht nur, weil das eigene Team ausgepfiffen wurde, den Paderbornern wurde für gelungene Aktionen zynisch applaudiert. „Wer vorgibt BVB-Fan zu sein und die Tore des Gegners bejubelt, der sollte unsere Gemeinschaft einfach verlassen“, zürnte Watzke auf der Mitgliederversammlung und erhielt viel Applaus. Pfiffe seinen hingegen angemessen, genauso wie die Reaktion der Südtribüne nach der Partie. Als die Mannschaft nach der Aufholjagd der zweiten Halbzeit in der Hoffnung auf einen Schulterschluss vor die Südtribüne trat, wurden die Spieler fortgeschickt. Es hat in Dortmund immer wieder mal solche Reaktionen gegeben, zuletzt vor zwei Jahren unter dem Trainer Peter Bosz, der kurz darauf entlassen wurde.

"Reißt euch zusammen!"

In diesen Tagen hoffen sie weiter auf eine Wende mit Favre, auch weil niemand weiß, ob eine Entlassung Früchte tragen würde. Vielmehr deutete Watzke ungeschminkt an, dass es Probleme im Kader gibt. „Reißt euch zusammen, strafft euch“, rief er hinüber zu den Spielern, „dann werden wir auch ganz bestimmt wieder eine Einheit.“