Am Sonnabend ist Alfons Hörmann zum neuen Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes gewählt worden. Drei Tage später scheint fraglich, ob die Taktik des Augen-zu-und-durch noch lange gut geht: Am Dienstag gab die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf bekannt, dass sie glaubt, Hörmann in seiner Funktion als früherer Firmenchef des Dachziegelmarktführers illegale Preisabsprachen nachweisen zu können.

„Wir haben die Vorwürfe des Bundeskartellamtes geprüft und uns zu eigen gemacht“, sagte ein Sprecher. Die Akten liegen beim Düsseldorfer Oberlandesgericht, Hörmann droht nun ernsthaft eine hohe persönliche Geldbuße wegen der Ordnungswidrigkeit. Gleich zwei staatliche Behörden sind zum selben Ergebnis gekommen, was wie ein Präjudiz gewertet werden darf.

Lage nicht verändert

Nach seiner Wahl hatte er alle Fragen zu den Preisabsprachen mit dem Hinweis abgetan, es handele sich um ein laufendes Verfahren. Er hat aber mitteilen lassen, er sei an Preisabsprachen nicht beteiligt gewesen. Hörmann verweist nun darauf, dass sich aus seiner Sicht die Lage nicht verändert habe. Der DOSB hatte sich von seinem Ethikwächter Jürgen Thumann einen Persilschein sogar für den Fall ausstellen lassen, dass Hörmann bestraft wird. So ähnlich haben es die sauberen Dax-Unternehmer im Aufsichtsrat des FC Bayern gehandhabt: Dank eines mit dem Verdacht der Gefälligkeit behafteten Gutachtens soll der Steuersünder Uli Hoeneß im Amt bleiben dürfen.

Natürlich handelt es sich bei Hörmann noch um ein schwebendes Verfahren. Sollte er aber zu der Geldbuße verurteilt werden, wäre eine Amtsfortführung ein ziemlicher Skandal. Zu der Ordnungswidrigkeit käme dann die Lüge. Wie Hörmann da als höchster nationaler Anführer des Sports glaubwürdig dessen Werte wie Fairplay vertreten soll, ist schleierhaft. Da hilft auch die vorauseilende Entlastung nicht − nur weil der DOSB keinen anderen tauglichen Präsidentschaftskandidaten in der Eile auftreiben konnte.