Berlin - DOSB-Präsident Alfons Hörmann ist bald weg. Und dann? Möglicherweise wird der Umbruch an der Spitze des Deutschen Olympischen Sportbundes noch drastischer ausfallen. Nach den brisanten Äußerungen des früheren Vorstandsmitglieds Karin Fehres steht der Vorstand und dessen Vorsitzende Veronika Rücker in der Brief-Affäre im Fokus.

„Der Schaden für Akzeptanz und Ansehen des Dachverbandes des deutschen Sports geht weit über die Neuwahlen hinaus. Für mich persönlich ist klar, dass es nicht bei einer Neubesetzung allein des Präsidiums bleiben darf“, sagte Dagmar Freitag, bis zuletzt Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag: „Auch die Rolle der Vorstandsvorsitzenden gehört spätestens jetzt ebenfalls hinterfragt.“

Neuanfang beim DOSB

Am 4. Dezember wird bei der Mitgliederversammlung in Weimar ein neues Präsidium gewählt, Hörmann tritt nicht mehr an. Um sein Amt kämpfen aktuell Tischtennis-Weltverbandschef Thomas Weikert, Präsidentin Claudia Bokel vom Deutschen Fechter-Bund (DFeB) und CSU-Politiker Stephan Mayer. Unabhängig vom Fall Fehres hatte Weikert bereits im Interview mit sportschau.de angekündigt, den Vorstand im Fall seiner Wahl unter die Lupe nehmen zu wollen. „Es geht um einen Neuanfang beim DOSB. Ein Neuanfang heißt auch, dass man über die handelnden Personen nachdenkt“, sagte der 59-Jährige.

Am Mittwoch war ein Brief von Fehres publik geworden, den diese am Dienstag an den Verband gerichtet hatte. Darin erklärte sie, dass sie Hörmann und weitere Spitzenvertreter bedrängt hätten, sich als Autorin des anonymen Briefes vom 6. Mai zu bekennen, in welchem dem Dachverband unter Hörmanns Führung eine „Kultur der Angst“ unterstellt wurde. Ein Gutachten eines Sprachsachverständigen hätte ergeben, dass der Brief von Fehres stamme.

Fehres, 62, bis Ende November 2020 DOSB-Vorstand für Sportentwicklung, schrieb u.a. an die Adresse von DOSB-Präsidium und -Vorstand sowie die Sprecher der Verbändegruppen, ihr seien am 13. Oktober von einer Berliner Anwaltskanzlei im Namen Hörmanns sowie des DOSB als Verband, vertreten durch die Vorstände Rücker und Thomas Arnold, Strafanzeige und zivilrechtliche Klage angedroht worden. Eine Stellungnahme des DOSB steht bislang aus.

Fehres sagt, sie habe keinen Skandal verursachen wollen

Laut Freitag sei nun zu klären, ob das Vorgehen gegen Fehres „mit Präsidium und Vorstand abgestimmt war oder es sich um Alleingänge von Hörmann, Rücker und Arnold handelt“. Interessant sei dies zum einen in Bezug auf die Kosten für Anwälte und Prozesse, aber auch für die Präsidiumswahl. 

Fehres habe, wie sie sagte, mit ihrem Brief der Verbandsöffentlichkeit deutlich machen wollen, „dass ich mit diesem anonymen Schreiben nichts, aber auch gar nichts, zu tun habe“. Es sei aber überhaupt nicht in ihrem Sinn, einen Skandal oder irgendeine Welle zu verursachen.