Tor oder doch nicht Tor? Zählt der Treffer von Steven Skrzybski in allerletzter Sekunde? Nein, zählt er nicht, weil Schiri Tobias Reichel Sekundenbruchteile zuvor abpfeift, es beim 1:1 (0:1) zwischen Arminia Bielefeld und dem 1. FC Union bleibt, auch weil die Nachspielzeit von drei Minuten längst vorbei ist.

Aufregung hin, Aufregung her, manche Dinge sind auch nach längerem Betrachten nicht zu erklären. Diese Gedanken hat sich zuletzt auch André Hofschneider gemacht. Als Durchreißer ist er angetreten, fünf Spiele und nur zwei Punkte später ist seine Situation als Trainer des 1. FC Union aber nicht gerade eine komfortable. Vor dem Auftritt der Eisernen in Ostwestfalen und dem Unentschieden, mit dem die Köpenicker ihre Sieglos-Serie auf acht Spiele erhöhen, fand der rot-weiße Coach jedoch, zumindest verbal, einen Weg aus der Misere: „Wir müssen an uns glauben, hart arbeiten und auch mal auf das Spielglück hoffen.“

Um das zu zwingen, hat Hofschneider erst einmal selbst vorgelegt, taktisch wie personell. Dass Neuzugang Marvin Friedrich für den gesperrten Toni Leistner in die Startelf rückt, ist zu erwarten gewesen, aber dass auch Oldie Michael Parensen (abgeklärt, unaufgeregt, richtig seriös in allen Situationen) und Haudegen Damir Kreilach erste Wahl sein würden, hat wohl erst einmal einige Unioner überrascht und noch ein wenig mehr wahrscheinlich die Bielefelder. Taktisch orientiert sich der Coach an einem 3-3-3-1-System.

Bielefelder giftiger in den Zweikämpfen

Wer glaubt, Hofschneider könne damit die Defensive schwächen, hat die Rechnung ohne den Trainer gemacht. Sein Plan ist: „Wir wollen besseren Zugriff auf den Gegner bekommen. Und ganz neu sollte das System für keinen unserer Spieler sein, denn jeder sollte es kennen.“

Nur geht dieses Vorhaben erst einmal nicht auf, die Bielefelder finden sich schneller, sind präsenter, giftiger in den Zweikämpfen und auch gefährlicher im Angriff. Kein Wunder, sind die Arminen doch mit breiter Brust und ohne Gegentor aus ihren beiden ersten Spielen nach der Winterpause gekommen. Es scheint, sie machen da weiter, nur hat Daniel Mesenhöler in allerhöchster Not die Hand am Ball, als Arminia-Torjäger Andreas Voglsammer (acht Saisontore) eine erste Kostprobe seiner Schusskraft abgibt (12.), Unions Torhüter aber den Rückstand verhindert.

Dafür zeigt sich das, was Hofschneider für seine Mannschaft nahezu erbettelt hat, das Spielglück. Denn dass Florian Dick einen Kopfball von Brian Behrendt ebenso per Kopf zurückspielen will, seinen Kapitän aber auf dem falschen Fuß erwischt und Steven Skrzybski damit zu einem feinen Heber und zur 1:0-Führung einlädt (16.), steht so natürlich in keinem Lehrbuch. Zu aller Aufatmen setzt Skrzybskis Bogenlampe aus 20 Metern auch noch auf dem Stückchen Platz vor dem Tor auf, wo Schlussmann Stefan Ortega das Grün niedergetrampelt hat. Sonst wäre die Kugel eventuell sogar über den Kasten gesprungen.

Nur ein bisschen Spielglück

Mehr Spielglück geht vielleicht nicht, vielleicht nicht gerade in dieser Phase. Erst einmal haben sie nur ein bisschen davon. Klar aber ist: Genau das brauchen die Köpenicker, eine Führung. Fortan geht’s besser, nur will das zweite Tor nicht fallen, obwohl Simon Hedlund (28.), Skrzybski (50.), Kreilach (54.), Marcel Hartel (73.) und sogar Christopher Trimmel (78.) die Gelegenheiten dazu haben.

So kommt es am Ende wieder so wie eigentlich immer in den vergangenen Spielen. Weil Konstantin Kerschbaumer fast so schön zum 1:1 (53.) trifft wie zuvor Skrzybski, ist es doch wieder nur beim kleinen bisschen Spielglück geblieben.