Bochum - Ohne jeden Zweifel wäre das gute alte Ruhrstadion am Sonntagnachmittag ein großartiger Ort gewesen für Union Berlin, um den letzten Schritt in Richtung Bundesliga machen. Es schüttete, der Geruch von Bier und Zigarettenrauch lag in der feuchten Frühlingsluft, Bochum bot eine Bilderbuchkulisse für Fußballromantiker – als solche betrachten die Anhänger von Union Berlin sich bekanntlich. Sogar der SC Paderborn spielte mit und verlor mit 1:3 in Dresden, mit einem Sieg in dieser finalen Partie gegen ein Team, für das es um nichts mehr ging, hätte die Köpenicker sich in einen Bundesligaverein verwandelt. Doch die Mannschaft von Trainer Urs Fischer spielte nach einer dramatischen Schlussphase nur 2:2 (0:1) und muss nun auf die Relegation gegen den VfB Stuttgart hoffen.

Dort können sie ihr „Gib niemals auf und Glaub an Dich“-Banner inklusive gereckter übermenschlicher Faust dann noch einmal aufhängen, das zum Anpfiff die eine Stirnseite des Stadions zierte. Die Fans wirkten an diesem Tag imposanter als ihre Mannschaft, und als Herbert Grönemeyers Bochum-Hymne verklungen war, konnte die rote Menschenmasse auch akustisch locker mit den Bochumern mithalten. Denn natürlich waren die Gäste aus der Hauptstadt aktiver als die Anhänger des VfL, für die es nur noch um ein vergleichsweise bescheidenes Ziel ging: einen fröhlichen Saisonabschluss. Und natürlich um die Umsetzung des Plans, die Berliner Feierlichkeiten zu stören.

Der besondere Zauber dieser Partie war also allen bewusst, und die Berliner hatten sich sogar zu einer ganz besonderen Vorbereitung entschieden. Die Delegation hatte bereits am Freitag – einen Tag früher als bei Auswärtsspielen üblich – ein hübsches Hotel in Castrop-Rauxel bezogen. Mit einem Restaurantbesuch und einem gemeinsamen Nachmittag vor der Bundesligakonferenz im Fernsehen am Sonnabendnachmittag sollte ein letztes mal der Gemeinschaftssinn gestärkt werden. Trainer Urs Fischer war zum Showdown in Liga Eins natürlich auf Schalke im Stadion, um den VfB Stuttgart zu beobachten, der ja als Drittletzter der Bundesliga in der Relegation antreten wird.

Anschlusstreffer weckt die Eisernen

Aber natürlich wollten sie viel lieber ohne die Zusatzpartien gegen die Schwaben aufsteigen, doch die Bochumer waren ein zäher Gegner. Pünktlich zum Spielbeginn fegte dann ein kalter Wind über Bochum, es begann heftig zu regnen, und auf dem Platz wurde zunächst ein rustikaler Zweitligastil gepflegt, aber der Fußballtag begann nicht gut für Union, denn nach zehn Minuten die Nachricht von der Führung des SC Paderborn in Dresden die Runde machte. Auf dem Rasen wurde derweil gestochert, ein Fehlpass folgte auf den nächsten, die Zweikämpfe waren intensiv, Torsituationen blieben selten. Bochums Silvére Ganvoula hatte immerhin mal eine Kopfballmöglichkeit, während Union allenfalls bei Flanken gefährlich wirkte. Aufregender als das Geschehen in Bochum war daher Mitte der ersten Hälfte die Kunde vom 1:1 in Dresden, das Dynamo gegen Paderborn gelungen war und das die Ausgangslage für die Berliner wieder deutlich verbesserte. Aber die Freude währte nur kurz, denn nach 24 Minuten ging der VfL in Führung. Danilo Soares hatte einen eigentlich nicht besonders gefährlichen Querpass auf Anthony Losilla gespielt, der allerdings viel zu zaghaft vom Berliner Verteidiger Marvin Friedrich unter Druck gesetzt wurde. Plötzlich war die Lücke da, Losilla hatte freie Bahn für einen Schuss in die lange Ecke (24.).

Dieses Tor weckte die Eisernen auf, sie spielten nun druckvoller, und vor allem strukturierter. Nach dem Rückstand schafften sie es auch mal, sich mit flachen Bällen dem Bochumer Tor zu nähern, und sie erarbeiteten sich eine richtig gute Möglichkeit zum Ausgleich: Felix Kroos flankte in den Strafraum, wo Sebastian Andersson aus acht Metern völlig unbedrängt köpfen konnte. Der Torabschluss des besten Berliner Schützen dieser Saison war jedoch zu zentral platziert, so dass VfL-Torhüter Manuel Riemann den Ball abwehren konnte.

Mittlerweile lagen die Paderborner sogar 1:2 in Dresden zurück, die Köpenicker schienen den großen Coup damit zur Halbzeit in der eigenen Hand zu haben. Doch dann vertändelte Grischa Prömel ohne jede Not einen Ball im eigenen Strafraum und hielt dann den enteilenden Lukas Hinterseer am Trikot fest. Der Elfmeterpfiff musste folgen, Ganvoulia traf zum 2:0 (49.).

Damit schwanden die Chancen auf den großen Coup eines direkten Bundesligaaufstieges, die Eisernen brauchten nun drei Treffer. Sie griffen immer verzweifelter an, doch Prömel (56.), Andersson (57.) und Florian Hübner (60.) vergaben Berliner Möglichkeiten. Erst eine gelb-rote Karte für Ganvoula nach einem Ellenbogenstoß (72.) gegen Trimmel leitete eine spektakuläre Aufholjagd ein. Ein brillanter Fernschuss von Prömel führte zum 2:1 (83.), Joshua Mees gelang mit einem Schuss aus dem Hinterhalt das 2:2 (86.), nun fehlte noch ein Treffer zum Fußballwunder. Doch der wollte den Eisernen nicht mehr gelingen.