Hamburg - Alex Meier gelang das Unfassbare, die schockierten Felix Kroos und Urs Fischer ließen sich das Geschehene sogleich nochmal vom Schiedsrichter erklären. Gerade erst hatten Grischa Prömel und Suleiman Abdullahi in den letzten fünf Minuten der regulären Spielzeit nach Zweitorerückstand vermeintlich doch noch den wichtigen Punkt im Aufstiegskampf gerettet. Da riss Abdullahi in der Nachspielzeit den ebenfalls eingewechselten Christopher Buchtmann zu Boden, und Meier versenkte den Elfmeter: 3:2 (1:0) für den FC St. Pauli.

Statt des angepeilten zweiten Auswärtssiegs und Sprung auf Rang zwei setzte es also die zweite Niederlage der Saison für die Eisernen. Was keinesfalls mangelndem Einsatzwillen geschuldet war. Vor allem Kroos präsentierte sich außerordentlich energisch, der die Mannschaft nach seiner Abberufung im Sommer erstmals wieder als Kapitän aufs Feld führte. Union-Trainer Urs Fischer setzte den Mittelfeldspieler hinter dem Angriff ein, was Kroos für wütende Vorstöße nutzte. Mehrfach setzte er St. Paulis Torwart Robin Himmelmann unter Druck, spekulierte auf Abwehrfehler. Daran tat er gut, doch nutzen vermochte er die Gelegenheiten nicht.

Auch Sebastian Andersson kämpfte wacker, er vertrat Sebastian Polter im Sturm und wird dies wohl mehrere Woche machen. So lange wird sich die Genesung von Polters linkem Mittelfußes hinziehen, teilte der Verein vor dem Anpfiff mit.

Union war nach 20 Minuten näher dran an der Führung (Marvin Friedrich stocherte den Ball in der 22. Minute nach einer Ecke auf, aber nicht über die Linie), doch es war auf der Gegenseite der Ex-Herthaner Sami Allagui, der als erster ins Tor traf. Mehrfach war der Ball aus der Union-Abwehr zu den Gastgebern zurückgeprallt, ehe Allagui ihn aus 25 Metern ins linke obere Ecke donnerte, Rafal Gikiewicz im Tor der Eisernen reagierte zu langsam. „Eine glückliche Führung“, befand Unions Ex-Manager Helmut Schulte, der bei seinem anderen früheren Klub auf der Tribüne saß. „Beide Mannschaften haben die gegenseitigen Geschenke nicht angenommen.“ So schwungvoll die Kontrahenten in die Zweikämpfe gingen, so unsicher waren sie hinten im Umgang mit dem Ball. Hüben legte Manuel Schmiedebach (gegen Sandhausen wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt) zu wenig Kraft in seinen Rückpass zu Gikiewicz, was diesen zu einer Großtat zwang. Und drüben erfüllte sich nicht nur Kroos’ Hoffnung auf Aussetzer mehrfach.

Verhaltenes Mané-Debüt

Das Debüt von Winterzugang Carlos Mané war hingegen verhalten. Anders als im Sommer 2016 als Zugang des VfB Stuttgart. Damals brauchte er vier Minuten, um sich mit zwei Treffern in der Zweiten Liga einzufinden und glänzte im weiteren Saisonverlauf, der sein Team zum Aufsteiger machte, als Vorbereiter. Für Union ließ er sein fulminantes Tempo ein paar Male aufblitzen, außer gegnerischen Fouls hatte das aber kaum Konsequenzen. Oft wusste der Neue noch nicht so recht, wohin er rennen sollte, er und die Mannschaft müssen sich noch finden. Das ist nicht verwunderlich nach nur eineinhalb Wochen in Köpenick.

Da erging es ihm ähnlich wie Meier, der bei den Heimfans noch größere Vorfreude ausgelöst hatte als Mané bei den Gästen. Der 36-Jährige kehrte nach zwölfeinhalb Jahren ans Millerntor zurück. Florian Hübner setzte ihm sein nicht minder wuchtige Statur bis zur 62. Minute erfolgreich entgegen, dann jubelte Meier im Anschluss an eine Ecke doch erstmals. Kroos feuerte seine Mitspieler nach dem 2:0 unverdrossen an, Urs Fischer brachte die Offensivkräfte Abdullahi, Akaki Gogia sowie Debütant Berkan Taz. Der ungebrochene Wille wurde fast belohnt, wenn da nicht dieser später Foulelfmeter gewesen.