Flügelstürmer Dodi Lukebakio sieht ratlos aus. Er wurde beim 0.2 in Hamburg von Herthas Trainer Labbadia in der Pause ausgewechselt.
Foto: City-Press

HamburgEs hatte schon etwas Surreales in den Wirren der Corona-Zeiten, als Herthas Trainer Bruno Labbadia nach dem enttäuschenden 0:2 im Testspiel beim Zweitligisten Hamburger SV seine Profis nach einer kurzen Verschnaufpause in der Kabine wieder raus auf den Rasen schickte. Denn es wurde plötzlich sehr laut in der leeren Hamburger Arena. Eine lokale Rockband aus der Hansestadt schrammelte per Playback über die Stadionlautsprecher  HSV-Hymnen mit Drei-Akkorde-Gitarren-Grusel für ein Video herunter. Der Sänger zeigte mit seiner Tanzeinlage motorischen Höchsteinsatz für die Kamera, während die blau-weiße Kombo ihre Auslaufrunden absolvierte.

Labbadia hätte in den 90 Minuten zuvor auch gerne so viel Engagement von seinen Spielern gesehen wie von den Musikern, doch es fehlte besonders in der Offensive die nötige Harmonie, Kreativität und der Mut, um Tore zu schießen. Der Coach wollte das auch gar nicht schönreden. Er sprach die Schwächen offen an: „Dass wir nicht erfreut sind, ist klar. Im letzten Drittel des Platzes fehlt uns Mut und wir spielen es oft unsauber. In der zweiten Halbzeit war es teilweise kopflos. Das ist etwas, was wir auch im Training sehen. Und daran müssen wir arbeiten.“

Nicht nur die Ergebnisse der vergangenen drei Testspiele mit dem 0:1 bei Ajax Amsterdam, 0:4 gegen PSV Eindhoven und jetzt dem 0:2 beim HSV drücken so kreischend und laut wie eine Gitarre aus, dass es im blau-weißen Sturm mit der Komposition noch nicht stimmt. „Kein Tor in drei Spielen“, hallt es jetzt nach. Ob es Labbadia Sorgen mache, wurde er gefragt. Der Coach antwortete: „Sorgen? Noch nicht.  Bis 25 Meter vor dem Tor bekommen wir es relativ gut hin, da haben wir auch ein gutes Positionsspiel. Bei allem danach treffen wir oft falsche Entscheidungen. Wir merken natürlich, dass wir im Moment ein Stück zu harmlos sind.“

Matheus Cunha, als Zentrale in der Offensive, konnte ein paar Akzente setzen. Dem Brasilianer sieht man an, dass er mehr will. Er gehörte noch zu den Aktivsten und hatte immerhin zwei Torchancen im Spiel. Doch ein Solist alleine macht noch keine Band aus. Der junge Daishwan Redan spielte als Mittelstürmer, doch zur Geltung kam er nicht. Javairo Dilrosun auf dem linken Flügel hatte keine Durchschlagskraft. Und der etwas erfahrene Dodi Lukebakio zeigte keinen Biss. Labbadia wechselte ihn zur Halbzeit aus. Es war ein Denkzettel für Lukebakio, der sich seit Wochen andeutete. Gerade ihn hat der Coach besonders im Auge. Im Training wird Labbadia ständig laut, wenn der Belgier nicht genügend Einsatz zeigt.

Piatek fehlt wahrscheinlich im Pokal

Nach dem Abpfiff in Hamburg wollte sich Labbadia nicht genau zu den Gründen der Auswechslung äußern und sagte nur: „Ich bin kein Freund davon, erst mit Journalisten über einen Spieler zu reden, bevor ich nicht selbst mit ihm gesprochen habe.“ Das heißt nichts anderes: Labbadia wird in den nächsten Tagen Lukebakio ins Gebet nehmen. Doch so viel ließ sich der Coach entlocken: „Wir brauchen ein paar Spieler im vorderen Bereich, die gefährlicher werden. Das gilt für alle, nicht nur für Dodi.“ Es ist aber auch ein Satz an die Adresse von Manager Michael Preetz. Labbadia will unbedingt noch einen Stürmer und einen Flügelspieler als Verstärkung haben.

Wie dringend noch ein Mittelstürmer notwendig ist, zeigt die aktuelle Lage. Der polnische Nationalspieler Krzysztof Piatek wird wahrscheinlich beim Pokalspiel am Freitag bei Eintracht Braunschweig fehlen. Denn er reiste Sonntag zu Polens Länderspiel im Corona-Risikogebiet Bosnien. Jetzt wird geprüft, ob er nach der Rückreise fünf Tage in Quarantäne muss. Der nächste Misston in der Pandemie-Zeit.