Berlin - Der weltgewandte Tischtennis-Funktionär, die Überraschungskandidatin – oder doch der Mann mit dem Draht nach Berlin? Thomas Weikert, Claudia Bokel und Stephan Mayer kämpfen um die Nachfolge des scheidenden DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann und wollen den deutschen Sport aus der Krise in die Zukunft führen. Am Montag veröffentlichte die Findungskommission des Deutschen Olympischen Sportbundes ihre Kandidaten-Shortlist für die richtungsweisende Wahl auf der Mitgliederversammlung am 4. Dezember in Weimar.

„Es ist ein Novum im Sport, dass man mehrere Kandidaten präsentiert. Für mich ein echter Neuanfang. Und aus meiner Sicht ein insgesamter Glücksfall“, sagte Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB) und Sprecher der Spitzenverbände.

Weikert gilt als Favorit auf den Posten

Top-Favorit auf den Posten des mächtigsten Mannes im deutschen Sport ist Weikert (59), derzeit noch Präsident des Tischtennis-Weltverbandes (ITTF). Er wurde zuletzt öffentlich von 14 Spitzenverbänden unterstützt, darunter auch die Fechter. Bokel, Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB), und der CSU-Politiker Mayer (47), zuletzt Staatssekretär im Bundesinnenministerium, gelten als Überraschungskandidaten.

„Wenn man antritt, ist es auch so, dass man hofft, gewählt zu werden. Ich gehe mit Respekt und Demut an so ein Amt heran“, sagte Weikert, und betonte, dass ihm „die Einheit“, eine „bessere Stimme“ für den Sport in der Gesellschaft und das Thema „Safe Sport“ besonders am Herzen liegen.

Bokel und Mayer überzeugen vor der Kommission

Am kommenden Sonntag wird sich das Trio in Düsseldorf noch einmal den Mitgliedsorganisationen vorstellen. Wie der DOSB mitteilte, habe sich die Kommission unter Leitung des Bundespräsidenten a.D. Christian Wulff zuletzt mit einer „großen Bandbreite an Kandidatinnen und Kandidaten intensiv ausgetauscht“. Weikert, Bokel und Mayer hätten demnach „eine klare Vorstellung von den Herausforderungen dieses Amtes“ und seien gut in der Lage, „dieser anspruchsvollen Aufgabe gerecht zu werden“.

Erstaunlich ist dabei, dass Bokel (48) als Fecht-Präsidentin zuletzt zu den Weikert-Unterstützern gehört hatte, nun aber selbst kandidiert. Die frühere Fechterin, die mit der Degenmannschaft bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen die Silbermedaille gewann und Einzelweltmeisterin wurde, war lange Zeit Athletensprecherin im Internationalen Olympischen Komitee und kritisierte in dieser Funktion die fehlende Diskussionskultur in der Exekutive unter Präsident Thomas Bach. Auch Weiss war laut eigener Aussage „verwundert“ über Bokels Kandidatur, betonte jedoch, wie sehr sie und Mayer vor der Kommission überzeugt hätten. „Beide haben eine exzellente Vorstellung geboten und wissen, worüber wir uns unterhalten“, so Weiss: „Und beide stehen im Einklang mit Thomas Weikert für einen Neuanfang.“

Mronz und Klett kandidieren nicht

Zuvor hatte der ebenfalls gehandelte Sportmanager Michael Mronz seine Kandidatur für das Präsidentenamt zurückgezogen. Auf der Liste fehlt ebenso Stefan Klett, der Chef des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen. Er hatte, wie die ARD-Sportschau Ende Oktober berichtete, ebenfalls erwogen anzutreten. Wie der Landessportbund am Montag via Twitter mitteilte, werde Klett eine Kandidatur nicht weiterverfolgen, weil er dies „nur bei einem positiven Votum der DOSB-Findungskommission getan hätte“.

In einem Statement an seine Kollegen in den Landessportbünden kündigte Klett trotz seines Verzichts an, sowohl am Sonntag als auch am 4. Dezember dafür einzutreten, „dass ein wirklicher politischer Neuanfang erfolgt“. Wichtig seien für die neue DOSB-Führung eine „stärkere Aufstellung des DOSB im politischen Berlin“ und „verstärkte Anstrengungen zur Sicherung der Integrität des organisierten Sports“.

Der DOSB sucht eine neue Führung, nachdem Hörmann angekündigt hatte, sein Amt niederzulegen. Vorausgegangen war eine Empfehlung der Ethikkommission, die sich nach Vorwürfen in einem anonymen Brief („Kultur der Angst“) mit der Arbeit des Präsidiums auseinandersetzte und Neuwahlen anregte.