Berlin - Die Maskottchen Fuchsi, Charly, Albatros und Bully haben große Ohren gemacht, als sie am Mittwochvormittag vereinzelt auf den Sitzen der Max-Schmeling-Halle saßen und Andreas Geisel lauschten. Der stand zwischen Toraus- und Freiwurflinie auf dem blauen Handball-Boden, auf dem die Füchse am Abend zuvor in der European League die Botschaft des Sportsenators mit einem Sieg unterfüttert hatten: „Die Sportmetropole lebt. Dieses Signal wollen wir an dieser Stelle weitertragen“, sagte Geisel bei der Pressekonferenz, auf der das Hilfsprogramm „Offensive Sportmetropole“ vorgestellt wurde.

Angesichts der Corona-Pandemie, die die etablierten Abläufe bei den Berliner Profivereinen, bei den Bundesligisten und bei Großveranstaltungen wie Marathon, Istaf oder Sechstagerennen erschwert oder ganz unmöglich gemacht hat, habe man sich gefragt: „Welche Perspektiven bieten wir den Sportlerinnen und Sportlern? Was bieten wir den Zuschauerinnen und Zuschauern? Was können wir tun, um die existenziellen Bedrohungen von Vereinen und Ehrenamtlichen abzumildern?“ Neben einem Rettungsschirm von sechs Millionen Euro für den Amateursport, der noch einmal aufgelegt wird, hatte das Land Berlin die Profiklubs und Traditionsveranstaltungen im vergangenen Jahr mit mehr als 2,1 Millionen Euro unterstützt, um krisenbedingte Sponsoring-Ausfälle und das Fehlen von Zuschauer-Einnahmen aufzufangen.

Geisel will Aushängeschilder der Sportmetropole unterstützen

Für die Saison 2021/2022 stehen dafür nun weitere drei Millionen Euro zur Verfügung. Neben Marketingpartnerschaften sind auch Zuwendungen und die Überlassung von Sportstätten Teil des Programms. Davon profitieren die Füchse-Handballer mit Fuchsi, die Volleyballer der BR Volleys mit Tiger Charly, die Eishockeyspieler der Eisbären mit Bully und Albas Basketballer mit dem Albatros, aber auch der Berlin Marathon oder Frauenteams der ersten oder zweiten Bundesliga. 

Sie seien die Aushängeschilder der Sportmetropole Berlin. „Es darf nicht sein, dass Corona die Berliner Vereine wirtschaftlich in die Knie zwingt“, meint Geisel. Auch die Bundesliga-Fußballer von Hertha und Union Berlin, sagte der Sportsenator, gehörten selbstverständlich zur Sportmetropole. Sie sind jedoch nicht in das Hilfsprogramm eingebunden, da sie eine „ganz andere finanzielle Situation durch Fernsehgelder haben“.

Veranstaltungen wie der Berlin Marathon mit einer Million Zuschauern aus aller Welt brächten der Stadt nicht nur einen Imagegewinn, sondern an einem einzigen Wochenende eine Wertschöpfung von 380 Millionen Euro, erläuterte Geisel: „Wir brauchen diesen wirtschaftlichen Nutzen für die Stadt, deshalb können wir die Vereine nicht im Regen stehen lassen.“

Neben einer Equipment-Pauschale für 35 Erst- und Zweitligateams fördert das Land Berlin auch die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie. Als Sprecher der sechs großen Berliner Profiklubs verwies BR-Volleys-Manager Kaweh Niroomand darauf, dass etwa die Existenz seines Teams ohne den Rettungsschirm „sehr, sehr gefährdet gewesen“ sei. „Es geht nicht um das Wohlergehen einiger Profisportler, sondern alle Vereine leisten beispielhafte Nachwuchsarbeit, Integration und Partizipation“, sagte er. 

Planungen für Halbmarathon und Marathon in August und September

„Gemeinsame Aufgabe ist es, die Sportmetropole in all ihren Facetten in den nächsten Monaten wieder lebendig in dieser Stadt abbilden zu können. Dafür danken wir für die Unterstützung und gehen offensiv, aber auch mit dem notwendigen Respekt an die kommenden Herausforderungen“, ergänzte Jürgen Lock, Geschäftsführer der SCC Events GmbH, der Laufveranstaltungen zunächst im kleineren Rahmen wie der City Nacht plant – und darauf hofft, dass der auf Ende August verschobene Halbmarathon ebenso wie der Marathon am 26. September stattfinden kann.