Buenos Aires - „Danke, dass du existiert hast. Wir werden dich unser Leben lang vermissen“, waren die ersten Worte, die Argentiniens Präsident Alberto Àngel Fernández an dem traurigen Tag gefunden hat, von dem die argentinische Tageszeitung El Clárin schrieb: „Diego Armando Maradona ist gestorben und die Welt ist nicht mehr dieselbe.“ Der Tod von Diego Maradona, ihrem Pibe de Oro, dem Goldjungen, der es aus dem Armenviertel Villa Fiorito am südlichen Stadtrand von Buenos Aires auf den Fußballthron der Welt geschafft hatte, traf die Argentinier an diesem Novembermittwoch mitten ins Herz. Journalisten weinten vor der Kamera. Anderen fehlten die Worte. Was bleibt zu sagen, wenn einer stirbt, mit dem sich viele Argentinier so verbunden fühlten? Verbundener als mit dem Papst? Den sie mit all ihrer Liebe und voller Pathos auf einen gottähnlichen Sockel hievten? Für den sogar eine Kirche gegründet wurde?

Auf allen Fernsehkanälen liefen Bilder von El Diez, ihrer Nummer zehn. „Ewige Dankbarkeit. Ewiger Diego!“, schrieben die Boca Juniors, für die Maradona zu Anfang und Ende seiner Karriere gespielt hatte. Trotz der Pandemie verließen Menschen ihre Büros, um sich im Zentrum von Buenos Aires auf der Straße zu umarmen, ihr Leid zu teilen - Tränen versickerten in Corona-Masken. Die Regierung kündigte drei Tage lang Staatstrauer an. Maradonas Leichnam wird ab Donnerstag im argentinischen Präsidentenpalast aufgebahrt. Er soll ein Staatsbegräbnis bekommen.

Vor dem Haus in Tigre am nordwestlichen Rand von Buenos Aires, in dem Maradona nach einem Herzinfarkt gestorben war, harrten hunderte von Kameraleuten, Journalisten und Fotografen aus. Die Nation wollte Maradona noch mal nahe sein. Ihrem Helden, bei dem schon lange vor Instagram und Twitter jede Tat und jedes Wort millionenfach transportiert, kommentiert, interpretiert worden ist. Weltweit. Als der Notruf ausgelöst wurde, machten sich zehn Krankenwagen auf den Weg, um den 60-Jährigen, der erst kürzlich Geburtstag gefeiert hatte, zu reanimieren. Eine Krankenschwester hatte Maradona zuletzt Tag und Nacht überwacht. Seine Töchter Gianinna und Jana besuchten ihn regelmäßig.

Schon am Geburtstag hatte Maradona angeschlagen gewirkt. Vor drei Wochen wurde der Weltmeister von 1986 wegen einer Gehirnblutung operiert. Als der Coach vor dem ersten Spiel seines Vereins Gimnasia y Esgrima La Plata nach der Corona-Pause kurz ins Stadion kam, um Glückwünsche zu empfangen, musste er beim Gehen gestützt werden. 

Seit Jahren kämpfte Maradona gegen seine Kokainsucht. Laut seinem Leibarzt Leopoldo Luque griff er zuletzt häufig zum Alkohol, nahm Antidepressiva, litt an Schlafstörungen. In einem seiner letzten Interviews gestand Maradona, dass er sich gefragt habe, ob die Menschen ihn, der so viel außerhalb des Landes gewesen war, noch immer liebten. Ob sie das gleiche fühlten wie früher: „Als ich das Stadion von Gimnasia betrat, habe ich gespürt, dass die Liebe der Menschen niemals aufhört“, sagte Maradona, der schon 2000 und 2004 Herzinfarkte erlitten hatte. 

„Ein trauriger Tag für alle Argentinier und für den Fußball. Er geht, aber verlässt uns nicht ganz, denn Diego ist unsterblich“, äußerte der sechsmalige Weltfußballer Lionel Messi. Die südamerikanische Fußball-Konföderation Conmebol sagte am Mittwoch postwendend die für den Abend geplante Partie der Copa Libertadores zwischen Inter de Porto Alegre und den Boca Juniors ab. „Welch eine traurige Nachricht! Ich habe einen einmaligen Gefährten verloren, die Welt eine Legende“, schrieb Brasiliens Fußball-Idol Pelé. „Eines Tages spielen wir hoffentlich gemeinsam Fußball im Himmel“, fügte der 80-Jährige an. Papst Franziskus sagte, er schließe Maradona in seine Gebete ein.