Berlin - In fünf Jahren soll der Formel-1-Weltmeister Grün tragen. British Racing Green, um genau zu sein. Die Ambitionen bei Aston Martin und Sebastian Vettel sind groß, so groß wie der Name der englischen Nobelmarke. Müsste das aktuelle Dasein als Mittelfeldteam da nicht auf die Stimmung drücken? „Wir sind ziemlich zufrieden“, sagt Vettel und sieht dabei tatsächlich ziemlich zufrieden aus. Was das neue Team bislang erreicht habe sei „nicht viel, aber es ist besser als nichts“.

Diese Genügsamkeit hat einen guten Grund, der Start Aston Martins als Werks-Rennstall war deutlich schwieriger als erwartet. Neuzugang Vettel war zu Beginn der Saison am Ende des Feldes unterwegs, vor dem achten Rennen in Österreich am Sonntag (15 Uhr, Sky) scheint das Schlimmste aber überstanden. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Vettel, „die ersten Rennen haben nicht widergespiegelt, wo wir hingehören und was wir aus dem Auto herausholen können.“

Österreich müsste Aston Martin sogar noch besser liegen

Dreimal in Folge landete Vettel jetzt in den Punkten, der zweite Platz in Baku Anfang Juni war der bisherige Höhepunkt. Die Gegner heißen endlich McLaren und Ferrari, „es ist gut, dass wir jetzt auch mit denen kämpfen können“, sagt Vettel, „die Geschwindigkeit stimmt einfach“. Und das hängt offenbar nicht mehr vom Streckentyp ab. Der schnelle Kurs in Spielberg, wo nun zwei Rennen in Folge stattfinden, müsse dem Auto gar „noch ein bisschen besser“ liegen, als Le Castellet am vergangenen Sonntag, sagt Teamchef Otmar Szafnauer: „Ich denke, wir werden dort etwas konkurrenzfähiger sein.“

Der Grund: Aston Martin hat seine Probleme mit dem Unterboden durch zahlreiche Updates in den Griff bekommen, steht dadurch auf einer stabileren Basis – und kann endlich auch die Schwächephasen der anderen Mittelfeldteams ausnutzen. Denn die sind durchaus angreifbar. So erlebte Vettels Ex-Rennstall Ferrari in Frankreich einen tiefen Absturz, fiel mit beiden Autos aus den Punkten, weil die Renngeschwindigkeit zum wiederholten Male deutlich schlechter war als die Leistung im Qualifying.

Rang vier in der Konstrukteurswertung ist realistisch

Platz drei in der Team-WM hatte Aston Martin vor der Saison angepeilt, der beste Rennstall hinter Red Bull und Mercedes wollte man sein. McLaren (110 Punkte) hat den momentan inne und wirkt zu konstant, um bald abgefangen zu werden. Ferrari (94) und AlphaTauri (45) sind für Aston Martin (40) aber angreifbar. Rang vier ist ein Ziel, um das Vettel und Co. mittlerweile kämpfen können. Und das wäre dann in der Tat ein ordentlicher Start in eine Mission, die ja bald größere Erfolge bringen soll.