BerlinMaik Franz empfängt in den Räumen von „Alpha Sports“ am Kurfürstendamm. Der ehemalige Bundesliga-Profi gehört erst seit wenigen Wochen zu einem Team, das Profis aller Sportarten bei Verletzungen sowie Versicherungs- und Steuerfragen berät. In seinem Büro hängen eingerahmte Trikots ehemaliger gegnerischer Spieler aus der Bundesliga, etwa das von Weltmeister Jérôme Boateng. Nach seiner Karriere studierte Franz Sportmanagement. Von 2016 bis 2018 war er Assistent der Geschäftsführung beim 1. FC Magdeburg, von Mai 2018 bis Juli 2020 Sportlicher Leiter beim Drittligisten. Im Interview spricht er über die Dritte Liga und die Perspektiven der Ostvereine.

Herr Franz, im Juli trennte sich der 1. FC Magdeburg in einer sportlichen Krise von Ihnen. Vor wenigen Tagen kritisierten Sie den Umgang des Klubs mit Ihnen?

Ich bin niemand, der gerne nachtritt. Wir hatten uns ja einvernehmlich getrennt nach viereinhalb Jahren mit vielen emotionalen Höhen und Tiefen. Ich wünsche dem 1. FC Magdeburg nur das Beste und verfolge den Weg natürlich intensiv weiter. Nur als der Aufsichtsrat zuletzt einen Zusammenhang zwischen der aktuellen sportlichen Misere und meiner Tätigkeit herstellte, fand ich das unangebracht. Ich bin schon einige Monate weg aus Magdeburg und habe den aktuellen Kader nicht zusammengestellt.

Gerade in der Saison 2019/20, die wegen des Coronavirus nach 27 Spieltagen vor dem Abbruch stand, waren Sie in einer komplizierten Situation gefordert.

Mitte März wurde die Dritte Liga unterbrochen, später dann über das weitere Vorgehen abgestimmt. Zehn Klubs wollten weiterspielen, acht waren für einen Abbruch, auch der 1. FC Magdeburg. Zwei Vereine enthielten sich der Stimme. Es ging weiter, manche wollten das auf Teufel komm raus. Die DFL und der DFB stellten mit viel Aufwand ein Hygienekonzept auf. Das hat funktioniert, obwohl bis auf Testungen und die Umsetzung des Konzeptes im Stadion wenig kontrolliert worden war.

Derzeit gibt es wieder Geisterspiele in der Dritten Liga.

Das ist leider Fußball ohne Emotionen. Das schaue ich mir im Fernsehen auch nur noch sporadisch an. Es ist jammerschade für die Fans, denen fehlt das gemeinsame Jubeln und Leiden. Es ist ein schmaler Grat, ich habe das Gefühl, dass das Interesse nachlässt. Als im Oktober noch ein kleiner Teil an Fans zugelassen war, kamen etwa in Magdeburg gegen Türkgüci statt erlaubter 7500 Fans nur 5000. Wenn sonst in Magdeburg nur das Flutlicht anging, waren sofort 10.000 Leute da.

Franz: Hansa Rostock hat gute Chancen, um den Aufstieg mitzuspielen

Wie schätzen Sie das Niveau der Dritten Liga ein, die ja das Image einer „Kampf-Liga“ besitzt?

Man kann in dieser Liga mit einem starken Zusammenhalt, Kampfkraft und einem klaren Plan viel erreichen. Alle spielen auf einem ähnlichen Level. Viele Teams haben junge Spieler und auch Profis, die schon in Richtung Zenit ihrer Karriere gehen. Da gibt es oft ähnliche Mannschaftsstrukturen. Und jeder besitzt oft zwei, drei sogenannte Unterschiedsspieler. Wie gesagt, mit einem klaren Plan und Teamgeist kann man in dieser Liga Berge versetzen.

2018/19 spielte der 1. FC Magdeburg mit Ihnen als Sportchef in der Zweiten Bundesliga. Was das Budget angeht, trennen diese beiden Ligen Welten.

Zur Person

Abwehrspieler Maik Franz, 39, war zwischen 1988 und 2004 für folgende Vereine aktiv: SV Langenstein, Germania Halberstadt, 1. FC Magdeburg, VfL Wolfsburg, Karlsruher SC, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC. Als Profi absolvierte er 192 Spiele (12 Tore) in der Ersten Bundesliga und 40 (2 Tore) in der Zweiten Bundesliga. Wegen seiner rustikalen Spielweise erhielt er den Beinamen „Iron-Maik“. Franz ist in seiner Freizeit aktuell für Hertha BSC in der Ü32-Senioren-Verbandsliga Berlin am Ball.

In der Dritten Liga gibt es etwa 1,2 Millionen Euro TV-Geld pro Verein, in der Zweiten Liga sind das bei den Neulingen schon 7 bis 8 Millionen Euro. Und je länger man dabei ist, umso mehr Fernsehgeld wird an die Vereine ausgeschüttet.

Bitte beurteilen Sie die Chancen der Ost-Klubs in der aktuellen Saison der Dritten Liga.

Wenn der 1. FC Magdeburg Ruhe in die angespannte Situation bekommt und einen Lauf starten kann, ist es möglich, einen gesicherten Mittelfeldplatz zu erreichen. Vorn sehe ich für Hansa Rostock gute Chancen, endlich aufzusteigen. Sie haben eine gelungene Mischung an Spielertypen im Team. Rostock ist für mich ein super Fußball-Standort. Das gilt auch für Dresden. Dynamo ist mir schon immer sehr sympathisch, dort sind die Erwartungen sehr hoch. Das neue Team muss sich zeitnah finden. Auf Sicht muss Dresden aufsteigen. Unten ist der FSV Zwickau ein verschworener Haufen, Trainer Joe Enochs hat Biss und wirkt souverän. Sie werden die Liga halten, auch mit den geringen wirtschaftlichen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen. Der Hallesche FC hat viele wichtige Spieler verloren. Das ist extrem schwierig aufzufangen. Ich denke, sie benötigen etwas Zeit, werden aber sicher in der Liga bleiben und weiter am Aufbau arbeiten.

Sie selbst haben einst in der Ersten und der Zweiten Bundesliga verteidigt. Wie groß war der Unterschied?

Ganz oben geht alles nochmal viel schneller. Dort wird beinahe jeder kleine Fehler, jeder Fehlpass, jede Unaufmerksamkeit knallhart bestraft. Wenn ich in der Zweiten Liga noch Fehler ausbügeln konnte, eine Etage höher ging das nicht. Ich erinnere mich zum Bespiel an ein Spiel zwischen Wolfsburg und Hertha. Dort war der Brasilianer Marcelinho mit Ball schneller als ich ohne – und ich war nicht langsam. Mit dem VfL verloren wir mit 2:3 und Marcelinho schoss alle drei Tore. Das werde ich leider nicht vergessen.