Ab durch die Mitte: Karsten Heine und seine VSG Altglienicke stehen sportlich im Nordosten am besten da. Gesucht wird eine passende Spielstätte für Liga drei. 
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BerlinAm Sonntagnachmittag um 16.55 Uhr trennte sich die Mannschaft der SV Rödinghausen vom ehemaligen Bundesligisten Alemannia Aachen 3:3-Unentschieden. Sie führt souverän die Tabelle der Regionalliga West an. Deshalb ist sie in den Fokus der Spitzenteams aus der Regionalliga Nordost geraten. Denn der Meister der Staffel West bestreitet gegen den Champion aus dem Nordosten die Relegationsspiele um den Aufstieg in die Dritte Liga. Und Rödinghausen hat seinen Verzicht auf einen möglichen Aufstieg erklärt. Eine Lizenz wird nicht beantragt.

Alexander Müller ist Geschäftsführer der SV Rödinghausen, eines seriös geführten Vereins aus Ostwestfalen im Kreis Herford, er sagt: „Wir haben die Anforderungen des DFB bis ins letzten Detail geprüft, gerechnet, diskutiert und sind zu dem Entschluss gekommen: Wir werden die Lizenz für Liga drei nicht beantragen.“ Zu groß sind die Auflagen für den kleinen Verein. So fordert der DFB ein Stadion mit mindestens 10 001 Plätzen, dazu eine Rasenheizung, Stellplätze für TV-Übertragungswagen, TV-Studio, neue großzügige Parkplätze und zahlreiche Toilettenanlagen.

Ringen um eine Lizenz

Die Arena in Rödinghausen bietet nur Platz für rund 2 500 Zuschauer, die Heimspiele in Bielefeld, Osnabrück oder Lotte auszutragen, sei keine Option, sagt Müller. Binnen zehn Jahren kletterte das Team von der Kreisliga A bis an die Spitze der Regionalliga,  Spielern und Trainer sind nun enttäuscht. Zweiter im Westen ist im Moment der SC Verl, der erst am 5. Februar im DFB-Pokal gegen den 1. FC Union 0:1 verlor.

Wer wird nun der Gegner? In der Staffel Nordost tobt gerade ein Dreikampf um Platz eins zwischen der VSG Altglienicke, dem 1. FC Lok Leipzig und Energie Cottbus. Am Wochenende bezwang Altglienicke, das Team von Trainer Karsten Heine, den BFC Dynamo im Jahnsportpark 2:1 hat allerdings ein Spiel mehr bestritten als Lok Leipzig (3:1 in Rathenow) und Cottbus (2:3 in Auerbach). Herthas Reserve unterlag am Sonntag dem immer stärker werdenden Berliner AK 1:3. Erfüllen diese Klubs die Voraussetzung für Liga drei?

Lothar Hamann, sportlicher Berater der VSG Altglienicke, sagt: „Wir arbeiten intensiv. Auch wir haben natürlich ein Stadionproblem und prüfen nun alle Optionen.“ Die VSG trägt ihre Heimspiele im Jahnsportpark aus. Der soll vielleicht noch in diesem Jahr abgerissen und neu gebaut werden. Auf der Willi-Sänger-Sportanlage in Baumschulenweg, wo das Team trainiert, entsteht mit großem Aufwand eine Regionalliga-taugliche Arena, die aber nur rund 3 000 Plätze aufweisen wird. Die VSG will möglichst einen Lizenzantrag stellen und hofft, dass der Jahnsportpark schrittweise umgebaut wird und weiter zur Verfügung steht. Auch in der Alten Försterei könnte Altglienicke einige Spiele austragen. Zum 1. FC Union bestehen gute Beziehungen. Doch viele Fragen bleiben derzeit offen.

Energie Cottbus ohne Probleme

Keine Probleme dürfte der FC Energie Cottbus bekommen. Er hat eine intakte Infrastruktur und mit dem Stadion der Freundschaft eine 22 500-Zuschauer-Arena, die schon Spiele der Ersten und Zweiten Liga erlebte. Auch der 1. FC Lok Leipzig hat verkündet, dass er nach Rücksprache mit neuen, potenziellen Sponsoren einen Lizenzantrag stellen möchte. Auch wenn Trainer Wolfgang Wolf findet  eine Relegation als „unmögliche Sache“ bezeichnet: „Der Staffelsieger muss direkt aufsteigen können.“

Bleibt die U23 von Hertha BSC. Der Leiter von Herthas Fußball-Akademie, Benjamin Weber, sagt: „Wir sind in Lauerstellung in der Liga. Um am Ende Platz eins zu belegen, muss viel zusammenkommen. Aber wir sind in der Pflicht, vorbereitet zu sein, sollte sich die Frage Aufstieg tatsächlich stellen.“

Hertha wird also aller Voraussicht nach einen Lizenzantrag stellen. Das Amateurstadion auf dem Olympiagelände erfüllt alle Anforderungen, hat zwar nur eine Kapazität von 5 400 Zuschauern, was aber in diesem Fall keine Hürde ist. „Die zweiten Mannschaften von Profiklubs benötigen in der Dritten Liga nur eine Arena mit 5 000 Plätzen“, sagt Weber: „Der Aufstieg ist für unsere U23 nicht das vordergründige Ziel, aber wenn die Chance da ist, muss man sie nutzen.“ Seit dem jüngsten 1:3 gegen den BAK sind die Chancen aber deutlich geringer geworden.