So richtig etwas anfangen konnte beim 1. FC Union niemand mit dem 1:1 bei Arminia Bielefeld. Trainer Urs Fischer lobte das Spiel seiner Mannschaft am Sonnabend zwar, das jedoch deutlich verhaltener als zuletzt beim 2:2 gegen den MSV Duisburg. Sprach er in der Vorwoche noch von deutlichen Verbesserungen in der Offensivarbeit, hieß es nach dem neuerlichen Unentschieden in Ostwestfalen lediglich: „Der Punkt geht in Ordnung, die Mannschaft hat sich gut präsentiert.“

„In Ordnung, gut“ − nicht Fisch, nicht Fleisch mag man hinzufügen. Denn anders lässt sich die dritte Punkteteilung in Serie für die Köpenicker kaum beschreiben. Natürlich, das Team ist mit zehn Punkten aus sechs Partien hundertprozentig im Soll, weiterhin ungeschlagen und defensiv bestens abgestimmt.

Auch wenn die Ballbesitzstatistik einen anderen Eindruck erweckte, ließen die Unioner auch gegen Bielefeld nur einen einzigen Schuss aufs Tor zu, nämlich den zum Ausgleich. Ansonsten überließen sie den Hausherren das Spiel, versuchten, sie durch frühes Anlaufen zu stören und blieben bei gegnerischem Ballbesitz ungemein aufmerksam. 17 Bielefelder Pässe fingen die Spieler von Urs Fischer ab, den Hausherren gelangen lediglich fünf solcher Balleroberungen.

An der Defensive lag es also nicht, dass es am Ende dennoch wieder nur zu einer Punkteteilung reichte. „Nach der ordentlichen ersten Hälfte hätten wir eigentlich unsere Konter besser ausspielen und auf das 2:0 drängen müssen“, analysierte Abwehrchef Marvin Friedrich – und drückte damit den Finger tief in die Wunde.

Plötzlich ist Hektik im Spiel

Die Offensive hatte den Köpenickern zuletzt schon die Siegesmöglichkeiten gegen Duisburg und Sandhausen genommen. Denn während Union defensiv bestens funktioniert, sucht die Abteilung Angriff noch immer nach ihrer optimalen Abstimmung. Eigentlich hatte Trainer Fischer nach dem sichtlich verbesserten Angriffsverhalten gegen Duisburg Konstanz ins Spiel bringen wollen und – der englischen Woche zum Trotz – erstmals in der Saison auf dieselbe Startelf vertraut.

Und dass das mit der Konstanz nicht so recht funktionierte, war sogar nicht einmal den Schlüsselspielern des offensiven Aufschwungs in der Vorwoche geschuldet. Akaki Gogia durfte sich für seine Vorarbeit zum Führungstreffer zumindest eine halbe Vorlage gutschreiben. Marcel Hartel ackerte auf der linken Seite, im Zusammenspiel mit dem früh lädierten und mit Turban geschmückten Ken Reichel sogar noch fleißiger als zuletzt in der Alten Försterei.

Nur nützte all der defensive Fleiß wenig, wenn dafür, vor allem nach der herrlich erkämpften Führung durch Grischa Prömel, die Offensive vernachlässigt wurde. „In der zweiten Hälfte haben wir uns zu sehr auf lange Bälle fixiert, da kam Hektik ins Spiel“, kritisierte auch Urs Fischer vorsichtig.

Leidtragender Sebastian Andersson

Leidtragender der ängstlich ausgespielten Bälle war Sebastian Andersson. Dem Stürmer, der sich in Unions Spielsystem nach dem Vorbild des noch verletzten Publikumslieblings Sebastian Polter vor allem mit seiner Kraft in die Schlacht werfen soll, entpuppte sich als suboptimaler Konterstürmer. Immer wieder wurde der Schwede allein gegen zwei oder drei Bielefelder Defensivspieler in Szene gesetzt, hatte aber weder Anspieloptionen, wenn er den Ball festgesetzt hatte, noch die Dynamik, sich im Laufduell durchzusetzen, wenn das Anspiel in den Raum kam. Die Köpenicker ließen ihre einzige Sturmspitze schlichtweg verhungern.

Entsprechend geknickt zeigte sich Andersson auch nach der Partie in Bielefeld. „Offensiv läuft es bei uns einfach nicht optimal“, klagte er und verwies noch einmal auf die verpassten Siegchancen in den vergangenen Wochen: „Wir hätten aus den letzten drei Spielen wenigstens eines gewinnen müssen.“

Auch gegen Duisburg hatte das Team nach der Führung versucht, den angeknockten Gegner routiniert auszukontern. Dabei ging der Schwede, der aufgrund seines torreichen Saisonbeginns nun regelmäßig von zwei oder drei Gegenspielern verteidigt wird, komplett unter, kam erst wieder zu Chancen, als die Eisernen nach den zwei Gegentoren plötzlich wieder selbst gefordert waren, das Spiel zu machen. Konterspiel und Sebastian Andersson − das passt nicht gut.

Weil mit der pfeilschnellen Braunschweiger Leihgabe Suleiman Abdullahi ein potenzieller Einwechsler für solche Konterspielzüge aber noch auf unbestimmte Zeit verletzt ausfällt, bleibt den Eisernen am Dienstag beim Heimspiel gegen Holstein Kiel (18.30 Uhr) nur eine Alternative: Die Mannschaft muss Mut und Courage zeigen, auch nach einer 1:0-Führung weiter konsequent nachsetzen und ruhig und ohne Hektik auf das zweite Tor drängen. Dann klappt es auch wieder mit drei Punkten.