Berlin - Vor den beiden Halbfinalspielen im Berliner Pokalwettbewerb, die am Pfingstwochenende ausgetragen wurden, war sich das Gros der Berliner Fußball-Anhänger sicher, dass Titelverteidiger VSG Altglienicke und Drittliga-Aufsteiger Viktoria 89 das Endspiel erreichen würden. Doch beide Mannschaften sind am Sonnabend nur Kiebitze am heimischen Fernsehgerät, wenn im Mommsenstadion das Finale ansteht (13 Uhr, live im RBB). Völlig überraschend lautet die Endspiel-Paarung: BFC Dynamo gegen Berliner AK!

Zuerst unterlag der klare Favorit Viktoria 89 im Stadion Lichterfelde dem BFC Dynamo deutlich und in dieser Höhe verdient mit 0:3. Der BFC zeigte dabei, dass die Mannschaft das halbe Jahr ohne Spielpraxis besser verkraftet hatte, als der künftige Drittligist, der es von 23. Juli an mit Mannschaften wie 1860 München, dem 1. FC Magdeburg oder dem Halleschen FC zu tun bekommt. Mit enormer Kampfkraft und starker Mentalität setzte sich der BFC durch und zeigte Viktoria zahlreiche Schwächen auf.

BAK-Kapitän Shawn Kauter macht klare Ansage

„Leider war bei uns heute nicht bei allen der Glaube vorhanden, das Spiel gewinnen zu können. Drei Standards haben dem BFC zum verdienten Sieg gereicht“, sagte Viktorias Trainer Benedetto Muzzicato. Er erlebte die erste Pflichtspiel-Niederlage seines Teams in dieser Saison. Fakt ist, Viktoria muss sich noch personell verstärken. BFC-Coach Christian Benbennek war dagegen begeistert vom couragierten Auftritt seiner Mannschaft und schwärmte: „Ich bin sehr stolz auf meine Spieler.“ Die Tore für den BFC fielen nach einem Eckball, einem Freistoß und per Elfmeter.

Auch im zweiten Halbfinale gab es eine gehörige Überraschung. Die VSG Altglienicke empfing im Amateurstadion von Hertha BSC, wo das Team von Trainer Karsten Heine erst einmal seine Heimspiele austragen wird, den Liga-Konkurrenten Berliner AK. Am Ende siegte der BAK sensationell mit 4:0 und spielte lange Zeit wie entfesselt auf. VSG-Coach Heine sagte enttäuscht: „Wir hatten einen schlechten Tag erwischt und der BAK war im Konterspiel brutal stark und überzeugte mit großer Schnelligkeit.“ BAK-Kapitän Shawn Kauter, einst bei Hertha BSC am Ball, gab sich später auch verbal angriffslustig: „Wir haben ein halbes Jahr auf diesen Re-Start hingearbeitet. Jetzt wollen wir auch den Cup gewinnen.“

Dynamo gewann zuletzt 2018 den Berliner Pokal

Der BAK gewann zuletzt 2012 den Berliner Pokal und sorgte danach in der ersten Runde des DFB-Pokals für eine Sensation, als der Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim mit 4:0 bezwungen wurde. Der BAK-Trainer hieß damals Jens Härtel, der gerade mit Hansa Rostock den Aufstieg in die Zweite Bundesliga feiern konnte.

Final-Gegner BFC Dynamo verfügt über große Endspiel-Erfahrung, gewann 2015, 2017 und 2018 den Berliner Cup. Teammanager Jörn Lenz, ein BFC-Urgestein, sagte dieser Zeitung: „Die Chancen im Finale stehen 50:50. Das ist immer so, auch wenn etwa ein Regionalligist gegen einen Oberligisten antreten muss. Wir trainieren jeden Tag einmal bis zum Sonnabend. Die Jungs sollen ruhig bleiben, nicht überdrehen  und sich dann fokussieren.“

Noch eine juristische Hürde schwebt über dem Pokalwettbewerb. Oberligist Blau-Weiß 90 hatte Einspruch beim Berliner Fußball-Verband (BFV) eingelegt gegen die Entscheidung, den Pokal ausschließlich mit den im Wettbewerb verbliebenen fünf Regionalligisten zu Ende zu spielen. Die durften mit einer Sondererlaubnis des Senats wegen der Pandemie spielen, während die Oberligisten nicht als semi-professionell eingestuft werden und noch keine Pflichtspiele bestreiten dürfen. Am Donnerstagabend tagt das BFV-Sportgericht. Sollte der Fall eintreten und Blau-Weiß 90 bekommt recht, würde der BFV umgehend dagegen vorgehen und seinerseits vor das Verbandsgericht ziehen.

Lichtenberg 47 bangt um Spielrecht im Zoschke-Stadion

Ganz andere Probleme plagen Regionalligist Lichtenberg 47, der in Runde zwei des Pokals gegen Tennis Borussia ausgeschieden war. Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) hat den Antrag von 47, das heimische Zoschke-Stadion als Hauptstadion für die neue Saison zu melden, abgelehnt. Der Grund: Die geforderte Flutlichtanlage wird erst am Jahresende fertig sein. Lichtenberg soll stattdessen das Poststadion in Moabit, die Heimstätte des Pokalfinalisten Berliner AK, ebenfalls als Hauptstadion melden.

Dort existiert seit März eine moderne Flutlichtanlage. Bei 47 ist man enttäuscht, muss mit hohem organisatorischem Aufwand rechnen, wenn man für einige Monate ins Poststadion umziehen sollte – und verliert den Heimvorteil in einer sonst absolut spieltauglichen, schönen Arena. Beim NOFV heißt es, das Hauptstadion jedes Regionalligisten muss eine Flutlichtanlage besitzen. Die Entscheidung zu Lichtenberg 47 sei aber noch nicht endgültig.